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1,1 Millionen gefordert : Große Liebe zum Großensee

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Einwohner wollen den von der Hansestadt Hamburg gepachteten See gern erwerben – aber geht das?

Die Großenseer lieben ihren See. Dafür sind sie auch bereit, selbst in die Tasche zu greifen. „Wir wollen den See auf jeden Fall. Über Anteilsscheine oder ähnliches könnten wir das finanzieren. Sie können ruhig schlafen, wir sind bei Ihnen“, so ein Besucher der Veranstaltung zu Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers. Das ist die Kernaussage des Informationsabends „Kauf des Großensees“, zu dem der Bürgermeister eingeladen hatte. Die Hansestadt Hamburg ruft als Mindestgebot 1,115 Millionen Euro auf.

Das Dörphus in Großensee platze mit etwa 250 Zuhörern aus allen Nähten, einige saßen auf Tischen und Fensterbänken oder standen draußen auf dem Rasen vor geöffneten Fenstern.

Die Ausgangslage: Der Großensee ist seit 1937 im Besitz Hansestadt Hamburg, als Wandsbek, voriger Besitzer seit 1890 und bis dahin Teil Stormarns, eingemeindet wurde. Bis in die 80-er Jahre hat die Hansestadt das Oberflächenwasser zur Wasserversorgung benötigt. Seit Anfang 2000 bestehen Überlegungen, den See zu verkaufen. Seit dem Jahr 2001 ist die Gemeinde Großensee Pächter des Sees, bekommt Einnahmen aus der Fischereipacht, dem Freibad und 62 Gestattungsverträgen für Anlieger mit Booten.

Nun hat der Rechnungshof dem Hamburger Senat aufgetragen, alles was außerhalb des Stadtgebiets liegt, zu verkaufen. Hamburg hat sich für ein eingeschränktes Bieterverfahren entschieden, das heißt, sie macht vier möglichen Käufern ein Kaufangebot: Der Gemeinde Großensee, der Stiftung Naturschutz und zwei unbekannten privaten Interessenten.

In der Versammlung kam es zum Raunen, als der hohe Kaufpreis genannt wurde. Zuvor hatte Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers Vor- und Nachteile eines Ankaufes bzw. Nicht-Kaufs aufgezeigt. „Wir haben hier einen guten Zustand zwischen Mensch und Natur. Zum einen gibt es unzugängliche Stellen am See zum Schutz der Tiere, der See ist FFH-Schutzgebiet, und die Insel darf nicht betreten werden, zum anderen gibt es zwei Ufer zum Baden und die Anleger dürfen Boote benutzen“, erläuterte er. Das sieht der Gemeinderat gefährdet, wenn ein privater Käufer zum Zuge käme. Ein Zaun um den See ist das größte Horrorszenario, das sich die Großenseer vorstellen können. Andererseits ist der hohe Kaufpreis nicht so einfach aus dem Ärmel zu schütteln. Es könne zu Folgekosten kommen und die Schuldenfreiheit des Ortes sei auf lange Sicht nicht möglich. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung ginge schlecht aus, rechnete ein Besucher vor. „Wir können nicht sagen, wir reparieren keine Straßen mehr oder bauen keine Kindergärten, weil wir grade einen See gekauft haben“, gab Lindemann-Eggers zu bedenken. Trotzdem wurde vielfach plädiert, den Namensgeber des Ortes in den Besitz zu bringen. Ein Vorschlag war eine Eigentümerseegenossenschaft, mit der die Gemeinde den Kaufpreis zum Teil refinanzieren könnte. Großensees früherer Bürgermeister Leonhard Hundsdoerfer plädierte für mehr Verhandlungsgeschick mit höheren Institutionen. Karsten Lindemann-Eggers trug vor, dass er schon mit dem Land Schleswig-Holstein und dem Kreis sowie der Stiftung Naturschutz geredet habe. Es sei kein Interesse da und auch kein Geld in den Kassen, die Stiftung wolle höchstens 200000 Euro ausgeben, Fördergelder seien nicht zu bekommen.

Was die Angelegenheit zusätzlich schwierig macht: Die Hansestadt Hamburg ist bei der Art des Bieterverfahrens nicht verpflichtet, das höchste Gebot oder überhaupt ein Gebot anzunehmen. „Wenn es denen nicht passt, können sie ein öffentliches Bieterverfahren ausschreiben“, erklärt Lindemann-Eggers. Er lässt auch ein Vorkaufsrecht juristisch prüfen.



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