Reinfeld : Fußballer machen zu viel Krach

Neben gut 80 Anwohnern des Sportplatzes waren zur Anwohnerversammlung auch die Fraktionsvorsitzenden der vier Reinfelder Parteien gekommen.  Fotos: schlüter
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Neben gut 80 Anwohnern des Sportplatzes waren zur Anwohnerversammlung auch die Fraktionsvorsitzenden der vier Reinfelder Parteien gekommen. Fotos: schlüter

Laut Gutachten wird der Lärmpegel am Sportplatz überschritten / Anwohner zeigen jedoch Verständnis für die Kicker.

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16. November 2018, 10:58 Uhr

Der Sportplatz am Bischofsteicher Weg bleibt. Der Umzug auf eine Fläche kurz hinter der Stadtgrenze ist längst vom Tisch. Darüber sind sich alle vier Fraktionen einig. Selbst die CDU, die den Umzug zuerst favorisiert hatte, lenkte am Ende ein.

Doch nun tauchen weitere Probleme auf: Ein Lärm- und Lichtschutzgutachten deckt auf, dass der Geräuschpegel auf dem Traditionsplatz des SV Preußen tatsächlich den Maximalwert übersteigt – und das trotz eines „Altanlagenbonus“. Bürgermeister Heiko Gerstmann und Bürgervorsteher Gerd Herrmann luden zu diesem Thema zu einer Anwohnerversammlung in die Aula des Schulzentrums ein, zu der über 80 Anwohner – vor allem aus der benachbarten Jahnstraße – gekommen waren. Der Bürgermeister stellte zunächst das Gutachten vor. Das Problem sei nicht der Lichtschutz. Die Flutlichtstrahler könnten ganz einfach mit einer Abdeckkappe versehen werden. Das größere Problem sei das Übersteigen der gesetzlich vorgeschrieben Dezibelwerte – verursacht durch Ratschen, Vuvuzelas, die Sonntagsspiele auf dem B-Platz und vor allem durch Trillerpfeifen.

Das Gutachten, das alle Schallquellen auf dem Sportplatz, in der Sporthalle an der Schule und am Tennisplatz berücksichtigt hat, fordert ganz klar eine drei Meter hohe und 190 Meter lange Lärmschutzwand zur Jahnstraße – möglichst mit einem Erdkern. Alternativen wären laut Gutachten „technische und organisatorische Maßnahmen“. Um die Lärmschutzwand doch noch zu verhindern, müssten möglichst viele Fußballspiele vom B-Platz auf den weiter entfernten D-Platz verlegt werden, der vorher mit Kunstrasen ausgestattet werden müsste. Es müsste dafür gesorgt werden, dass spät abends keine Jugendlichen in Feierlaune zusätzlichen Krach produzierten. Priorität habe laut Bürgermeister zuerst der Kunstrasen, da trotz des fehlenden Haushalts vielleicht 2019 doch noch Fördergelder eingeworben werden könnten und die Planungen dafür jetzt auf den Weg gebracht würden. Danach folge der Lärmschutz, dann die Sanierung der Laufbahn. Geert Karnick von den Grünen: „Das Motto sollte leben und leben lassen lauten. Ich appelliere an die Anwohner und den Sportverein auf gegenseitige Rücksichtnahme.“ Jens Löper von der WIR ist es wichtig, dass die Planungen jetzt schnell losgehen. So sieht es auch Rolf-Jürgen Hanf von der SPD: „Wir wünschen uns, dass wir mit den technischen und organisatorischen Maßnahmen auskommen.“ Die CDU hoffe, so Fraktionsvorsitzender Lorenz Hartwig, dass eine Übereinstimmung gefunden werde, die die nächsten 50 Jahre tragbar sei.

Adelbert Fritz vom SV Preußen betonte die Wichtigkeit des über 2 000 Mitglieder zählenden Vereins – davon rund 500 Fußballer – und wies auf den seit Jahren kaum noch haltbaren Zustand der Sportanlage hin. Eine gewisse Geräuschkulisse sei nicht zu vermeiden , aber dem Verein sei durchaus bewusst, dass Anwohner sich dadurch beeinträchtigt fühlten. „Wir wollen aktiv dazu beitragen, dass der Lärm verringert wird“, so Fritz. Die Anwohner zeigten dann wider Erwarten in der anschließenden Diskussion viel Verständnis für den Fußball. „Ich nehme den Lärm hin, schließlich bin ich bewusst dort hingezogen“ – „es wird erst ab 17 Uhr lauter“ – „es gibt eine Sommer- und Winterpause, wo es keinen Lärm gibt“ – „es ist in letzter Zeit leiser geworden“ oder „vielleicht war es auch der Nachbar, der gefeiert hat“ hörte man aus dem Publikum.

Nur wenige fanden die Geräuschkulisse unerträglich. Einig waren sich alle Anwesenden, die Lärmschutzwand zu verhindern und es zuerst mit den alternativen Maßnahmen zu versuchen. Gerd Herrmann: „Das muss dringend abgearbeitet werden, um das Wand-Monstrum zu verhindern.“ Thorsten Rapp von der Fußballsparte versprach, dauerhafte Abhilfe zu schaffen. „Wenn Politik, der SV Preußen und die Anwohner an einem Strang ziehen, bin ich zuversichtlich, dass 2019 doch noch was passiert“, so Rapp. Ein Anwohner wollte wissen, wie andere zentrale Sportplätze das Problem gelöst hätten. „Ich habe noch nie einen mit einer großen Wand gesehen“, antwortete Bau- amtsleiter Stephan Kruse.

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