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Erinnerungen an Pazifisten : Großer Kämpfer gegen den Krieg

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Zum 60. Todestag Paul von Schoenaichs können wieder hergerichtete Bücher des Pazifisten in der Stadtbücherei ausgeliehen werden.

shz.de von
erstellt am 04.Jan.2014 | 00:31 Uhr

Vor Weihnachten wurde durch einen Bücherflohmarkt Platz geschaffen. Jetzt hat die Stadtbücherei Reinfeld ihr Angebot um Bücher von Paul von Schoenaich erweitert. Von seinem 60. Todestag an stehen sie zur Ausleihe bereit.

Genau vor sechzig Jahren, am 7. Januar 1954, starb mit nicht ganz 88 Jahren Paul von Schoenaich, der große Wahl-Reinfelder, ein unermüdlicher mutiger Kämpfer gegen den Krieg. Vor allem die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs hatten ihn, den ranghohen preußischen Offizier, zur Überzeugung gebracht, dass es zur friedlichen Zusammenarbeit der Völker und Staaten keine Alternative gibt. Ein nächster Krieg würde noch viel zerstörerischer sein, als der gerade beendete und nicht nur bei den Besiegten, sondern auch bei den Siegern die nationalen Resourcen weitgehend vernichten. Deshalb knüpfte er enge Kontakte zu französischen und englischen Ex-Generälen; gemeinsam setzten sie sich im In- und Ausland für ihr großes Ziel, den Völkerfrieden ein.

Paul von Schoenaich war ein überzeugender Redner. Auf internationalen Kongressen und bei seinen Vortragsreisen durch das ganze Land, vor allem als Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft, gewann er viele Anhänger – es waren leider nicht genug. Er verfasste eine Vielzahl von Artikeln, die er in politisch entsprechend ausgerichteten Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichte. Darin argumentierte er für Kriegsdienstverweigerung und für die Ideale des Pazifismus und nahm entsprechend Stellung zur Tagespolitik. In seinen Büchern formulierte er – zum Teil auch mit erstaunlicher Selbstkritik - seine Erfahrungen und die Schlüsse daraus, besonders in „Mein Damaskus, Erlebnisse und Bekenntnisse“ (1926).

Sein Buch „Vom vorigen zum nächsten Krieg“ (1924) kann gerade in der aktuellen Diskussion zum Ersten Weltkrieg einen lebendigen Beitrag liefern – darin enthalten eine weitsichtige Vorausschau „Der Krieg im Jahre 1930“. Teils sogar amüsant beschreibt er in seinem „prophetischen“ Roman „Die Peitsche des August Schmidt – Zwischen Ford und Lenin, eine leider nur zum Teil wahre Geschichte“ (1927) eine ideale demokratische Organisationsform für einen großen Industriebetrieb. „Zehn Jahre Kampf für Frieden und Recht 1918 – 1928“ heißt sein Sammelband mit „81 seiner besten Aufsätze, die nicht nur für den Tag des Erscheinens Bedeutung hatten, sondern darüber hinaus auch heute noch Aufklärung vermitteln und Richtung weisen können“ - so wird der Band 1928 vom Verlag angekündigt. Und das gilt vielfach auch fast 90 Jahre später noch.

Sein letztes Buch „Mein Finale“ (1947) enthält Texte aus den Jahren 1928 bis zum 8. Mai 1945, seit 1933 das „geheime Tagebuch“. Es beginnt mit der ausführlichen Schilderung der ersten Monate der Naziherrschaft, wie er sie in Reinfeld erlebte, und seiner Verhaftung am 14. März 1933. Zehn Wochen später wurde er unter Auflagen wieder freigelassen. Diese fünf Werke Paul von Schoenaichs stammen aus dem Bestand des Reinfelder Stadtmuseums und aus einer privaten Spende. Die Leiterin der Stadtbücherei, Hilde Schacht, hat sie für den Verleih hergerichtet und ist gespannt: „Wer werden wohl die ersten Interessenten sein?“

Vielleicht gelingt es ja auch, noch weitere seiner Bücher zu erwerben. Da ist das Bändchen „Abrüstung der Köpfe – Ein Weg zum inneren und äußeren Frieden“ (1923) und da sind zwei durch präzise Beschreibungen beeindruckende Reiseberichte „Lebende Bilder aus Sowjet-Russland“ (1925) und „Palästina – eine Fahrt ins gelobte Land“ (1926).

Wer nun neugierig geworden ist: Von Montag, 6. Januar, an lohnt sich ein Besuch der Stadtbücherei Reinfeld ganz besonders. Bischofsteicher Weg 75b, Öffnungszeiten montags 16 bis 18 Uhr, dienstags, mittwochs und freitags 10 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr).




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