VfL Hauptversammlung : Großer Krach zum Abschied

Der scheidende Vorsitzende Detlef Rädisch bei seiner großen Generalabrechnung zum Abschied.
Der scheidende Vorsitzende Detlef Rädisch bei seiner großen Generalabrechnung zum Abschied.

Detlef Rädisch, der scheidende Vorsitzende des VfL Oldesloe, holt zum verbalen Rundumschlag aus .

shz.de von
13. Mai 2015, 06:00 Uhr

Fast jeder große Sportverein hat eine „Abteilung Attacke“. In Bad Oldesloe besetzte Detlef Rädisch in seiner Funktion als Vorsitzender vier Jahre lang diesen Posten. Mit dem was und vor allem wie er etwas sagte, eckte er oft an. Er hatte bereits im Vorwege angekündigt, nicht wieder anzutreten. Sang- und klanglos würde er nicht abtreten, das wurde schnell klar. So wärmte er den Streit mit Türkspor und die Verpachtung des Kurparkstadions an den kleinen Verein nochmals auf. „Das ist arrogante Inkompetenz gepaart mit Ignoranz“, polterte Rädisch in Richtung Politik und Verwaltung: „Dann heißt es von unseren selbstherrlichen, unwissenden Lokalpolitikern, dass wir ja der größte Verein seien, wir könnten auch mehr zahlen, wir könnten uns das ja leisten – nein, das können wir nicht!“

Und auch wenn er behauptete „ohne Frust und Groll“ aus dem Amt zu scheiden, merkte man, wie ihn fehlende Anerkennung wurmte. „Wir machen sehr viel für die Integration von Flüchtlingen. Verbände und andere Vereine sprechen uns drauf an, loben den Einsatz. Komisch, dass dazu von Seiten der Stadt und der Lokalpolitik noch kein Wort kam“, so der Vorsitzende. Und seine Liste war noch länger: „Die Schwimmhalle wird durch die Stadtwerke vereinsfeindlich betrieben. Plötzlich reichen die Ausbildungen unserer Übungsleiter nicht mehr. Sie sollen zusätzliche DLRG Ausbildungen absolvieren. Die könnten sie bei den Schwimmmeistern der Stadtwerke erwerben – na, da weiß man ja woher der Wind weht“, brachte er den nächsten Punkt vor. Überhaupt könne man den eigenen Übungsleitern nur eine „lächerlich geringe Aufwandsentschädigung“ zahlen. Bei den VHS-Kursleitern, die zum Teil vom VfL ausgebildet worden sein sollen, hätten die Politiker eine Erhöhung ohne große Diskussion durchgewunken.

Mehrere VfLer sprangen dem scheidenden Vorsitzende zur Seite. Frank Funk führte aus, dass es wichtig sei, dass Rädisch immer wieder Klartext gesprochen habe. „Dabei muss man halt dann Menschen auf die Füße treten“, so Funk. Sicherlich sei das nie persönlich beleidigend gemeint gewesen. „Ich habe immer gesagt, dass man bitte vor allem darauf hören sollte, was Detlef Rädisch sagt und nicht nur, wie er es sagt“, stärke ihm auch der stellvertretende Vorsitzende Dieter Thom den Rücken.

Rädischs Abgang sei schlecht für den VfL, betonte Thom. Nur er wurde als Kandidat für den Vorsitz vorgeschlagen, lehnte aber ab.

Der VfL muss nun also mal wieder ohne einen ersten Vorsitzenden auskommen. „Wir bleiben trotzdem geschäftsfähig, das gibt die neue Satzung so her“, erklärte Rädisch. Hubert Woelki aus der Leichtathletik-Abteilung bezweifelt aber, dass der Vorstand in der Lage sei, die Geschicke des größten Oldesloer Vereins zu leiten. „Der Vorstand muss durch einen hauptamtlichen Geschäftsführer entlastet werden“, ist er sich sicher. Das brachte den Ehrenvorsitzenden Walter Busch in Rage: „Ich finde, dass das echter Blödsinn ist. Die Beiträge müssten empfindlich angehoben werden.“ Für ein positives Signal sorgte Jennifer Fentroß. Die 24-jährige Leichtathletin erklärte sich bereit, den seit zehn Jahren vakanten Posten der Jugendwartin zu übernehmen.

„Ich werde zu dem Gesagten in der Stadtverordnetenversammlung ein Statement abgeben. So geht es nicht. Der VfL hat zum Beispiel gar kein Konzept für das Kurparkstadion abgegeben. Ich finde es schade, wie hier manche Dinge schwarz/weiß gemalt werden“, sagte Bürgerworthalter Fehrmann nach der Sitzung verstimmt.


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