Bad Oldesloe : Geschichte(n) zum Anfassen

Chronistinnen bei der Arbeit: Tanja Jonas-Störtenbecker und Ingrid Sörtenbecker haben die Chronik von Poggensee zusammengetragen.
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Chronistinnen bei der Arbeit: Tanja Jonas-Störtenbecker und Ingrid Sörtenbecker haben die Chronik von Poggensee zusammengetragen.

Nach zweieinhalb Jahren Arbeit ist die Chronik von Poggensee mit gut 400 Seiten fertig. In den kommenden Tagen soll sie in den Druck gehen.

Andreas Olbertz. von
03. Dezember 2014, 06:00 Uhr

Das wird eine ganz schön dicke Schwarte: Fast zweieinhalb Jahre haben Ingrid Störtenbecker und ihre Schwiegertochter Tanja Jonas-Störtenbecker an der Chronik für Poggensee gearbeitet. Jetzt ist sie fertig und kann in den Druck gehen.

Mit einem Stein im Dorf hat alles angefangen. Er war zum Abschluss der Dorferneuerung aufgestellt worden und erinnert an die erste Erwähnung Poggensees 1263. „Der Ort ist weit gestreut, man kennt sich, man grüßt, aber vielleicht will man ja auch mal etwas näher zusammenrücken“, blickt Tanja Jonas-Störtenbecker zurück. Dafür wäre eine 750-Jahr-Feier doch genau der richtige Anlass. Gesagt getan. Dafür erstellte Tanja Störtenbecker ein kleines „Kennenlern-Büchlein“ und hängte alte Fotos auf einer Wäscheleine im Festzelt auf. Der Grundstein war gelegt, das erste Interesse geweckt.

Schnell zeigte sich, dass es viel zu erzählen gab und gibt. Ein Arbeitskreis, der im Laufe der Zeit immer weiter schrumpfte, machte sich ans Werk.

Natürlich erzählt die Chronik von der Entstehung des Ortes weit vor 1263. In Poggensee gibt es ein Hügelgrab und Urnenfunde. „Damit sind wir zeitlich locker bei 1500 vor Christus“, so Tanja Störtenbecker: „Offensichtlich war das hier schon immer ein guter Ort zum Leben.“ Aber diese Zeit wird lediglich kurz gestreift. Natürlich wird erzählt, das angeblich ausgerechnet in Poggensee der Teufel in Anna Heitmann gefahren sein soll. Auch die Frage, was das Dorf mit dem Deutsch-Französischen-Krieg zu tun hat, wird angerissen. Grundlage bildet ein Aufsatz von Reinhard Klöfkorn über 100 Jahre Poggensee, der in den 1980er Jahren die Basis für einen vierseitigen Bericht von Rolf Peters im Oldesloer Stadtkurier bildete.

Der Fokus ist aber ein anderer. „Wir machen das an den Häusern fest, orientieren uns an den Familien“, erzählt Tanja Störtenbecker.

150 Haushalte gibt es in Poggensee, viele von ihnen haben Türen und Fotoalben geöffnet, haben von ihrer Geschichte erzählt. Da gibt es die, die schon seit Generationen eine Hofstelle bewirtschaften, oder jene, die in den 1930er Jahren Land bekamen, Flüchtlingsfamilien und viele sehr unterschiedliche Schicksale mehr. Die Entstehung der Kleinsthofsiedlung wird beschrieben. Tanja Störtenbecker: „Geschichte fühlt sich ganz anders an, wenn man die Menschen kennt, die sie erlebt haben. Sie verbindet Menschen und schafft Verständnis. Es ist unglaublich, was das an Nähe bringt.“ Jeder gibt etwas von seiner Geschichte preis und erfährt dafür auch etwas von den anderen. Alles zusammen ergibt das dann das Motto „750 Jahre Poggensee – ein Dorf erzählt seine Geschichte(n)“.

Zu Beginn ihrer Arbeit waren die ehrenamtlichen Hobby-Chronisten noch der Meinung: Wenn es 40 Seiten werden, dann sei das schon gut. Inzwischen füllt die Chronik zwei große Ordner – mehr als 400 Seiten. „Natürlich hätten wir noch quasi unendlich weiter machen können“, sagt Tanja Jonas-Störtenbecker: „Aber irgendwann muss auch mal Schluss sein.“ Der Punkt scheint ihr jetzt erreicht zu sein. Zumal drei Poggenseer, die die Chronik mit ihren Erzählungen unterstützt haben, mittlerweile verstorben sind.

In den nächsten Tagen soll deshalb der Druckauftrag erteilt werden. Bis Nikolaus nimmt Ingrid Störtenbecker Vorbestellungen unter (04531) 3109 entgegen. Der Preis für die Chronik wird bei etwa 50 Euro liegen. Die Bücher sollen noch vor Weihnachten ausgeliefert werden.

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