Geschacher um Kulturbürgschaft - Antrag gekürzt

Klangstadtsprecher Axel Hartkopf in Aktion.
Klangstadtsprecher Axel Hartkopf in Aktion.

"Ich finde die Idee klasse, aber ..." Wenn es so schon los geht, dann verheißt das nichts Gutes. Und genau so kam es jetzt auch im Sozialausschuss.

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08. Mai 2009, 10:33 Uhr

Bad Oldesloe | Klangstadt veranstaltet im Sommer ein Open-Air-Festival am Poggensee (wir berichteten). Dafür haben die Organisatoren einen Defizitausgleich von 8000 Euro beantragt - für den Notfall, wenn das Festival buchstäblich ins Wasser fallen sollte und die Kalkulation nicht aufgeht.

Die Klangstädter haben aus dem ersten Festival 2007 auf dem Exer Lehren gezogen. Keine berühmten Bands mehr, denn die kosten viel Gage und verursachen hohe andere Kosten, haben sich aber leider doch nicht als die große Publikumsmagneten erwiesen. Diesmal sollen nur Bands aus Oldesloe und dem Umfeld auftreten. Einzige Ausnahme ist eine Band aus der Partnerstadt Olivet, mit der noch verhandelt wird. Gage gibt es gar nicht, die Musiker bekommen Fahrtkosten erstattet. Diesmal wird das Festival auch ein echtes Festival - mit Zeltmöglichkeiten und gemeinsamem Frühstück. Die Kosten für diese "kleine Variante" bewegen sich bei gut 17000 Euro. Ein Drittel der Einnahmen soll über den Verkauf von Eintrittskarten und Getränken erzielt werden. Nach Aussage von Sprecher Axel Hartkopf seien diese Ansätze bewusst niedrig gehalten, um auf der sicheren Seite zu sein.

Und dann ging das Gepicke los. Ein Freifrühstück müsse doch nun wirklich nicht sein, kritisierte Gudrun Möllnitz, (CDU) so was gebe es bei keinem anderen Festival. Ihres Wissens habe der altStadt-Verein auch nicht zugesagt, die Veranstalterhaftpflicht zu übernehmen.

Für Defizitausgleichszusagen stehen im Haushalt 10 000 Euro bereit. "Dann sind 8000 Euro reichlich luxuriös, dann ginge ja fast die gesamte Summe an Einen", kritisierte Birgit Reichardt-Mewes. Theoretisch könnte ja noch ein Antragsteller kommen. FDP-Frau Anita Klahn war das ganze zu undurchsichtig: "Ich erwarte, dass sie so kalkulieren, dass die Kosten gedeckt sind - auch wenn das Festival in ein Haus umziehen muss. " Dass grade für diesen Fall die Stadt einspringen sollte, hatte sie wohl nicht verstanden. Da half es auch nichts, dass Axel Hartkopf beteuerte: "Das ist die absolute Notlösung, die wir nicht wollen." Anita Klahn blieb bei ihrer Meinung: "Für mich sieht das aus, als wird es eine defizitäre Geschichte."

SPD und Grüne standen ohne Wenn und Aber hinter dem Projekt. Aber das reichte nicht. Die CDU wollte nur 5 000 Euro genehmigen - die Summe wurde schließlich einstimmig bewilligt.


Standpunkt: Klima vergiftet
von Andreas Olbertz
So werden gute Ideen mit Füßen getreten. So werden engagierte Leute demotiviert. Wenn das Geld bereit steht, die Kalkulation vorliegt und angeblich alle für das Klangstadt-Open-Air am Poggensee sind, sollte man annehmen, dass 8 000 Euro Defizitausgleich für den Notfall nur eine Formalie sind. Aber weit gefehlt. FDP und CDU stocherten genüsslich in einzelnen Posten rum, stellten die Kalkulation immer wieder in Frage, bemängelten angeblich fehlende Details, kritisierten aber im selben Atemzug, dass zu spät informiert worden sei. Da hört man die Ablehnung aus jeder Silbe heraus. Als Akt der Gnade wurden dann doch noch 5 000 Euro bewilligt. Wie großzügig. So wird das Klima für ehrenamtliches, kulturelles Engagement vergiftet. Wenn das das Ziel ist, dann nur weiter so.

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