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Initative gegen Windpark : „Gegenwind“ droht mit Klage

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Bargteheider Bürgerinitiative appelliert an die Fraktionen, auf den geplanten Windpark zu verzichten, andernfalls soll juristisch dagegen vorgegangen werden. „Wenn wir nicht ohne Klage auskommen sollten, werden wir ziemlich weit gehen“, erklärt Sven Herfurth, einer der Initiativen-Sprecher.

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erstellt am 09.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Das wird ein stürmischer Herbst für Bargteheide. Die Bürgerinitiative Gegenwind hat sich in einem offenen Brief an Bürgermeister Dr. Henning Görtz und die Spitzen der Fraktion gewandt. In dem Schreiben drohen sie, gegen den geplanten Windpark juristisch vorzugehen. „Wenn wir nicht ohne Klage auskommen sollten, werden wir ziemlich weit gehen“, erklärt Sven Herfurth, einer der Initiativen-Sprecher: „Aber vielleicht kehrt ja noch Vernunft ein. Ich habe Hoffnung, dass wir den Windpark verhindern.“

Der Adressat, Bürgermeister Görtz, hält sich aus der Angelegenheit raus. „Ich bin befangen und an dem Verfahren gar nicht beteiligt“, erklärt er: „Ich kann das Schreiben nur weiterleiten .“ Stellvertreter Claus Christian Claussen ist im Urlaub, gleiches gilt für Bauamtsleiter Jürgen Engfer. Dessen Stellvertreter Thomas Degenhardt nimmt sich der Sache an. „Wir versuchen respektvoll mit solchen Eingaben umzugehen und nehmen die selbstverständlich ernst“, erläutert er. Stellt aber auch klar, dass Verwaltung in diesem Fall der falsche Ansprechpartner sei, so Degenhardt: „Wir sind an die Beschlusslage der Gremien gebunden.“ Die aktuelle Situation sei eben, dass die Stadt den Bürgerwindpark wolle. „Die Verwaltung sieht das relativ leidenschaftslos“, verdeutlicht der stellvertretende Bauamtsleiter. Politik könne in einem solchen Fall nicht allen gerecht werden.

„Das ist ein undemokratisches Verfahren“, kritisiert Helga Dorer von der Initiative: „In einem halben Jahr ist das alles durchgegangen, das haben doch nicht mal die Politiker alles verstanden.“ Zurzeit habe Gegenwind gut 700 Mitglieder. Nach eigenen Angaben werden es täglich mehr. Helga Dorer: „Die Bevölkerung wird gespalten. Das hat man in Bargteheide so noch nicht erlebt.“ Ihr Mitstreiter Herfurth pflichtet ihr bei: „Der Widerstand ist enorm.“ Deshalb hofft man bei den Gegnern des Bürgerwindparks, dass die Politiker ihre Meinung ändern und keinen Bauantrag stellen. Bekanntlich sollen am Glindfelder Weg drei Mühlen errichtet werden, am höchsten Punkt sind die Rotoren fast 200 Meter hoch. „Das ist der einzige Grüngürtel, den wir noch haben“, ärgert sich Helga Dorer: „Wie sollen die Kinder zukünftig noch Blätter rauschen hören?“

Thomas Degenhardt kann die Kritik nur schwer nachvollziehen: „Durch die Aufnahme in den Regionalplan ist dort Baurecht entstanden. Wenn die Stadt dort nicht selber aktiv wird, kann sie nur zugucken. Ich wüsste keinen Grund, warum es dann besser werden sollte.“ Selbst wenn die Stadt von der Idee eines Bürgerwindparks Abstand nehmen sollte, bliebe dort immer noch Baurecht – dann könnten beliebige Investoren Mühlen errichten. „So haben wir größtmöglichen Einfluss und ein gläsernes Verfahren. Die Offenheit ist gewollt. Die Gutachten sind kaum trocken, da stehen sie schon auf unserer Homepage“, verdeutlicht der Experte aus dem Bauamt.

Bei der Initiative sieht man das naturgemäß anders. „Ich hoffe, dass endlich mal die Naturschutzgutachten auf den Tisch kommen“, sagt Sven Herfurth und dreht den Spieß um: „Was schlimmeres als dieser Windpark kann gar nicht kommen. Wer nicht investiert, hat da überhaupt nichts von.“ Der dort erzeugte Ökostrom werde nicht gebraucht, er werde nicht mal in Bargteheide ins Netz gespeist, der Strompreis steige trotzdem. Was bleibe, sei die Gefährdung durch Lärm und Infraschall sowie ein zerstörtes Landschaftsbild. Herfurth: „In Amerika, wo man sich um den Verbraucher bekanntlich nicht kümmert, gelten 2500 Meter Mindestabstand. Bei uns sind es nur 800 Meter.“

Einer möglichen Klage blickt man im Rathaus gelassen entgegen. Thomas Degenhardt: „Ich sehe nicht, wo der Hebel angesetzt werden sollte.“

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