Bad Oldesloe : Genossenschaft verschwindet

Fröhlicher Vorstand (v. li.): Kay Schäding, Markus Baumann, Holger Wrobel und Karsten Voß.
Fröhlicher Vorstand (v. li.): Kay Schäding, Markus Baumann, Holger Wrobel und Karsten Voß.

Die Fusion der Volksbanken Stormarn und Vierlande ist beschlossen. Kritik daran kommt von der Interessengemeinschaft der Genossenschaftsmitglieder.

Andreas Olbertz. von
23. Mai 2018, 06:00 Uhr

Und wieder eine Genossenschaft weniger. Die Vertreterversammlungen von Volksbank Stormarn und Vierländer Volksbank haben jeweils einstimmig den Weg für die Verschmelzung frei gemacht. „Unsere Vertreter haben die große Chance erkannt und mit ihrem deutlichen Abstimmungsergebnis nun die Voraussetzung für ein für unsere Mitglieder, Privat- und Geschäftskunden noch leistungsfähigeres Unternehmen in den Regionen unseres Geschäftsgebiets geschaffen“, jubeln die Vorstandsmitglieder in einer Pressemitteilung. Damit ist die Fusion formalrechtlich fast abgeschlossen, es steht lediglich noch der Eintrag ins Genossenschaftsregister aus. Die technische Fusion soll Mitte September abgeschlossen werden.

Scharfe Kritik kommt allerdings von „igenos“ der „Interessengemeinschaft der Genossenschaftsmitglieder“. „Das Erbe der Gründungsväter, die diese Raiffeisenbank zum Wohl der Ortschaft gegründet hatten, wird bei Fusionen missachtet und das angesammelte Vermögen der Genossenschaftsmitglieder verschenkt“, sagt Vorstandsmitglied Gerald Wiegner. Für Vereinskollege Georg Scheuermann ist die Verschmelzung nichts anderes als „eine durch die Hintertür erfolgte Übernahme der Vierländer Volksbank eG durch die Volksbank Stormarn eG“.

Auf dem Papier geht es genau andersrum. Die „kleine“ Vierländer Volksbank übernimmt die erheblich größere Volksbank Stormarn – ein Trick, um rund 500 000 Euro Grunderwerbssteuer sparen zu können. Sitz der zukünftigen Genossenschaft soll allerdings Bad Oldesloe werden.

Genossenschaften sollen laut Gesetz „den Erwerb oder die Wirtschaft ihrer Mitglieder oder deren soziale oder kulturelle Belange durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb“ fördern. „Das geschieht aber nicht“, so Georg Scheumann: „Das ist es, was wir anprangern.“ Mitglieder müssten die gleichen Gebühren zahlen wie einfache Kunden, bekämen auch nicht mehr Zinsen. Förderung finde nicht statt. Volksbank-Vorstand Holger Wrobel sieht das anders. Wie er erklärt, hätten Mitglieder Anspruch auf eine goldene Bankkarte, die „ganz erhebliche Vorteile“ biete.

Scheumann: „Sie haften und bekommen dafür eine mickrige Dividende.“ Mickrig ist sicher relativ – aktuell wurde eine Ausschüttung von 7,5 Prozent beschlossen. Für den igenos-Vorstand sind das allerdings nur Peanuts.

Scheumann rechnet vor, dass die Vierländer Volksbank einen Wert von etwa 32 Millionen Euro hat. Jeder Geschäftsanteil über 50 Euro hat deshalb theoretisch fast den 60-fachen Wert. Statt mit dem Vermögen die Mitglieder zu fördern, würde das Geld nach Stormarn verschenkt.

Holger Wrobel kann mit den Vorwürfen nichts anfangen. „Das ist vielleicht ein Thema für eine Doktorarbeit. Die Herren sollen sich doch bitte mit dem Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken auseinandersetzen.“ Dieser Bundesverband vertritt aber nur die Banken, nicht die Genossenschaftsmitglieder. Wrobel ist trotzdem überzeugt: „Wir beschreiten den besten Weg.“ Das bestreitet Georg Scheumann: „Aufgabe einer Genossenschaft ist nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Förderung der Mitglieder.“

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