Im Gespräch : „Habe mich beim VfB selbst angeboten“

Jan-Andre Sievers verließ 2008 den VfB und kehrte nun zurück an die Lübecker Lohmühle.
Jan-Andre Sievers verließ 2008 den VfB und kehrte nun zurück an die Lübecker Lohmühle.

Jan-Andre Sievers, Neuzugang des VfB Lübeck, hat für einen Ausbildungsplatz den Schritt zurück von der 3. Liga in die Regionalliga sowie finanzielle Einbußen in Kauf genommen. Wir sprachen mit dem 27-jährigen Fußballer.

shz.de von
02. Juli 2015, 06:00 Uhr

Kurz vor Beginn der Vorbereitung hat Fußball-Regionalligist VfB Lübeck Jan-Andre Sievers verpflichtet (wir berichteten). Der 27-Jährige war bereits in der Rückrunde der Saison 2007/2008 für die Grün-Weißen aufgelaufen. Nach der Insolvenz aber verließ der Defensivspieler die Lohmühle, kickte zuletzt drei Jahre für Fortuna Köln. Im Stormarner Tageblatt spricht Sievers über seine Rückkehr nach Lübeck und die Zukunft.

Jan-Andre Sievers, was ist dran an den Gerüchten, Sie hätten den Wechsel zur Lohmühle selbst eingefädelt?

Die sind korrekt. Ich wollte wieder zurück in den Norden, in die Nähe meiner Familie, die in Lüneburg wohnt. Deshalb habe ich unter anderem auch den VfB Lübeck angeschrieben und mich angeboten.

Bei solch einem Angebot konnte der Verein wohl nicht ‚Nein‘ sagen – Ihr Vertrag besitzt auch eine längere Laufzeit bis zum 30. Juni 2018…

Es ging tatsächlich alles recht zügig. Die Gespräche mit den VfB-Verantwortlichen verliefen gut, wir haben uns relativ schnell geeinigt. Auch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle – wenn möglich im kaufmännischen Bereich – will der Verein mir behilflich sein. So kommen dann auch die drei Jahre Laufzeit zustande.

Inwiefern hat die Ausbildungsstelle am Ende den Ausschlag gegeben, um sich auch abseits des Fußballplatzes etwas aufzubauen?

Das war definitiv wichtig. Ich bin nicht mehr der Jüngste und sehe beim VfB vor allem die Chance, professionellen Fußball und eine berufliche Zukunft zu verknüpfen.

Wie schwer – oder auch einfach – ist Ihnen der Abschied von Drittligist Fortuna Köln gefallen? Zumindest in der vergangenen Spielzeit wurde nicht mehr wirklich auf Sie gesetzt.

So ist halt das Fußballgeschäft. Ich kam mir ein bisschen als „Bauernopfer“ vor. Nach zuvor zwei Spielzeiten in der Stammelf und dem Aufstieg reichte es für mich im dritten Jahr und in der 3. Liga nur noch für sporadische Einsätze. Schade, aber das lag tatsächlich nicht an meiner Leistung, sondern vor allem an der eher defensiven Ausrichtung, der Art und Weise, wie der Coach in der 3. Liga agieren ließ. Das musste ich akzeptieren – verstanden habe ich es allerdings nicht.

Damit geht es für Sie vom Profi- wieder in den Amateurbereich. Wie schmerzhaft sind die finanziellen Einbußen?

Ich wusste vorher, dass ich in Lübeck keinen Beutel Gold scheffeln werde. Mir ist – wie schon erwähnt – wichtiger, mir ein zweites Standbein zu schaffen, meinen beruflichen Werdegang zu forcieren. Das ist hier möglich. Nur das zählt.

Aufstieg, Klassenerhalt, wie sieht das Saisonziel aus?

Ich kenne aus meiner Zeit in der Saison 2007/2008 ja eigentlich nur Nils Lange und Dennis Wehrendt. Mit Jonas Toboll habe ich zudem in Emden zusammengespielt. Aber der VfB hat in der vergangenen Saison als Aufsteiger einen tollen siebten Rang geschafft und bewiesen, dass Qualität vorhanden ist. Eine Zielsetzung für die neue Saison möchte ich nicht ausgeben, dass wäre zu vermessen und ist Sache des Clubs. Ich hoffe einfach, dass ich mithelfen kann, dass der Verein den eingeschlagenen Weg fortsetzen kann. Was letztlich in der Tabelle dabei herauskommt, wird man sehen. Wichtig ist es mir, dass es gelingt den eigenen Fans etwas zu bieten, die den VfB schon damals trotz des feststehenden Abstiegs 2008 toll unterstützt hatten. Ich denke da nur an die Begegnung am letzten Spieltag in Essen, die wir nicht nur mit 1:0 gewonnen haben, sondern bei dem uns noch über 500 Lübecker begleitet haben.

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