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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2017 | 11:18 Uhr

Ahrensburg : Gerade noch Bewährung

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Schöffengericht Ahrensburg verurteilt einen 52-jährigen Trittauer wegen Handels mit Kokain zu einer Haftstrafe und Sozialarbeit.

Ein Jahr und neun Monate Haft, die „gerade noch zur Bewährung ausgesetzt werden“, lautete das Urteil gegen einen 52-jährige Trittauer, der in mindestens fünf Fällen Kokain verkauft, hat. Zudem muss er 250 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, und die 3050 Euro, die bei seiner Verhaftung beschlagnahmt wurden, fallen an den Staat. Auf vier Jahre wurde die Bewährungszeit festgesetzt. „Falls Sie auch nur mit einem Hauch von Betäubungsmitteln erwischt werden, wird die Bewährung widerrufen“, ermahnte der Vorsitzende Richter Ulf Thiele den Angeklagten Alwin T. (Name geändert).

Bei seiner Festnahme waren in zwei Fahrzeugen 42 Gramm Kokain in Portionen verpackt gefunden worden. Nach gut drei Monaten Observation hatte die Polizei im September zugeschlagen.

Für Aufsehen sorgt am dritten Verhandlungstag vor dem Schöffengericht Ahrensburg der Zeuge K. Zu seiner ersten Aussage war der korpulente Brunnenbauer nicht erschienen und wird deshalb von der Polizei vorgeführt. „Weiß ich nicht, das hat mich nicht interessiert“, wiederholt er einsilbig und mürrisch auf Fragen und fällt dem Richter immer wieder ins Wort. K. soll das Kokain mit dem Sohn des Angeklagten und einem Holländer aus den Niederlanden besorgt haben. So hatte es ein anonymer Anrufer der Polizei mitgeteilt und damit die Ermittlungen ins Rollen gebracht. K. streitet alles ab, den Angeklagten kenne er nur vom Sehen. Er sei nur einmal mit dem Niederländer in dessen Heimatland gewesen, um Gegenstände aus einer Insolvenzmasse zu holen.

„Sie sind wegen Kokainhandels zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden“, hält Richter Thiele dem massigen Mann mit Bürstenhaarschnitt vor. „Das war ein Deal mit der Staatsanwaltschaft“, entgegnet K., „ich habe die Strafe nur auf mich genommen, um meine Familie zu schützen.“

Auch eine 37-jährige Büroassistentin aus Bargfeld-Stegen sagte gestern aus. Sie hatte sich unter einer Brücke bei Trittau mit T. getroffen, als der bereits observiert wurde. „Es waren szenetypische Abläufe“, sagte ein Beamter. In ihrem Auto fand die Polizei zwei Briefchen mit Kokain und ein Tütchen Marihuana.

„Das Thema ist für mich beendet, ich habe es aus meinem Kopf gelöscht“, sagt die 37-Jährige. Richter Thiele bohrt nach, erklärt ihr, dass keine weitere Strafverfolgung drohe, da das Verfahren gegen sie eingestellt wurde. „Ja, ich habe es von ihm gekauft“, gibt sie schließlich zu.

Die beiden Anwälte von T. argumentieren, dass dessen Sohn und der vorbestrafte Zeuge die Hauptverdächtigen seien. Auf dessen Namen waren die beiden Fahrzeuge angemeldet, ein Sprinter und ein Quad. T. habe lediglich etwas abgezweigt, weil man befreundet war und er ihnen einen Gefallen erweisen wollte. Weil mehrere Personen den Sprinter nutzten sei nicht nachweisbar, dass T. der Eigentümer der 42 Gramm „Koks“ war, so die Anwälte, die eine Geldstrafe, maximal eine geringe Freiheitsstrafe wollten.

Das Gericht überzeugten sie damit nicht, zumal es keine Hinweise auf einen Drogenhandel des Sohnes gebe. Gegen T., der während der Verhandlung geschwiegen hat, spreche ein stattliches Vorstrafenregister und das fehlende Geständnis. Zu seinen Gunsten, dass er nur an erwachsene Konsumenten verkauft und niemanden neu „angedealt“ habe, so Richter Thiele in der Urteilsverkündung.

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