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Ahrensburg : Gläubige trotzen dem Zaun und der Kälte

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Erste Andacht mit Bauzaun von der St. Johannes Kirche. Der Förderverein lässt jetzt juristische Schritte gegen die Schließung der Kirche prüfen.

shz.de von
erstellt am 26.Jan.2014 | 16:11 Uhr

Es ist eine geradezu absurde Situation. Während viele Kirchengemeinden im Land froh über Andrang bei einer Sonntagsandacht wären, standen auch diese Woche wieder knapp 100 Gläubige vor der verschlossenen St. Johanneskirche. Und das trotz Minustemperaturen im zweistelligen Bereich und dem von der Kirchengemeinde aufgestellten Bauzaun.

„Der Zaun ärgert uns nicht. Das Vorgehen des Kirchengemeinderats hat uns schockiert, den Zaun an sich finden wir nur lächerlich“, sagt Hans-Peter Hansen, Vorsitzender des Fördervereins St. Johannes. Angst vor Strafe aufgrund der Missachtung der „Betreten verboten“ Schilder habe niemand vor Ort. „Wir sind uns ganz sicher, auch rechtlich auf der richtigen und guten Seite zu stehen“, so Hansen. „Ich möchte mal die Rechtsgrundlage sehen, auf der hier diese Sperrung beruht. Wir sind Gemeindemitglieder, nicht irgendwelche Fremden. Uns kann man so gar nicht aussperren.“

Versicherungs- und Sicherheitsbegründungen seien nur „vorgeschobene, haltlose Gründe“, um den Förderverein mürbe zu machen. Selbst das Abhalten von Dieben werde so nicht gelingen. „Der Zaun zeigt denen doch nur, dass das Gebäude nicht genutzt wird. Der lädt ja geradezu ein.“

Es sei ein gutes und wichtiges Zeichen, dass trotz der Temperaturen so viele Gemeindemitglieder zur Andacht gekommen seien, so Hansen. Dass Pastorin Anja Botta, Vorsitzende des Kirchengemeinderats, sagte, der Prozess der Entwidmung und die Abwicklung der Gemeinde sei gar nicht mehr aufzuhalten entmutige Niemanden. Hansen: „Wir gehen jetzt den nächsten Schritt und werden auch alle juristischen Mittel bis zum Ende ausschöpfen. Mit einem Richter vom Kirchengericht haben wir bereits Kontakt aufgenommen.“

Ein Anwaltsschreiben habe der Kirchengemeinderat einfach ignoriert.„Man wandelt dort auf einem sehr schmalen Pfad. Ich gehe davon aus, dass wir gute Chancen haben, am Ende diese lebendige Gemeinde zu erhalten. Das Kirchenrecht basiert allerdings sehr auf Vernunft. Das macht es etwas schwerer bei diesem willkürlichen, unvernünftigen Unsinn“, so Hansen. Er habe den Gebäudekomplex 16 Jahre als Architekt für die Gemeinde betreut. „Argumente rund um notwendige Sanierungen oder Schimmelbefall kann ich so nicht bestätigen“, sagt Hansen. Gutachten und Unterlagen die er jetzt dazu habe einsehen wollen, seien ihm nicht zur Verfügung gestellt worden.

Uneinig sind sich manche Mitstreiter über die Protestplakate am Zaun. Auf einigen steht „Schlafen sie selig Pastorin Botta? 13 500 Gemeindemitglieder ausgesperrt“ oder auch „Pfaffen sollen beten und nicht regieren.“

„Die stammen wohl von Gemeindemitgliedern, die auch für ihre Kirche hier an diesem Standort kämpfen. Wer es genau ist, wissen wir nicht. Eine offensichtlich vom Probst beauftragte Person reißt sie aber nach wenigen Stunden sowieso wieder ab“, erklärt Hansen. Kritik sei vom Kirchengemeinderat nicht erwünscht.

Über den Stil mancher Plakate seien aber durchaus nicht alle glücklich, ergänzt Klaus Tuch vom Förderverein: „Einige Plakatierungen entsprechen nicht unserer Linie. Denn diese lautet: Wir wollen den Dialog mit dem Kirchengemeinderat, deshalb arbeiten wir aktiv an einem Klima des Aufeinander-Zugehens und der Verständigung. Daher plakatieren wir nicht selbst oder rufen dazu auf.“ Es ist halt eine ziemlich absurde Situation.


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