Bad Oldesloe : Gelungenes Richtfest im Regen

Gut beschirmt am extravaganten und umstrittenen Millionenbau: Im Frühjahr 2016 soll das Kultur- und Bildungszentrum fertig sein.
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Gut beschirmt am extravaganten und umstrittenen Millionenbau: Im Frühjahr 2016 soll das Kultur- und Bildungszentrum fertig sein.

KuB-Festakt mit mehr als 200 Gästen und Besuchern / Innenminister Studt kam mit Tochter und sprach von einem Gewinn für die Stadt.

shz.de von
11. Mai 2015, 06:00 Uhr

Es war ein Meilenstein des Gebäude-Baus, das ein Meilenstein in der Oldesloer Kulturgeschichte werden soll. Das Richtfest des von der offiziellen Seite gerne als „Leuchtturmprojekt“ und in der Bevölkerung bereits auf „Travephilharmonie“ umgetauften „Kultur- und Bildungszentrums“ war ein Großereignis, das am Samstag über 200 Mitbürger anlockte. Und das obwohl Stadtpatron Petrus nicht recht mitfeiern wollte und graue Wolken und Regenschauer schickte.

Dass es immer wieder zwischendurch aufklarte, kann aber glatt allegorisch gedeutet werden. Denn so ist es mit dem 10,7-Millionen-Bau an sich auch, der wie kein anderes Bauvorhaben des letzten Jahrzehnts in Bad Oldesloe nun schon seit Jahren die Gemüter in Aufregung versetzt.

2008 begannen die Planungen – eine enorm lange Zeit, wie auch Bürgermeister von Bary in seiner Festrede feststellte. „Im Frühjahr 2016 sollen sich die Türen öffnen. Bis dahin werden also acht Jahre seit dem Start der Arbeiten vergangen sein“, verdeutlichte der Verwaltungschef: „Wir hatten gemeinsam mit kulturschaffenden Bürgern diese Idee, diese Vision – es war dann nicht einfach, aber irgendwie sind wir nun schon mal bis zu diesem Punkt gekommen.

Dass er die Verantwortung nicht in die Hände des Bauamts legte, sondern in die Hände von Kämmerin Mandy Treetzen hatte in den vergangenen Jahren oft für Verstimmungen vor allem in der CDU geführt. Der christdemokratische Bauexperte Uwe Rädisch kritisierte diesen Vorgang mehrfach. Und so fühlte sich von Bary offensichtlich genötigt, auch öffentlich dazu noch mal Stellung zu beziehen: „Ich habe das Projekt bewusst in die Hände von Frau Treetzen gelegt. Denn bei einem solchen Bau geht es um mehr, als nur um den Bau selbst. Es geht um Finanzierungen, Fördergelder und das ganze Drumherum. Das macht sie erstklassig und ich möchte mich bei ihr bedanken.“

Das Projekt wäre aber nie so weit gekommen, hätte es nicht die ganzen Mitstreiter im Arbeitskreis und die Lokalpolitiker gegeben. „Die zukünftigen Nutzer – Musikschule, VHS, Klangstadt und Oldesloer Bühne – haben kräftig und aktiv mitgewirkt“, erklärte von Bary. Unter den Zuhörern waren nur wenige, die ihm den Beifall verweigerten. Es war ein knappes Dutzend, das murmelte und schimpfte, wie viel Geld hier „verschwendet werde“ und beim Gang durch die Reihen der Besucher hörte man, was alles aufgezählt wurde an Projekten, die man selbst vielleicht lieber realisiert gesehen hätte. Doch diese Menschen waren in der Minderheit.

Die Bedeutung für Bad Oldesloe hob Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt hervor, der in Begleitung seiner charmanten Tochter Janneke zum Richtfest gekommen war. „Auch ich kann mich nur bei allen bedanken von der Verwaltung über die Lokalpolitiker bis zu den zukünftigen Nutzern, die sich für diesen Bau und die Idee dahinter einsetzen. Wir als Land haben mit Fördergeldern dazu beigetragen“, so Studt. 4,23 Millionen flossen aus der Landeskasse in die Kreisstadt. „Ich finde, es ist eine besonders gute Idee, dass dieses Zentrum in einem ehemaligen Amtsgericht entsteht, das komplett dafür umgestaltet wird“, erklärte der Innenminister: „Bad Oldesloe wird durch dieses Kultur- und Bildungszentrum noch attraktiver werden. Als jemand, der ja hier aus der Nähe stammt, ist es mir daher eine besondere Freude, hier beim Richtfest dabei sein zu können.“

Den offiziellen Richtspruch verlas dann Zimmermeister Rainer Gehrmann. Er ging noch mal humorvoll auf Verzögerungen im Bau und die Kostensteigerungen ein. Bei seiner Bemerkung, dass er augenzwinkernd prophezeie,dass die Handwerker das Haus wohl nicht vor Sommer 2016 verlassen werden, konnten allerdings nicht alle Umstehenden lachen. Anschließend gab es Schnittchen für die geladenen Gäste und Suppe aus der Gulaschkanone für alle übrigen Besucher. Dazu konnten auch erste Blicke ins Innere des Gebäudes geworfen werden. Noch ist alles grau und kahl, doch es deutet sich an, wie das KuB 2016 aussehen wird.

Nun geht es darum, den richtigen KuB-Manager zu finden. Aus 160 Bewerbern haben sich drei für die letzte Runde der Bewerbungsgespräche qualifiziert. „Die Eröffnungsparty kann dann schon der Manager mit dem Arbeitskreis planen – da bin ich dann raus“, lachte Mandy Treetzen gut gelaunt zum Abschied in Richtung Schnittchen. Insgesamt war das Richtfest ein gelungener Tag für sie, die Kulturschaffenden und auch die neugierigen Besucher.

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