Stormarner Wochenschau : Gegen das politische Patt hilft ein Helles

 Karikatur: Megi Balzer
Karikatur: Megi Balzer

Betrachtungen zum Wochenausklang

Andreas Olbertz. von
12. Mai 2018, 08:00 Uhr

Wahlgeheimnis

Liegt es am Frühling, dass es nicht nur draußen, sondern auch in der Politik alles grüner wird? Oder wie ist der Erfolg der gleichnamigen Partei zu erklären? Die Antworten der Grünen kennen wir. Wenn einem führenden Genossen zuerst die „gute Arbeit zweier Grüner“ in den Landesregierungen der vergangenen Jahre einfällt, mag das richtig sein. Es hat aber nicht wirklich etwas mit der Arbeit im Kreis zu tun. Die haben die SPD-Genossen genauso gut und professionell absolviert, wurden vom Wähler aber trotzdem mit schweren Verlusten bestraft. Die CDU erwischte es weniger schwer, aber auch sie musste abgeben. Wenn die AfD auf Kreisebene 6,6 Prozent holt, ohne dass man weiß, für was sie auf kommunaler Ebene steht, ging es bei der Wahlentscheidung des mündigen Bürgers eher um Bundes- und Landes- denn um Kreispolitik. Das gilt auch für das Forum 21. Das sah außerhalb Reinbeks keine Schnitte mehr, da die Wähler dieses Mal auch AfD, Freie Wähler oder Familien-Partei ankreuzen konnten. Und für die Linken: Im Kreis mit den höchsten Einkommen und der geringsten Arbeitslosigkeit erklären sich deren Stimmenzuwächse nicht unbedingt aus dem Elend des Proletariats.

Wiederkehr

Auch eine Frau kann ein Stehaufmännchen sein. Die Genossen hatten die Schul-, Kultur- und Sportausschuss -Vorsitzende Sigrid Kuhlwein nach mehr als 30 Jahren im Kreistag auf den aussichtslosen Platz 16 der Liste gesetzt. Selbst ihre vom Ortsverband vorgeschlagene Direktkandidatur bekam die Ammersbekerin auf dem Kreisparteitag nur knapp durch. Somit war die Ausgangslage klar: Wollte sie erneut in der Kreispolitik mitmischen, musste sie ihren Wahlkreis wieder direkt gewinnen. Das gelang der 75-Jährigen nicht nur, sie war auch die einzige direkt gewählte Sozialdemokratin in Stormarn – wie bereits 2008. Das Geheimnis ihres Erfolgs? „Ich weiß, dass ich in Ammersbek ein gutes Standing habe“, sagt Sigrid Kuhlwein. Dass ihr der Sieg auch „gegen diejenigen gelang, die mich rauskatapultieren wollten“, freut sie besonders. Ihren Vorsitz dürfte sie trotzdem los sein. Mehr als zwei Ausschüsse stehen der Sozialdemokraten nicht mehr zu.

Touri-Brücke

Über diese Brücke gingen die Mitglieder des Ahrensburger Umweltausschusses nur unwillig. Zwar bekommt man für den lange diskutierten und umstrittenen Neubau der Moorwanderwegbrücke 50 Prozent Zuschuss, das Prozedere gefiel den Politikern aber nicht. Voraussetzung für eine Förderung war ein touristischer Mehrwert. Den setzte die Verwaltung in Form einer Konzeptstudie „zur Optimierung der touristischen Erschließung und Inwertsetzung des Naturerbes Tunneltal“ um, bei dem der geplante Schwimm-Steg zu einer „Brücke in die Vergangenheit“ wird. Neben Infotafeln, Audiopulten, Guckis, einem Bohrkern mit Erläuterung soll es eine Visualisierung der ehemaligen Burg Arnesvelde geben. Für die Ansprache von Kindern soll es eine Leitfigur geben, und Rentierjäger könnten die Besucher am Start begrüßen oder auf halber Strecke im Schilf überraschen. Muss nur noch geklärt werden, ob das Minijobber oder Ehrenamtler sein sollen.

Aussagekraft

Gott sei Dank, die Wahl ist vorbei. Endlich werden wir von so bahnbrechenden Kreationen wie „Summ Summ statt Blabla“ oder „Argumente statt bunte Bilder“ verschont. Überzeugt sowas ernsthaft jemanden? Da muss man ja schon froh sein, dass trotz solcher Ergüsse noch knapp 44 Prozent zur Wahl gegangen sind.

Voller Einsatz

Überhang- beziehungsweise Ausgleichsmandate blähen die Parlamente allenthalben mächtig auf. In Oldesloe ist die Stadtverordnetenversammlung von 27 auf 34 Abgeordnete angewachsen. Der reine Zuwachs ist nun nicht so besonders – die Parlamentsgröße richtet sich nach der Einwohnerzahl und da hat Oldesloe jetzt ohnehin die nächste Stufe erreicht (zum Stichtag allerdings noch nicht). Nein, es ist die glatte Zahl an Mandaten. Das schreit doch förmlich nach Pattsituationen. Aber dagegen zeichnet sich eine Lösung ab. In kleiner Runde freute sich nämlich der bisherige CDU-Fraktionsvorsitzende Horst Möller: „Oh fein, dann kann ich in Zukunft doch wieder ein Bierchen trinken gehen.“
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