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Ahrensburg : Große Emotionen, Vorwürfe und ein verärgerter Propst

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Dicke Luft in der Gemeindeversammlung Ahrensburg. Das Treffen am Montagabend offenbarte tiefe Gräben zwischen Mitgliedern und Kirchenleitung.

Harte Wortgefechte, Streit und offen ausgesprochene persönliche Anfeindungen – keine Parteiveranstaltung, sondern die Gemeindeversammlung der evangelischen Kirchengemeinde Ahrensburg zeigte am Montagabend im Kirchsaal Hagen ein nicht gerade christliches Bild. Da fielen Sätze wie „dann fliegen Steine durch die Fenster“, eine Bemerkung aus dem Zuhörerkreis, die vom Versammlungsleiter Dr. Martin Ernst (Bargteheide) umgehend scharf gerügt wurde. Der erste Streit brach schon vor der Festlegung der Tagesordnung aus – die sah ein Ende der Versammlung gegen 21.30 Uhr vor. Die Mehrheit der Besucher votierte nach heftigem Hin und Her schließlich dafür, keine Zeitbegrenzung festzulegen. Resultat: Erst kurz vor 23 Uhr konnte Pastorin Ursula Wegmann den abschließenden Abendsegen sprechen.

Die emotionsgeladene Stimmung kam nicht von ungefähr: Immerhin geht es um die drohende Schließung eines von drei Predigtstandorten in Ahrensburg – im Kirchendeutsch heißt das „Gebäudeprozess des Kirchenkreises Hamburg-Ost“. Pastor Jürgen Barth, Leiter der Organisationsentwicklung des Kirchenkreises, verstand es, ohne Nennung des Namens St. Johannes die Überlegungen des Kirchenkreises darzustellen. Denn: Die Johanneskirche im Westteil der Stadt könnte die Kirche sein, die zur Disposition steht.

In Ahrensburg gibt es derzeit rund 11  000 Mitglieder in der Ev. Kirche, Tendenz sinkend. „Der Schlüssel ist ein Predigtstandort pro 5000 Kirchenmitglieder“, sagte Barth, „das bedeutet zwei Standorte für diese Stadt.“ Ausdrücklich nahm er die Schlosskirche von den Überlegungen aus, bleiben Johanneskirche und der Kirchsaal Hagen im Gespräch. Hintergründe sind nicht nur sinkende Mitgliederzahlen – in Ahrensburg gab es im vergangenen Jahr 181 Austritte, im Jahr zuvor waren es vor allem wegen der Missbrauchsfälle 300 – und damit eine sinkende Kirchensteuer. Barth: „Im Moment sprudelt die Kirchensteuer noch, aber das wird sich ändern.“

Ein angespannter Haushalt, eine fast aufgebrauchte Rücklage der Kirchengemeinde und die Tatsache, dass es der nicht mehr existierende Kirchenvorstand selbst war, der im Februar 2013 einen Antrag auf Entwidmung der Johanneskirche stellte, haben zu dieser Situation geführt. „Der Kirchenkreis Hamburg-Ost mit seinen 116 Kirchengemeinden hat etwa 300 Kirchen und Gemeindehäuser, davon wurden 160 nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut“, skizzierte Jürgen Rath das „Überangebot“. „Viele Gemeinden haben den Verschleiß ihrer Gebäude unterbewertet und zu wenig Rücklagen gebildet“, betonte er, dass es im Ahrensburger Fall absolut nichts mit der zum Teil ehrenamtlichen Arbeit der Gemeindeglieder zu tun habe.

Ein Drittel der Kirchengebäude soll aufgegeben werden, sprich, die Förderfähigkeit für Reparaturen und Sanierungen wird nicht länger gewährt. Das Gemeindehaus von St. Johannes ist inzwischen verkauft und dient der Unterbringung von Flüchtlingen. Wie der Verkaufserlös verwendet werden soll, blieb unklar. Das Geld sei noch nicht gezahlt, deshalb wollte sie keine Angaben zu der Summe machen, sagte Pastorin Ursula Wegmann.

Die Sprecherin des Beauftragtengremiums, das nach dem Rücktritt des Kirchenvorstandes gebildet wurde, geriet mehr als einmal in die Kritik der Besucher: Zu wenig Transparenz, kein Gehör für die Anliegen der Gemeindeglieder. Die Vorwürfe gipfelten in der Behauptung, die Kirchenaustritte seien auch ein Ergebnis der Pastorenarbeit. „Die Leute entscheiden sich gegen diese Gemeinde und damit gegen Sie“, rief eine Zuhörerin.

Ein Punkt, an dem Propst Hans-Jürgen Buhl einschritt: „Hören sie auf, alles schlecht zu reden“, appellierte er an die Besucher, „wenn sie keine Autorität mehr haben wollen, dann sagen sie es mir – und dann ist das okay“, hörte die Gemeindeversammlung einen sichtlich verärgerten Propst.

Immerhin: Nach dreieinhalb Stunden gab es aus der Versammlung Anträge, die jeweils mehrheitlich angenommen wurden: Das Beauftragtengremium soll über die Entwidmung nicht weiter entscheiden und auch keine Verkaufsangebote vorbereiten. Und: Das Beauftragtengremium soll zusammen mit der Kirchengemeinde darüber entscheiden, welcher Predigtstandort erhalten bleibt.




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