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Bad Oldesloe : Großer Streit um kleines Tauschhaus

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Karin Hoffmann wollte neben ihrer Bücherzelle in der Fußgängerzone auch ein Tausch-Haus aufstellen. Doch der Bürgermeister lehnt das ab.

Die Oldesloerin Karin Hoffmann hat sich in den Kopf gesetzt, das hintere Ende der Mühlenstraße zu beleben und aufzuwerten. Seit einigen Jahren engagiert sich die Grünenpolitikerin für verschiedene erfolgreiche Projekte in diesem Bereich der Fußgängerzone. Schnell fanden sich Mitstreiterinnen, und so entstanden zwei Fotowände des Frauen-Foto-Forums und eine beliebte Bücherzelle.

Die Ideen gehen Hoffmann nicht aus. Nun sollte als nächstes ein Tauschhaus aufgestellt und eine Kinderlese-Ecke mit einem Boot eingerichtet werden, in dem der Leserattennachwuchs sich gemütlich auf das literarische Meer hinauswagen könnte. Mit einem Schreiben des Bürgermeisters wurde das Vorhaben jetzt jäh gestoppt. Tassilo von Bary erteilte darin der Idee des Tauschhauses eine klare Absage. Begründung: Die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit sei nicht gegeben. „Es war zu bewerten, dass das öffentliche Interesse an dem Schutz des Straßenbildes höher anzusehen ist als ein privates Interesse“, heißt es in der Absage der Verwaltung.

Karin Hoffmann ist außer sich: „Das ist das schwachsinnigste Pamphlet unseres Bürgermeisters, das ich je gelesen habe“, schimpft sie, „kein Wunder, dass sich die Leute nicht mehr ehrenamtlich einbringen, wann man so ausgekontert wird. Was hat der sich bloß dabei gedacht?“

Um die Sache geht es bei der Begründung in ihren Augen. „Er hätte ja mal herkommen können. Wenn man sich hier umschaut, muss man schon sagen, dass es ein sehr schönes Straßenbild ist, das natürlich unbedingt geschützt werden soll. Und so ein allgemeines Tauschhaus für die Innenstadt und die Passanten ist natürlich eine echte Verschlechterung der Qualität der Fußgängerzone“, sagt die für ihre beißende Ironie bekannte Lokalpolitikerin. Das Tauschhäuschen hat sie bereits bestellt. „Für mich war das Genehmigungsschreiben nach dem Erfolg mit der Bücherzelle ein Selbstgänger. Wenn ich die Absage richtig deute, müssen wir auch die Bücherzelle wieder abbauen“, sagt Karin Hoffmann jetzt.

Ihre Mitstreiterin Birigt Weißmann hofft auf eine Lösung: „Vielleicht tut sich ja noch was. Das soll jetzt kein sinnloses Bürgermeister-
Bashing sein. Karin ist natürlich frustriert und sauer.“

„Wenn Frau Hoffmann nun sagt, sie müsse auch die Bücherzelle abbauen, ist das einfach ihre übertriebene Rolle der beleidigten Leberwurst“, entgegnet Bürgermeister Tassilo von Bary. In Sachen Tauschhaus könne es keine Einigung geben, solange der Bebauungsplan nicht geändert sei.

„Wenn die Politik das wünscht, kann das geändert werden, aber dann kann auch jeder andere Anträge stellen, was er dort bauen möchte“, so der Bürgermeister, der „erst jetzt aus der Presse“ von dem Projekt erfahren haben will. „Es gab keine Vorgespräche. Auch ein Boot für Kinder kann Frau Hoffmann da nicht einfach hinstellen.

„Gutes ehrenamtliches Engagement hin oder her – es gibt Regeln“, so von Bary. Es sei allgemein ein Problem bei manchen ehrenamtlich Engagierten, dass sie im Überschwang Fakten schaffen. Von Bary: „Ich kann keine vollendeten Tatsachen genehmigen, wenn es dafür keine Basis gibt.“


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erstellt am 25.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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