Geld macht auch nicht glücklich

Wiedenroth
Wiedenroth

Avatar_shz von
22. Oktober 2011, 08:32 Uhr

Systemfehler Radarfallen sind schon ein ausgeklügeltes System. Polizei, Kreisverkehrsaufsicht und der Landesbetrieb stellen die Schilder auf, die Landespolizei postiert die Messgeräte auf den Autobahnen, das Bußgeld geht an den Kreis. So kann jeder immer auf den anderen verweisen. Die Schilder werden aus Gründen der Verkehrssicherheit postiert, mit der Überwachung hat man nichts zu tun. Die Polizei blitzt, aber Abzocke kann das ja nicht sein, weil man nichts hat von dem Geld. Und beim Kreis hat man mit den Blitzern nichts zu tun, freut sich aber über Einnahmen. Nun ist nichts dagegen einzuwenden, jemanden zur Kasse zu bitten und damit hoffentlich zur Vernunft zu bringen, der durch Ortschaften oder Baustellen rast. Auch wenn der Sinn mancher Schilder im Ungewissen bleibt, die Masse der Temposünder wurde wohl zu Recht erwischt. Aber ist es Pech, wenn die Bußgeldstelle meint, jemand auf dem Foto zu erkennen und ihn "verfolgt"? Diese - nicht nur - Stormarner Praxis ist bedenklich. Plötzlich soll jemand beweisen, dass er nicht gefahren ist. Kann er aber gar nicht, wenn die Behörde den Aussagen von Arbeitgeber oder Kollegen nicht glauben will. Da helfen selbst eidesstattliche Versicherungen nichts, weil die vor Gericht nicht als Beweismittel gelten. Dafür müssen die Zeugen persönlich dort erscheinen. Es ist fraglich, ob ein derartiger Aufwand mit all seinen Kosten noch in irgendeinem Verhältnis zum Nutzen steht. Erschreckend ist aber, dass es jeden treffen kann. Natürlich ist "Strafverfolgung" ein hohes Gut. Aber das ist das Vertrauen des Bürgers in den Rechtsstaat auch.

JUgendrecht Es war ein Satz in einem Buch von Ulrich Linse, der die Neugier des emeritierten Braunschweiger Professor Dr. Günter Wiemann weckte: "1925/26 bewirtschaftete er (Hans Koch) in Gemeinschaft eine Gemüseplantage mit Konservenfabrik in Harxbüttel (im Haus Löhr)." Wiemann erinnerte sich, dass in dem Haus Greta Burmeister geboren wurde, die spätere Ehefrau von Herbert Wehner. Aus diesen beiden "Fakten" ist ein Buch mit 270 Seiten über Hans Löhr und Hans Koch entstanden, die in ihrer Jugend den Traum von der Landkommune, dem besitzlosen Leben verwirklichten, später aber sehr unterschiedliche Wege einschlugen. Löhr siedelte 1960 in die DDR über, wo er 1961 starb, Hans Koch, der in Harxbüttel seine erste Motorhacke entwickelte, gründete die Hako-Werke. Der Rebell aus gutem Haus als profit orientierter Ausbeuter? Wiemann zeigt, dass diese Klischees nicht taugen. Und dass die Suche der Jugend nach anderen Wegen, die Kritik am kapitalistischen System keine Erfindung der Neuzeit ist.

Postnatal Reinbek lädt am Wochenende wieder zur Hochzeitsmesse ins Schloss. Wenn man den "schönsten den Tag des Lebens" in bester Erinnerung behalten möchte, muss man natürlich bereit sein, dafür den einen oder anderen Euro springen zu lassen. Geld macht schließlich nicht glücklich, das sollen die Produkte machen, die man für Bares erwerben kann. Brautkleid und Anzug, Blumen und Deko, Fotos und Accessoires und natürlich Trauringe und Tanzkurse für den Walzer. Aber auch die Hochzeitsmesse ist für gesellschaftliche Entwicklung und moderne Trends offen. Behaart heiraten ist völlig out, also gibt es jetzt auch Stände für Haarentfernung. Brautmoden für Schwangere waren schon obligatorisch, erstmals dabei sind jetzt eine Hebamme und ein Tagesvater. Damit ist endlich auch die postnatale Phase abgedeckt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen