Stormarner Wochenschau : Geht’s nicht auch anders?

 Karikatur: Wiedenroth
Karikatur: Wiedenroth

Die einen werden gewalttätig, die anderen hauen verbal auf die Pauke und noch wieder andere glänzen eher durch Passivität. Meinen sie zumindest.

Andreas Olbertz. von
04. Juli 2015, 08:00 Uhr

Handgreiflich

Schade, dass so was offenbar nötig ist, aber deshalb ist es gut, dass es solche Kurse gibt. Mitarbeiter der Oldesloer Stadtverwaltung werden in Selbstbehauptung geschult. Da geht es viel um Rhetorik und Körpersprache, aber wenn das alles nichts hilft, ist die scheinbar hilflose kleine Büromaus, zack-zack, in der Lage, sich zu verteidigen. Dafür bedarf es keiner großen Muckis, sondern nur der richtigen Technik. Die Stadt nimmt dafür Geld in die Hand. Wo Werte immer weiter verfallen und Sitten verrohen, ist das wohl leider nötig. Das gilt für die Amtsstube genau so wie im Bus oder anderswo – nur, dass es dann Zivilcourage heißt. Dabei ist das Leben mit etwas Freundlichkeit und Spaß doch viel besser zu ertragen. Unser Karikaturist Götz Wiedenroth hat sich auch so seine Gedanken gemacht, wo das hinführen könnte.

Unflätig

Mein Gott, was für ein Theater um einen Straßennamen. Man kann für oder gegen die Umbenennung der Hindenburgstraße sein, man hätte beim Bürgerentscheid sein Kreuzchen machen können oder, wie die überwältigende Mehrheit der Oldesloer, es bleiben lassen können. Okay, es ist den Meisten also egal, dass ein wichtiger Teil der Fußgängerzone nach dem Mann benannt ist, der die Nazis an die Macht gehoben hat. Denn genau dafür, als Dankeschön, haben die Oldesloer Nationalsozialisten die Langestraße nach ihm umbenannt. Über den „Held von Tannenberg“ oder den senilen alten Mann, der nicht mehr wusste, was er tat und Einflüsterungen erlag, mag man diskutieren können, aber über diesen Punkt nun mal nicht. Der ist durch Unterlagen im Stadtarchiv belegt.

An einer sachlichen Diskussion, zu der es ja durchaus Gelegenheiten gegeben hätte, schien kaum jemand Interesse gehabt zu haben. Stattdessen wurden lächerliche Drohkulissen aufgebaut, Verschwörungstheorien in die Welt gesetzt, es wurde agitiert und gepöbelt, Häme und regelrechter Hass wurden über unsere ehrenamtlichen Stadtverordneten ausgekippt. Und auch nach dem Bürgerentscheid ist nicht Schluss. Das Ganze ist dermaßen ausgeufert, dass Hartmut Jokisch (Grüne) sein beliebtes Oldesloe-Diskussionsforum auf Facebook löschen musste. Da werden Erinnerungen an unrühmliche deutsche Zeiten wach. Dabei sollte man sich einfach mal vor Augen halten: Die Befürworter hätten das kurzerhand durchstimmen lassen können. Eine Mehrheit hätten sie vermutlich gehabt. Das ganze Verfahren ist also gelebte Demokratie.

Untätig

Ist das wirklich noch Zufall? Die SPD hatte vergangenen Monat einen Antrag zur Aufarbeitung der Oldesloer NS-Geschichte gestellt. Der hätte diesen Monat auf der Tagesordnung des Sozialausschusses stehen müssen. Stand er aber nicht. In der Verwaltung hatte man ihn schlichtweg vergessen. Entschuldigung – Thema durch, den nehmen wir spontan trotzdem auf die Tagesordnung – sollte man meinen. Aber nicht in Bad Oldesloe. Formaljuristisch vermutlich korrekt, wäre dafür eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig gewesen. Natürlich ist der Antrag nicht dringlich, sondern die Politik hätte auf kurzem Dienstweg einen Fehler der Verwaltung ausbügeln können. Wollten CDU und FBO aber nicht. Nö, die Tagesordnung ist eh schon so voll. Nur zum Verständnis: Es ging um einen Arbeitsauftrag an die Verwaltung, Möglichkeiten der Aufarbeitung vorzustellen. Mehr nicht. Dafür bedarf es wirklich keiner inhaltlichen Debatte, die wird zu einem späteren Zeitpunkt noch zu führen sein.
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