zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

20. August 2017 | 14:02 Uhr

Festmahl : Glückliche Gänse zum Martinstag

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Auf Hof Möller werden die Gänse artgerecht und naturbelassen gehalten und reifen heran, um am Martinstag geschlachtet zu werden

„Die Gänse erkennen mich an meiner Stimme“, sagt Ingrid Möller, während sie das Gatter zum Gänseauslauf öffnet. Sofort ertönt ein lautes Geschnatter, und die Gänse weichen ein paar Watschelschritte zurück. Als kleine Kücken kamen sie im Mai auf den Hof und wurden den Sommer und Herbst über liebevoll von Landwirt Lars Möller aufgezogen. „Das ist eine Herzensangelegenheit“, betont der passionierte Landwirt, der seit knapp 20 Jahren Gänse, Enten, Perlhühner und Puten züchtet.

Als Kücken brauchen sie noch viel Wärme unter einer speziellen Wärmelampe im Stall. Dann gedeihen sie fast von selbst bei guter Fütterung und Pflege. Auf seinen Feldern baut er das Getreide für seine Tiere an. Anschließend werden Hafer und Gerste in einer speziellen Mühle gequetscht. So ist es für die Martinsgans besser verdaulich. Lars Möller baute einen Futterautomaten und eine Wassertränke selber. „Das sind alles Hilfsmittel, so dass ein Mann das ganze bei den hunderten von Gänsen allein bewältigen kann“, erklärt seine Mutter. Bio seien die Gänse zwar offiziell nicht, weil das teure Gütesiegel fehle, doch naturbelassen allemal. Denn, so Möller, er verwende als Futter nur Getreide, das er selber anbaue. „Da kommt nichts anderes dazwischen“, sagt Ingrid Möller. Und vom Gänsestopfen halte sie überhaupt nichts: „Das ist Tierquälerei.“ Auf Hof Möller leben die Tiere artgerecht, haben eine große Weide als Auslauf, nur nachts kommen sie in den Stall. „Das ist sonst zu gefährlich, weil wir hier schon ab und zu einen reißenden Fuchs hatten“, erklärt Lars Möller. Auch Habichte und Bussarde vergreifen sich schon mal gern am weißen Federvieh. Noch befinden sich die Gänse, die der Landwirt liebevoll „Deutsche Weihnachtsgans“ nennt, in der Reifephase. Erst rund um den Martinstag seien sie ausgewachsen und gerade richtig, um geschlachtet zu werden. Ingrid Möller: „Dann sind sie noch nicht so fett und ideal zum Verzehr.“

Die Martinsgans sei die beste Gans, so sage man landläufig. Dann sei sie noch so richtig gut im Fleisch, die Fettreserven baue sie erst bis Weihnachten auf. Auf dem Hof in Mollhagen schlachtet der Landwirt noch selber. „Das ist bei uns alles Handarbeit“, sagt Lars Möller stolz. Ab dem Martinstag wird jede Woche frisch geschlachtet. Bis Weihnachten sind alle Gänse verkauft. Danach wolle keiner mehr eine haben, schmunzelt der erfahrene Landwirt. Möllers Gänse werden „trocken gerupft“ - nicht nass. Dazu verwendet Lars Möller eine spezielle Rupfmaschine. Das A und O sei das Abbrühen, damit die Haut der Gänse ganz glatt werde. „Die sehen dann alle so aus wie die berühmte Marzipangans“, schmunzelt Ingrid Möller. Natürlich würden die Gänse vor dem Schlachten betäubt. „Das geht hier alles ganz human zu“, ergänzt ihr Sohn. Schließlich sollen es die Tiere in ihrem kurzen Leben zumindest gut haben. Und Möllers Natur-Gänse sind nicht nur in Stormarn sondern auch in Hamburg und Lübeck beliebt. Vorbestellen müsse man schon, es komme aber auch vor, dass verzweifelte Kunden noch am Heiligabend vorbeischauen und doch noch einen Festtagsbraten haben wollen. Vermarktet wird das Geflügel selbst. Möller: „Unsere Gänse gehen alle privat weg.“ Es mache Freude, die Tiere zu halten, und es sei auch immer ein wenig traurig, wenn der Martinstag komme und sie geschlachtet werden müssten. Und noch eine Funktion erfüllen die Gänse: Sie schnattern lauter als ein Wachhund bellen kann.

 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 09.Okt.2013 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen