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Todesfalle : Gefährdeter Rotmilan von Windrad getötet

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

63 der seltenen Greifvögel bei Tralau entdeckt – die größte bisher gesichtete Ansammlung in Schleswig-Holstein. Ein Exemplar wurde von der Windmühle geköpft.

Ein außergewöhnliches Naturschauspiel war am Himmel über der Feldmark zwischen Groß-Niendorf und Tralau zu beobachten. Am Freitag suchten gleich 18 Rotmilane, die wohl auf dem Durchzug waren, dort nach Nahrung. In dem Stormarn-Segeberger Grenzgebiet stehen auch vier Windkraftanlagen, die von den Vögeln regelmäßig passiert wurden. Ein Anwohner, der die Rotmilane am Vortag beobachtet hatte, fand am Sonnabend am ersten Windrad einen toten Vogel am Fuß des Turms und informierte den Nabu-Greifvogelexperten Dr. Hans Wirth.

Bei dem Rotmilan handelte es sich um einen männlichen Altvogel, der seine Mauser fast abgeschlossen hatte. Die Schwanzfedern des frischen Gefieders sind in dieser Jahreszeit besonders intensiv rot gefärbt. Der Milan hatte eine stattliche Spannweite von 1,58 Metern. Bei der Kollision waren ihm der Kopf und ein Teil des linken Flügels abgetrennt worden, aus den Wunden trat noch Körperflüssigkeit aus. Obwohl der Rotmilan noch nicht lange tot war, konnten die fehlenden Körperteile nicht gefunden werden. Wahrscheinlich waren sie von anderen Greifvögeln abtransportiert worden. Allein während der Suche wurde vier Rotmilane und vier Mäusebussarde gesichtet.

Nach 2009 ist das der zweite Rotmilan, der an dieser Windkraftanlage zu Tode kam. 2012 waren in diesem Bereich zudem bereits stark mumifizierte Reste von zwei weiteren Vögeln bei der Ernte gefunden worden. „Insgesamt sind also mindestens vier Rotmilane an den Windkraftanlagen in Tralau umgekommen“, so Hans Wirth.

Nach dem Mäusebussard ist der Rotmilan die Greifvogelart, die am häufigsten an Windkraftanlagen zu Tode kommt. In der von der staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg für Deutschland geführten Datenbank sind bisher 193 solcher Todesfälle dokumentiert. Aus Schleswig-Holstein waren bisher aber lediglich drei Kollisionsopfer gemeldet worden. Da es sich in Regel um Zufallsfunde handelt, kommt eine kürzlich vorgestellte Studie aus Brandenburg zu dem Ergebnis, dass jährlich zwischen drei und vier Exemplare des Bestands an Windrädern verunglücken. In Schleswig-Holstein ergab eine landesweite Bestandsaufnahme vor einem Jahr zwischen 130 und 150 Brutpaare, davon etwa 15 im Kreis Stormarn und rund 20 im Kreis Segeberg.

Als Hans Wirth Sonntagnachmittag noch mal in das Tralauer Gebiet zurückkehrte, konnte er „mindestens 63 Rotmilane“ beobachten – die größte bisher festgestellte Ansammlung in Schleswig-Holstein. „Rotmilane leben außerhalb der Brutzeit gesellig. Es könnte sich um heimische Vögel handeln, es könnten aber auch Vögel aus Schweden und Dänemark auf dem Weg ins Winterquartier sein“, sagt Dr. Wirth.

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