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Live-Rollenspiel am Jugendgästehaus in Lütjensee : Gemeinsam gegen die Macht des Bösen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Seit über 20 Jahren begeistert der Jugend-Phantasie-Club Farmion Reinfeld Jugendliche und Erwachsene Fantasy-Rollenspielen.

Dunkel gekleidete, bedrohlich wirkende Gestalten in mittelalterlichen Kostümen kämpfen mit Schwertern, Stangen und Pfeil und Bogen gegeneinander. Was im ersten Moment bedrohlich aussieht, entpuppt sich als ein Schaukampf der Diener der „Schattenweberin“. Die Diener des Bösen – so nennen sich die „Antagonisten“ – haben das Dorf eingenommen und kämpfen um ein magisches Amulett, das am See in die Hände der „Schattenweberin“ geraten ist.

Das Rätsel um das Amulett sollen rund 60 Jugendliche lösen, die im Wald und am See unterwegs sind. Die Aufgaben werden ihnen von einem ehrenamtlichen Team des Jugend-Phantasie-Clubs Farmion gestellt. Unter den bösen Dienern ist auch Mordrak, gespielt von Corado Müller. Seine Ritterrüstung ist selbst geschneidert. Totenköpfe und Fleischbrocken baumeln an seinem Hals.

„Die Kinder können bei unseren Live-Rollenspielen sofort erkennen, dass ich zu den Bösen gehöre“, meint der 28-Jährige aus Süsel mit Augenzwinkern. „Larp“ ist seine Leidenschaft, er ist bei fast jedem Event des Jugend-Phantasie-Clubs auf dem Gelände des Jugendgästehauses in Lütjensee dabei , schlüpft zur Zeit in den „Charakter“ des bösen Mordrock. Zur Zeit – und das seit über zwei Jahren – bespielen die 60 Akteure die Länder Awarnors und erzählen die Geschichte der bösen Schattenweberin, die die Spieler in ihren magischen Bann ziehen möchte. Lars Apelt (20) aus Reinfeld und Lucas Hedecke (23) sind durch ihre böse Magie bereits zu den „Gewandelten“ geworden. Kalkweiß im Gesicht und mit schwarzen Linien gezeichnet befinden sie sich auf dem Weg zum Charakter des Schattenmenschen, der „nur noch ein Schatten seiner selbst“ ist - also kein Mensch mehr, erklärt Lars. Das sei ein schleichender Prozess.

„Das Wichtigste bei unseren Live-Rollenspielen ist der Spaß“, sagt Marcel Kindereit, der den guten Magier Jeron verkörpert. Er hat sich vor sechs Jahren mit dem „Virus Larp“ infiziert. Dem Alltag entfliehen, in eine Rolle schlüpfen und diese beim Spielen mitgestalten – das mache viel Freude. Larp werde, so Kindereit, auch gern Improvisations-Charakterspiel genannt. Für die Jugendlichen - Farmion ist der einzige Verein in Schleswig-Holstein, der Larp auch für Kinder ab zwölf Jahren anbietet – sei es ein Abtauchen in eine andere Welt. Sie könnten durch ihre Charaktere „einen bedeutenden Teil zur Weltgeschichte in Awarnor“ beitragen und so ihr Selbstbewusstsein stärken. „Da kann es schon mal passieren, dass die Pläne für den Spielablauf von den Teilnehmern gänzlich umgeschmissen werden und am Abend noch mal neu geplant werden muss“, erklärt Kindereit. Das sei ja gerade das Spannende.

Die Geschichten basieren auf den berühmten Büchern „Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien und lassen der Fantasie einen großen Spielraum. Zwar gebe es, so Steffen Hedecke, hier auch Elfen, Feen und Orks, doch viele Charaktere seien frei erfunden und nähmen eine gewisse Eigendynamik an.

Bis die Geschichten um das Land Awarnor zu Ende gedacht und „bespielt“ sind, kann noch ein ganzes Jahr vergehen. Werden die Jugendlichen am Ende die böse Schattenweberin besiegen und ihr Dorf zurückerobern, oder versinken die Länder Awarnors im Schatten des Bösen? Die Spannung steigt von Mal zu Mal.

Im 20. Jahr des Bestehens von Farmion - einst von Thorsten Rath gegründet - ist Larp beliebter denn je, ist sich der Gründer sicher. 60 bis 80 Teilnehmer kommen immer zu den sechs Großveranstaltungen in Lütjensee, nur aus Stormarn, auch aus Lübeck, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. „Wir leisten wirklich sehr aktive Jugendarbeit“, so Rath. Dazu gehört eine intensive Betreuung mit zahlreichen Ansprechpartnern und ausgebildeten Jugendgruppenleiter, sowie eine Komplettversorgung während der Spiel-Wochenenden. Neulingen wird eine kleine Ausrüstung gestellt.

Auf der Internetseite www.farmion.de gibt es sogar den „Avarnorischen Boten“- eine Zeitung, die alle Akteure auf dem Laufenden hält und die Helden Awarnors anspornt, ihr Land gegen die bösen Mächte zu verteidigen. Thorsten Rath und seine Mitstreiter haben wirklich an alles gedacht.

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erstellt am 26.Mär.2015 | 13:28 Uhr

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