zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 21:57 Uhr

Großes Theater um Kita-Vertrag

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Eröffnung des neuen Integrationskindergartens Brummkreisel mit Krippenplätzen drohte fast zu scheitern

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 31.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Mein Gott war das ein Theater. Da wird für mehr als zwei Millionen Euro ein neuer Integrationskindergarten mit Krippenplätzen gebaut, der Zeitplan ist eng, aber es könnte mit der Eröffnung zum Start des Kindergartenjahrs klappen und dann das: Quasi auf der Zielgeraden gibt es keine Mehrheit für den von der Verwaltung mit der Lebenshilfe ausgehandelten Betreibervertrag. Durchgefallen, eine Mehrheit von SPD, Grünen und FBO sprach sich für einen alternativen Vorschlag aus. Den lehnte Lebenshilfe Geschäftsführerin Ursula Johann allerdings ab. In der Erwartung, dass bei den Verhandlungen alles glatt gehen würde, hatte die Lebenshilfe bereits die Plätze vergeben. Alles hinfällig. Ohne Kita-Räume bräuchte die Lebenshilfe auch kein Personal, zumindest nicht so viel...

Da war richtig Dampf auf dem Kessel: Die armen Behinderten angeblich ohne Bleibe, berufstätige Eltern, die sich auf die Zusage der Lebenshilfe verlassen hatten und plötzlich auf dem Schlauch zu stehen drohten. Ganz zu schweigen von der Blamage, dass ein Zwei-Millionen-Neubau hätte leer stehen können.

Es ging ums liebe Geld. Eigentlich hat Bad Oldesloe mit den Kita-Betreibern standardisierte Verträge. Kosten für das anerkannte pädagogische Personal werden übernommen, die Gebäudekosten ebenfalls und dann gibt es eine Pauschale pro Kind – damit kommen alle Kindergärten aus. Die Argumentation der SPD war: Das muss doch auch für die nichtbehinderten Kinder im Brummkreisel gelten. Dass für behinderte Kinder ein Mehraufwand zu zahlen ist, ist unstrittig. Für den ist aber nicht die Stadt zuständig, sondern eine Koordinierungsstelle (Kosoz). Ursula Johann sagte, wenn sie den gängigen städtischen Vertrag unterschreiben würde, lägen die Sätze unter dem, was die Kosoz gemeinhin anerkenne. Die würde deshalb ihrerseits die Zuschüsse runter fahren. Für die Lebenshilfe hätte das angeblich einen jährlichen Verlust von 30 000 Euro zur Folge.

Gegenüber dem Tageblatt sagte ein Kosoz-Sprecher zwar, dass das nicht stimme, derartige Zusammenhänge gebe es nicht, vor den städtischen Gremien durfte aber kein Behördenvertreter Rede und Antwort stehen, um für Klarheit zu sorgen. Gleichzeitig lässt sich nachlesen, dass Gesellschaften der Lebenshilfe drei Millionen Euro Gewinnrücklage haben.

Um den Leerstand zu vermeiden, kündigte Bürgermeister Tassilo von Bary an, den Brummkreisel in den Neubau zwangseinzuweisen – quasi an allen politischen Beschlüssen vorbei. Damit wäre zumindest den betroffenen Eltern geholfen. Bei einer Sondersitzung der Stadtverordneten im Juli wird dann endgültig entschieden: Ein Kompromissvorschlag der CDU, der in der Praxis dem entspricht, was vorher ausgehandelt worden war, wird angenommen. Die Lebenshilfe jubelt, die Eltern atmen auf.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen