Trittau : Gewinn trotz Strafzinsen

Zuversichtlich: Die Vorstände Kai Schubert und Heiko Ernst.
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Zuversichtlich: Die Vorstände Kai Schubert und Heiko Ernst.

Die Raiffeisenbank Südstormarn-Mölln kann auch 2017 zulegen, hofft aber auf eine Zinswende.

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09. Januar 2018, 13:02 Uhr

Erstmals über 700 Millionen Euro Bilanzsumme, ein Plus nicht nur bei Kundenkrediten und -Einlagen, sondern auch beim Betriebsergebnis – die Zahlen der Raiffeisenbank Südstormarn-Mölln für 2017 können sich sehen lassen. „Es war ein gutes Jahr“ sagt Vorstand Kai Schubert. Das sei angesichts in einem „wirtschaftlich schwierigen Umfeld“ nicht selbstverständlich.

Damit meint er nicht die Unternehmen in Stormarn und der Metropolregion, sondern die Zinspolitik. Zehn Jahre nach der Finanzkrise sind die Zinsen nicht nur niedrig, sondern negativ. Für die Ware mit der Banken traditionell ihr Geld verdienen, bekommen sie nichts mehr, sondern müssen bei der Europäischen Zentralbank Strafzinsen zahlen.

Zurzeit sind das 0,4 Prozent, die sie auch nicht an ihre Kunden weitergeben dürfen, weil dort Negativzinsen verboten sind. Also müssen die Banken ihr Geld anders verdienen. Mit der Vergabe von Krediten, vor allem im Immobilienbereich, Kostensenkungen sowie Provisionen. Die Erträge konnten ausgebaut werden, die Folgen des Niedrigzinses aber nicht ganz ausgleichen, so Schubert. Auch wenn aktuell kein Ende der EZB-Politik abzusehen sei, „sind wir aufgrund der geschäftlichen Entwicklung aber positiv gestimmt, dass wir diese Zeit noch gut überstehen“, so der Raiba-Vorstand.

Dazu trägt die Eigenkapitalquote bei. Mit fünf Millionen Euro aus 2017 wird sich das Eigenkapital der Raiffeisenbank Südstormarn-Mölln auf 90 Millionen Euro erhöhen. Das ist wichtig und „eine solide Basis“ für die Kreditvergabe. Auf 130 Millionen Euro belief sich das Neugeschäft im vergangenen Jahr. „Eine stolze Zahl“, sagt Schubert. Das Geld komme der Region zugute, werde für Existenzgründungen oder in Hausbau oder -kauf investiert. In der Bilanz stehen Kredite von 400 Millionen Euro. Mit den Darlehen, die über die genossenschaftliche Finanzgruppe vergeben wurden, belief sich das Volumen auf 690 Millionen Euro.

Dass der Gewinn mit 5,9 Millionen Euro auf Vorjahresniveau blieb, hängt auch mit der Schließung der Filiale in Glinde 2016 zusammen. In dem Jahr verschlechtern die Rückstellungen für die Altersteilzeit von Mitarbeitern das Betriebsergebnis. 2017 wirkte sich das bilanziell nicht mehr aus.

Mehrkosten verursachten dagegen weitere bürokratische Anforderungen und Berichtspflichten. Um dem zu begegnen, hatten die deutschen Genossenschaftsbanken beschlossen, ihre beiden Rechenzentren zusammenzulegen. Weil man sich für die im Süden eingesetzte Software entschieden hatte, mussten die Mitarbeiter von rund 400 Genossenschaftsbanken im Norden umlernen und -denken und die Kunden sind an neue Abläufe im online-Banking gewöhnen.

Die technische Umstellung „ist sauber gelaufen“, sagt Heiko Ernst, der seit Juli bei der Raiba in Trittau ist und Carsten-Peter Feddersen als zweites Vorstandsmitglied abgelöst hat. Die Mitarbeiter mussten allerdings aufwändig geschult werden, und von vielen Kunden gab es Nachfragen.

Rund 60 Prozent der Privatkunden erledigen mittlerweile ihre alltäglichen Bankgeschäfte vor dem Bildschirm. Vor knapp einem Jahr hatte die Raiffeisenbank zu einer Zukunftswerkstatt eingeladen, bei der Kunden ihre Wünsche an eine Bank der Zukunft formulieren konnten. „Dabei sind für uns viele Handlungsfelder entstanden“, sagt Schubert, „wir müssen heute 24 Stunden am Tag erreichbar sein, weil die Kunden das fordern. Wir werden deshalb noch viel stärker in das Internet-Banking investieren.“

Filialen wolle man deshalb nicht schließen, aber sie würden sich verändern, sagt Ernst: „Eine Bank ist mehr als Zahlungsverkehr – allein damit hätten wir keine Chance in der Zukunft. Als Genossenschaftsbank wollen wir unsere Kunden beraten und langfristig begleiten, so dass beide Seiten zufrieden sind.“

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