Bad Oldesloe : Gedenktafel erinnert an Carl Christian Thegen

Die Oldesloerin Silke Nelius, die in Essen als Kulturmanagerin arbeitet, weihte gestern auf dem Friedhof eine Gedenktafel für den Oldesloer Maler Carl Christian Thegen ein.
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Die Oldesloerin Silke Nelius, die in Essen als Kulturmanagerin arbeitet, weihte gestern auf dem Friedhof eine Gedenktafel für den Oldesloer Maler Carl Christian Thegen ein.

Eigentlich war er Knecht und Tausendsassa. Erst nach seinem Tod wurde er als Künstler berühmt.

shz.de von
17. November 2016, 06:00 Uhr

Gestern verwandelte sich die Auferstehungskapelle auf dem Oldesloer Friedhof in eine kleine Bildergalerie. Zehn großformatige Zeichnungen des Oldesloer Malers Carl Christian Thegen, die sich im Privatbesitz von drei Oldesloer Familien befinden, wurden öffentlich ausgestellt. Anlass war der 133. Geburtstag des Oldesloer Künstlers und Knechts. Und aus diesem Anlass wurde an seinem Grab auch eine Gedenktafel eingeweiht, die die Friedhofsverwaltung gestiftet hat.

Die Oldesloerin Silke Nelius, die in Essen als Kulturmanagerin arbeitet, kam eigens in ihre Heimatstadt gereist, um die Gedenktafel einzuweihen und an Thegen, den sie selbst noch als Kind kennengelernt hatte, zu erinnern. „Carl Christian Thegen ist vom Rande wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, betonte sie.

Der Oldesloer, den alle nur „Krischan“ nannten, wurde am 16. November 1883 in der Heiligengeiststraße geboren und war zeitlebens als Knecht tätig. Als Vagabund und „Alleskönner“ übte er viele Tätigkeiten aus, arbeitete in einem Zirkus und in Hagenbecks Zoo. Außerdem war er Karussellbesitzer, Jahrmarktsgehilfe, Zirkusclown und Schlachter. Irgendwann sah er dem Hamburger Architekten Emil Maetzel beim Malen zu und griff daraufhin begeistert selbst zu Pinsel und Papier.

Seit den 1930er Jahren entstanden Hunderte von bunten Bildern mit Zirkus- und Zoomotiven. Seine naiven Gemälde verschenkte er meist, kaum jemand hielt sie damals für Kunst. Im September 1955 verunglückte er tödlich bei einem Fall von einer Leiter und wurde auf dem Oldesloer Friedhof beigesetzt.

Plötzlich waren seine Bilder als Naive Kunst begehrt und erzielten international Höchstpreise bei Sammlern. Inzwischen gehört Thegen zu den berühmten und besten deutschen „Naiven“ und im Steinfelder Redder wurde eine Straße nach ihm benannt.

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