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hünengrab : Grabschändung in Reinfelds Forst

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

3000 Jahre altes Hünengrab bei Feier am Lagerfeuer mutwillig beschädigt / Spaziergängerin „tief betroffen und wütend“ .

Mutwillige Zerstörung mitten im Reinfelder Forst „Neuer Hau“. Versteckt im Wäldchen liegt das Hünengrab aus der späten Jungsteinzeit. Ein unscheinbares Hinweisschild führt den Wanderer dorthin. Nur wenige wissen, wo das Hünengrab in der Nähe des Herrenteiches überhaupt ist.

Gewusst haben müssen es aber Randalierer, die sich – geschützt von dichten Laubbäumen ringsherum – unbeobachtet und in Sicherheit wiegten, als sie direkt am Megalithgrab ein großes Lagerfeuer entfachten und um das Grab herum wohl ordentlich gefeiert haben. Spaziergängerin Anna-Lena Wulf traute am Samstagmorgen ihren Augen kaum, als sie Glasscherben, zerbrochene Glasflaschen und Reste eines Feuers am Hünengrab entdeckte. „Durch die starke Hitzeeinwirkung wurden Teile von einem Deck- und einem Trägerstein einfach weggesprengt“, empört sie sich. Tiefe Risse zeigen sich in dem rund 3000 Jahre alten Gestein. Es sei, so die Reinfelderin, davon auszugehen, dass diese durch winterlichen Frost noch tiefer werden.

Anna-Lena Wulf nimmt an, dass das Lagerfeuer am vergangenen Freitag gezündet und hinterher von den unbekannten Tätern wieder gelöscht wurde. Spuren davon seien auf dem Waldboden zu sehen. Die herumliegenden Scherben hat sie entsorgt, damit Kinder, Spaziergänger und Tiere sich nicht verletzen. „Ich bin tief betroffen und wütend“, sagt die junge Frau, „ Wieder mal ein Beispiel, was unachtsame Menschen der Umwelt antun.“

Durch die Respekt- und Verantwortungslosigkeit einiger Menschen sei ein Denkmal zerstört worden, dass Tausende von Jahren überdauert habe. Die Beschädigungen hat sie der Polizei und dem Ordnungsamt gemeldet und hofft, dass die Täter gefunden werden oder – noch besser – sich selbst stellen. „Ich wünsche mir, dass sie die Courage besitzen, sich zu melden und den Schaden durch soziale Arbeit zum Beispiel beim Nabu wieder gut machen“, hofft die Reinfelderin auf die späte Einsicht der Unbekannten. Zeugen für das unerlaubte Zündeln seien schwer zu finden, bedauert sie. Zu versteckt liegt das alte Steingrab im Wald.

Das Hünengrab stammt aus der späten Jungsteinzeit, ist vermutlich 3000 Jahre alt und wurde von den ersten Siedlern nicht weit vom Herrenteich im Wald „Neuer Hau“ errichtet. Es ist das letzte erhaltene Hünengrab dieser Art in der weiteren Umgebung.

In Norddeutschland wird ein Megalithgrab oder Großsteingrab auch „Hünengrab“ genannt. Das Wort „Hüne“ stammt aus dem Niederdeutschen und bedeutet „Riese“. Deshalb wurden bis zum 17. Jahrhundert die Steinanhäufungen fälschlicherweise als „Gräber für Riesen“ bezeichnet.

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erstellt am 05.Aug.2015 | 06:30 Uhr

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