Gnadenloser Schlagabtausch

Star-Journalist und TV-Sternchen: Martin Lüttge und Julia Grimpe auf der Bühne.
Star-Journalist und TV-Sternchen: Martin Lüttge und Julia Grimpe auf der Bühne.

"Das Interview": Kluge Moralstudie - schroff und scharf - im Kleinen Theater Bargteheide

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27. April 2012, 09:45 Uhr

Bargteheide | Eine kluge Moralstudie - schroff und scharf - kommt am Mittwoch, 2. Mai, ab 20 Uhr im Kleinen Theater zur Aufführung. Der Kulturring Bargteheide präsentiert Martin Lüttge und Julia Grimpe in "Das Interview".

Er versteht sich als seriöser Politik-Journalist und Kriegsberichterstatter. Pierre Peters (Martin Lüttge),

der alte Medien-Hase weiß, wie was und mit wem im Politikgeschäft zusammenhängt. Doch sein Chef straft ihn im Zuge eines Polit-Skandals mit einem ressortfremden Auftrag ab: Er wird dazu verdonnert, ein Pressegespräch mit der Soap-Aktrice Katja Schurman (Julia Grimpe ) zu führen, eine "Barbiepuppe statt eines Ministerpräsidenten" zu interviewen.

Peters ist frustriert und übernimmt den Auftrag nur widerwillig, denn er hat für das TV-Sternchen nur Verachtung übrig. Hinzu kommt, dass er durch diesen Interview-Termin nicht die für ihn viel bedeutungsvollere Berichterstattung über den zeitgleich vollzogenen Rücktritt der niederländischen Regierung wahrnehmen kann.

Die Schauspielerin, die beim Fernseh-Publikum vor allem durch ihre äußeren Reize große Popularität erlangt und "9 Millionen Menschen glücklich gemacht" hat, begegnet umgekehrt dem Reporter mit misstrauischer Abneigung. Sie hat einen Kulturredakteur erwartet, der seine Standard-Fragen zu Ruhm und Liebesleben abarbeitet. Statt dessen trifft sie auf den in ihren Augen äußerst arroganten Pierre Peters, der nicht eine einzige ihrer Fernsehrollen kennt und ihr noch dazu zynisch und aggressiv gegenüber tritt. Ein gnadenloser Schlagabtausch beginnt zwischen Mann und Frau - zwischen Star und Journalist, Dummchen und Intellektuellem, Sexbombe und Macho.

Durch die subtile Analyse psychischer Reaktionen gelingt eine präzise Beschreibung jener vollends theatralisierten Welt, wie sie die Medien täglich neu erschaffen. Das Bühnenstück entstand nach dem vorletzten Film des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh, der am 2. November 2004 in Amsterdam von einem islamischen Fanatiker ermordet wurde.

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