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Bauerntag in Oldesloe : Globalisierung kann die Lösung sein

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Über Mythen und Fakten in der Welternährung sprach Prof. Dr. Hess beim Kreisbauerntag in der Oldesloer Stormarnhalle. „Bauern trauen der Politik nicht mehr“, sagte Bauern-Chef Joachim Wendt.

Beim Kreisbauerntag 2014 hatte Gastredner Robert Habeck Applaus bekommen. Zwei Jahre später herrscht Enttäuschung über den Grünen Landwirtschaftsminister vor. Man habe einiges gemeinsam hinbekommen, so Hans-Joachim Wendt, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands. Was vielversprechend begann, sei aber zu einer Belastung für die Landwirtschaft geworden sagte Wendt und nannte den Knickerlass, das Naturschutzgesetz und die diskutierte Abgabe auf Pflanzenschutzmittel.

Seinen Satz „Die Landwirte trauen der Politik nicht mehr“ bezog er aber nicht nur auf die Grünen, sondern auf eine Politik, die den Landwirten immer mehr Kosten und Bürokratie aufbürdet. Es können nicht sein, dass die Preise durch den Weltmarkt bestimmt würden und die Politik quasi die Produktionskosten festlege.

Das war auch ein Thema für Prof. Dr. Sebastian Hess vom Institut für Agrarökonomie an der Christian-Albrechts-Universität, der über Mythen und Fakten zur Globalisierung der Welternährung sprach. Er unterschied ganz klar zwischen Vorschriften zur Qualitätsverbesserung, die ein Wettbewerbsvorteil seien und politisch motivierten Auflagen, die nicht nur die Kosten in die Höhe trieben, sondern häufig sogar den gegenteiligen Effekt bewirkten, weil dann Exporte die Produkte aus dem Inland verdrängen.

Inland oder Regionalität ist dabei kein Wert an sich. Weizen lässt sich nur in bestimmten Regionen der Welt effektiv anbauen, Ölsaaten wachsen in tropischen und subtropischen Gefilden wesentlich besser. Nicht nur ökonomisch, auch ökologisch sei der höhere Aufwand, den man in weniger geeigneten Standorten betreiben müsste, unsinnig. Im CO2-Vergleich mit einen Gewächshaus in Kiel könne Lauch aus Freilandanbau in Spanien zehn Mal um die Welt verschifft werden. Mit dem Lkw wäre immerhin noch eine Erdumrundung möglich.

Handel und Transport seien also weder ökonomisch noch ökologisch das Problem der weltweiten Nahrungsmittelproduktion und -verteilung, so Prof Hess: „Das Potenzial für die Ernährung der Weltbevölkerung liegt in der Optimierung der Produktion an den dafür günstigsten Standorten.“

Genau dagegen ziehen Globalisierungs-Kritiker argumentativ zu Felde. Sie verwechseln laut Prof. Hess nicht nur Ursache und Wirkung, sondern idealisieren auch noch das Bild des Kleinbauern in der Dritten Welt, der durch die Importe und Konzerne erdrückt würde. Und weil die reichen Industriestaaten für ihre Fleischproduktion Soja als Tierfutter importieren, würde dafür auch noch der Regenwald abgeholzt.

Es war ausgerechnet der WWF, der in einer Studie nachwies, dass Sojaanbau in Brasilien zwar riesige Flächen beansprucht, aber nur 0,3 Prozent dieser Flächen im Ökosystem des Amazonas liegen. Die Abholzung des Regenwaldes folge anderen Regeln. Zuerst würden meist Straßen gebaut, dann folgten die Menschen, die versuchten, dort mit Rinderzucht Geld zu verdienen.

Wobei der weltweite Hunger auf Rindfleisch auch in Hess’ Augen ein grundsätzliches Problem darstellt. Der Ressourcenverbrauch sei bei der Rinderzucht eklatant höher als bei Schwein oder Huhn. Trotzdem werde das Hunger- und Verteilungsproblem in der Welt „nicht durch regionale Produktion, sondern durch globale Wertschöpfungsketten und technologischen Fortschritt gelöst. Das ist die große Chance der Globalisierung“, ist Dr. Hess überzeugt, der die Zukunftsaussichten für die Landwirtschaft in Norddeutschland denn auch als „sehr gut“ einstufte.

Er blicke optimistisch in die Zukunft hatte zuvor auch Johannes Scherrer im Namen der jungen Landwirte gesagt. Trotz des aktuellen Preisverfalls, „Bürokratismus und Zwangsökologisierung sollten wir den Kopf nicht hängen lassen“, sagte der Landwirt aus Rethwischfeld.

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