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Urteil in Lübeck : Glinder Zahnarzt nach Kindsmord in Psychiatrie

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Im religiösen Wahn hat er seinen Kindern die Kehle durchgeschnitten. Gutachter attestierten ihm schuldunfähigkeit. Weil mit einer Besserung kaum zu rechnen sei, wurde er in die Psychiatrie eingewiesen.

Den Kopf unter einem Tuch versteckt, in Handschellen und in Begleitung von vier Pflegern und Polizisten betrat der Glinder Zahnarzt Dr. Fardeen A. (39) den Gerichtssaal zur Urteilsverkündung. Die Handschellen behielt der Angeklagte an. Der Richter sah es als erwiesen an, dass er im Januar seinen Sohn (6) und seine Tochter (4) im religiösen Wahn im Schlaf die Kehlen durchgeschnitten hat und ordnete aufgrund von Schuldunfähigkeit eine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie an. Fardeen A. hatte zuvor ein umfassendes, lückenloses Geständnis abgelegt. Der Angeklagte habe seiner Frau und der gesamten Familie „unfassbares Leid“ zugefügt. Es handele sich um einen Mord aus Heimtücke. In der Verhandlung sei es nicht um die Schuldfrage gegangen, die stehe außer Zweifel, sondern darum, ob der Angeklagte schuldfähig sei.

In seiner Urteilsbegründung wies der Richter darauf hin, dass der Kindsmord geplant gewesen sei. Der Angeklagte habe seine Kinder als „entartet“ bezeichnet und zugegeben, seiner Frau mit dem Mord eine Prüfung auferlegt zu haben. Außerdem habe er sich an den Schwiegereltern für ihr „ehrloses Verhalten“ rächen wollen. In der Tatnacht weckte er seine Frau, um ihr seine Liebe zu gestehen. Er habe Gott gesehen, der ihn zum letzten Propheten auserkoren habe. So schilderte es Fardeen A. im Laufe des Prozesses, der zum Schutz der Familie unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Für ihn habe es keine andere Lösung gegeben, als seine Kinder zu töten.

Erst im Herbst 2013 – nach einem Familienurlaub in Dubai – wandte sich der gebürtige Afghane dem Islam zu. Zuvor habe er sich nach eigenen Angaben in der westlichen Welt sehr wohl gefühlt, habe sich liebevoll um seine Kinder gekümmert und sich nicht mit dem Islam beschäftigt. Plötzlich streng gläubiger Moslem, betete er fünf Mal am Tag auf einem gen Mekka gerichteten Gebetsteppich, verbreitete religiöse Schriften, wollte Familie und Bekannte zum Islam bekehren. Er wollte seine Praxis verkaufen und nach Dubai auswandern.

Der Sachverständige attestierte ihm eine radikale, abrupte Änderung seiner Persönlichkeit und eine krankhafte Störung gepaart mit einer überwertigen Selbsteinschätzung, Ich-Bezogenheit und Größenwahn und stufte ihn daher als schuldunfähig ein. Einsicht oder Reue zeigte Fardeen A. während der Verhandlung nicht. Mit einer Besserung sei auf lange Sicht nicht zu rechnen, Richter Singelmann. Ihm stehe ein schwerer Behandlungsweg bevor, es gehe Gefahr von ihm aus, sein Verhalten sei unkalkulierbar, jederzeit sei mit einem Rückfall zu rechnen.

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