„Grasgeflüster“ vor Gericht – Angeklagte verurteilt

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23. Januar 2015, 13:52 Uhr

War es nur Eigenbedarf, wie Simon G. (Namen geändert) standhaft behauptete? Knapp drei Kilogramm Marihuana in unterschiedlichen Qualitäten beschlagnahmte die Polizei beim 34-Jährigen. In einem Schuppen vor seiner Mietwohnung in einem Dorf bei Bad Oldesloe hatte er eine semiprofessionelle Plantage zum Anbau von „Gras“ betrieben. Nach einem Tipp durchsuchte die Polizei am 13. September 2013 das Anwesen und stellte Ernte und Anlagen sicher. Jetzt verhandelte das Schöffengericht Ahrensburg gegen G. und Mittäter Klaus C., der sich im gleichen Haus eingemietet hatte. „Der hat mit dem Anbau aber nichts zu tun“, betont G. Er habe sich damit „entkriminalisieren“ wollen: „Denn der Kauf vom Dealer ist mir vor fast vier Jahren fast zum Verhängnis geworden.“ Der habe ihm auch harte Drogen angeboten und er sei zeitweise davon abhängig geworden. Nach einer Methadon-Therapie sei er aber clean, nehme keine illegalen Drogen mehr.

Seit dem 14. Lebensjahr habe er gekifft. „Mit 20 lernte ich meine Frau kennen und habe damit aufgehört.“ Die drei gemeinsamen Kinder betreut der Arbeitslose bis heute zeitweise. „Sind die auch zwischen den Pflanzen herumgelaufen?“, will der Richter besorgt wissen. „Nein, der Schuppen war doppelt abgeschlossen“, so die Antwort. Nach der Trennung von seiner Frau vor sechs Jahren habe er dann wieder angefangen zu kiffen.

Klaus G. ist hager und vom Leben gezeichnet, er wirkt desillusioniert: „Ich bin definitiv nicht mehr der Verbrecher, der ich mal war“, sagt er offen. Sein Vorstrafenregister ist lang: Schwerer Raub, Körperverletzung, Vielfaches Fahren ohne Führerschein und Drogendelikte. Viele Jahre hat er im Gefängnis verbracht. „Ich beantrage jetzt meine Rente“, sagt der 39-Jährige. In seiner Drogenkarriere hat er kaum etwas ausgelassen: „Heroin, LSD, Speed, Koks, Ecstasy und Alkohol“, zählt er auf. Bei der Durchsuchung wurden bei ihm 29g Marihuana gefunden. Bei Simon G. hat er wohl Halt gefunden, beide bestätigen, sie seien beste Freunde.

Den Anbau nur für Eigenbedarf nimmt das Schöffengericht Simon G. nicht ab. Es gebe zwar keine Beweismittel fürs Dealen, aber solch erhebliche Mengen könne er nicht allein konsumiert haben. Zudem sei seine Plantage, laut Kripo, technisch auf eine Erweiterung ausgelegt. Erst vier Monate vor der Beschlagnahme habe er mit der Anzucht von Marihuana begonnen, so G.

Er fällt dem Vorsitzenden Richter Ulf Thiele auch in der Urteilsbegründung wiederholt ins Wort. Ein Jahr und sieben Monate mit Bewährung lautet die Entscheidung, ein vorheriges Verfahren wird dabei einbezogen. G. hatte einen Mitarbeiter des Jobcenters telefonisch bedroht: „Wenn sie mich nicht zurückrufen, komme ich mit einem Molotow-Cocktail zu euch.“ Seine Bewährungsfrist beträgt jetzt dreieinhalb Jahre. Auch für Klaus C. wird eine Vorverurteilung ins Strafmaß einbezogen. Er muss für Drogenbesitz 100 Tagessätze zu 9 Euro Geldstrafe an eine gemeinnützige Organisation in Raten zahlen. Zudem tragen beide die Kosten des Verfahrens. Simon G. muss zudem 100 Arbeitsstunden leisten.



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