zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

17. Dezember 2017 | 20:53 Uhr

Bad Oldesloe : Geldregen für Stormarner Archive

vom

Mit Fördergelder des Landes für die Erhaltung des kulturellen Erbes können Akten vor dem Verfall gerettet werden

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 09:44 Uhr

Bad Oldesloe | Jetzt steht es endlich fest: Insgesamt werden in diesem Jahr vom Justiz- und Kulturministerium 400 000 Euro an Archive und Bibliotheken in Schleswig-Holstein für den Erhalt besonders wertvoller und wichtiger Stücke verteilt. Die Stormarner Archive freuen sich über eine großzügige Unterstützung ihrer Arbeit: Dass fast alle Anträge aus bewilligt wurden, hatte niemand vermutet.

Bis jetzt konnten viele Archivalien den Forschern gar nicht vorlegt werden, weil sie von Schimmel befallen sind oder der Säurefraß das Papier fast vollständig zerstört hat. Die Lagerung in feuchten Kellern oder auf Dachböden der Verwaltungen haben zusätzliche Spuren hinterlassen. Jetzt kan dem weiteren Verlust wichtiger Dokumente Einhalt geboten werden.

Das Kreisarchivar Stormarn erhält 49 000 Euro für die für die Verpackung, Digitalisierung und Papierentsäuerung. Einer der wichtigsten Bestände, die Unterstützung von NS-Opfern nach dem Zweiten Weltkrieg, kann in den nächsten Monaten beim Zentrum für Bucherhaltung in Leipzig behandelt. "Das Papier aus der unmittelbaren Nachkriegszeit hat eine sehr schlechte Qualität. Es bröselt uns förmlich unter den Fingern weg", sagt Kreisarchivar Stefan Watzlawzik: "Das liegt daran, dass damals sehr viel holzschliffhaltiges Papier mit säurehaltigem Leim produziert wurde. Dieser zerfrisst nun das Papier." Im Leipzig wird diese Säure in einem chemischen Verfahren neutralisiert.

Auch die Stadt Bad Oldesloe hatte einen Antrag auf Förderung von Papierrestaurationen gestellt. Die Unterlagen, die von Stadtarchivarin Dr. Sylvina Zander betreut werden, reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück. Mit 18 000 Euro sollen nun von Schimmel befallene Akten des St. Jürgen-Hospitals restauriert werden, die bislang nicht vorgelegt werden konnten. Zum einen kann der Schimmel immer noch gefährlich werden für die Benutzer, wenn sie ihn einatmen, zum anderen ist das Papier sehr angegriffen und muss stabilisiert werden.

Amtsarchivar Oliver Mesch freut sich über 4200 Euro für das Amtsarchiv Siek und 2300 Euro für das Amtsarchiv Trittau. In beiden sollen die Bestände mit den Protokollbänden der Gemeindevertretungen schutzverfilmt werden. Die Protokolle gehören zu den wichtigsten Beständen und weisen zum Teil schon Schäden auf. "Die Schutzverfilmung ist ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung dieses wertvollen Bestands. Er ist bei den Benutzern sehr stark nachgefragt", sagt Oliver Mesch.

Das Gemeindearchiv Großhansdorf erhält 500 Euro für die Anschaffung neuer Archivboxen. Damit sollen die Akten, die in den letzten Jahren von der Gemeindeverwaltung an das Archiv abgegeben worden sind, neu verpackt werden. Gemeindearchivarin Erika Hoffmann: "Mit solchen Boxen ist für wenig Geld schon sehr viel Gutes erreicht. Bei Archivgut ist der Schutz vor neuen Beschädigungen durch eine richtige Verpackung sehr wichtig. So lassen sich hohe Kosten für Restaurierung vermeiden."

Ebenfalls bewilligt wurden Gelder für vier große Fotobestände im Kreisarchiv. Die Nachlässe von Hans Mallek (5000 Aufnahmen), Klaus-Dieter Schwerdtfeger (16 000 Aufnahmen) sowie das Negativarchiv der Glinder Zeitung (50 000 Aufnahmen) werden neu verpackt und digitalisiert. Lediglich verpackt wird das Negativarchiv der Ahrensburger Zeitung mit 150 000 Aufnahmen. Die Digitalisierung soll in den nächsten Jahren erfolgen. Zudem lässt das Kreisarchiv seine Plakatsammlung mit 1500 Stück scannen, um Forschern leichter einen Zugriff zu ermöglichen.

Die Stormarner Archive hoffen, dass es auch im kommenden Jahr wieder ein Förderprogramm des Landes gibt. Denn es gibt noch viele Schätze in den Archiven, die erst behandelt werden müssen, damit sie von Forschern gehoben werden können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen