Bad Oldesloe : Geschichte muss nicht langweilig sein

Gut versteckt: Am Ehrengrab von Dr.
Gut versteckt: Am Ehrengrab von Dr.

Von der Hexenverbrennung bis zum Bombenangriff: Bei der Kinderstadtführung mit Gerd-Günter Finck wird Geschichte lebendig.

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28. Juli 2014, 11:28 Uhr

Am Gänselieselbrunnen auf dem Marktplatz beginnt die historische Kinderstadtführung. Mit dabei sind 14 Kinder, alle ungefähr sieben und acht Jahre alt. Gerd-Günter Finck, der ehrenamtliche Stadtführer, fragt die Kinder, wie hoch sie den Brunnen schätzen, vor dem sie stehen. „Vier Meter“, „Drei Meter fünfzig“, kommt es aus der Gruppe. Gar nicht so schlecht, denn der Brunnen, der früher mal ein Galgen war, ist drei Meter siebzig hoch.

Das Grüppchen setzt sich in Bewegung und macht Halt an der Löwenapotheke. Es ist ein bedeutendes Gebäude, da es die erste Apotheke in Oldesloe war und sie „vom dänischen König priviligiert“ wurde. „Der Löwe da oben ist nicht aus echtem Gold, dann hätte er da nämlich nicht lange gelegen“, erklärt der ehemalige Lehrer. Das schöne Stück ist nur mit Blattgold bestrichen und deshalb auch nicht so wertvoll, dass sich ein Diebstahl lohnen würde.

Weiter geht es ins Heiligengeistviertel vor die alte Kapelle, die heute die Hausnummer 12 trägt. Im Jahr 1456 versprach der Bischof, dass all diejenigen, die beim Bau der Kapelle helfen, ihrer Sünden ledig würden. „Es gab wohl sehr viele Sünder, denn es fanden sich rasch viele Helfer, die das Gemäuer im Nu fertig stellten“, lacht der Stadtführer.

Im dunklen Mittelalter war Bier eine wichtige Nährstoffquelle. Auch interessant: Einen Kater am nächsten Morgen haben, kommt von dem mittelalterlichen „Billigbier“, das den Namen „Kater“ trug. Das Wasser zum Brauen des Bieres kam aus der Trave, die jedoch auch als Mülldeponie und Auffangbecken für Fäkalien diente. Damit das Wasser nicht ganz so dreckig war, durfte donnerstags nichts in das Gewässer geworfen werden, denn an diesem Tag wurde das Brauwasser geschöpft. „Das war wirklich keine gute Zeit“, findet der ehemalige Vorsitzende des Vereins für Integration und Toleranz (FIT).

Er erzählt kindgerecht und ohne viele Jahreszahlen, denn als ehemaliger Lehrer wisse er ja, wie gut sich die Schüler diese merken könnten.

Auf dem Ehrenfriedhof wird das Grab des ersten Oldesloer Arztes Dr. Hagelstein besichtigt. Hier erfahren die Kinder auch, dass die Friseure die mittelalterlichen Zahnärzte waren, da sie sich besonders oft die Hände wuschen und relativ hygienisch arbeiten konnten. „Einen Faden um den Zahn und das andere Ende an eine Türklinke gebunden – und schon ist der Zahn gezogen“, erzählt der Laienschauspieler dramatisch. Die Kinder verziehen dabei die Gesichter und Finck fügt hinzu: „Der Schmerz war doch schon nach drei Tagen vorüber.“

Erst kürzlich wurde in Bad Oldesloe eine Bombe entschärft, ein Überbleibsel vom Bombenangriff am 24. April 1945. Ein Mädchen weiß: „Die Bomben sind so weit verstreut, weil die Flugzeuge so hoch geflogen sind, damit sie vom Boden aus nicht abgeschossen werden konnten.“ Weiter geht die Reise über die Bahnhofstraße zur Bestebrücke. Im Mittelalter konnte man von dort aus das Stadttor sehen, welches die Einwohner schützen sollte. „Wer nachts ohne Grund auf der Straße herumspazierte, wurde der Kriminalität verdächtigt“, informiert der Stadtführer.

Der Weg führt nun weiter zur Peter-Paul-Kirche und zur alten Mühle. „Anna Heitmann wurde der Hexenkunst beschuldigt, sie hatte angeblich einen Pakt mit dem Teufel geschlossen“, erzählt Finck. Die Frau kam nicht regelmäßig in die Kirche und überlebte die Wasserprobe. Bei der Wasserprobe wurde Anna Heitmann eine gewisse Zeit unter Wasser gehalten, da sie noch lebte, musste sie eine Hexe sein. Also wurde sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt. „Zum Glück gibt es so etwas nicht mehr bei uns “, finden auch die Kinder.

Langsam endet die Führung und die Horde findet sich im Büro Nina Rehers im Stadthaus wieder. Sie plant den Ferienpass und tut viel für die Oldesloer Kinder – zum Beispiel Spielplätze entwerfen. Jetzt gibt es noch eine kleine Erfrischung und der Ausflug in die Vergangenheit Oldesloes ist Geschichte.

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