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Stormarner Tageblatt

19. August 2017 | 09:41 Uhr

Funkmast: Stadt bleibt konzeptlos

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ahrensburger Verwaltung schlägt Verzicht auf Konzept vor / Kritik aus dem Hagen

Die Stadt will auf ein Mobilfunkvorsorgekonzept verzichten. Das ist jedenfalls der Vorschlag der Verwaltung für den Umweltausschuss am 11. Februar, um 19.30 Uhr im Peter-Rantzau-Haus. Das Thema war durch den Antrag der Telekom auf einen Funkmasten am Starweg auf die Tagesordnung gekommen. Im Juni hatten sich die Stadtverordneten dafür ausgesprochen, den Funkmast um 1000 Meter zu verschieben.

Die Telekom prüft einen Mastbau 500 Meter südlich vom bisherigen Standort. Rechtliche Handhaben hat die Stadt nicht. Deshalb sollte die Verwaltung auf Antrag von CDU und WAB überprüfen, ob ein Mobilfunkvorsorgekonzept sinnvoll sein kann. Die Nachfragen im Ministerium, beim Städte- und Gemeindebund sowie dem Städteverband Schleswig-Holstein ergaben, dass solche Konzepte nicht bekannt sind. Der Städteverband startete sogar eine landesweite Umfrage – mit demselben Ergebnis: Keine Stadt hat ein Mobilfunkvorsorgekonzept. Das Innenministerium wies zudem darauf hin, dass ein Ausschluss von Funkmasten städtebaulich begründet werden muss. Angesichts der Tatsache, dass bereits eine Vielzahl von Anlagen im Ahrensburg vorhanden sei, stelle sich die Frage, ob so ein Konzept erforderlich sei.

Eine eigene Recherche der Verwaltung ergab, dass zumindest einige Kommunen ein Mobilfunk- wenn auch kein -vorsorgekonzept haben: Baunatal, Erkrath, Gräfelfing, Attendorn und Schlüchtern. Das Attendorner Konzept aus dem Jahr 2003 mit dem Ziel geringerer Belastung mit weniger, aber weithin sichtbaren Masten im Außenbereich war Vorbild für andere Kommunen. Das Gutachten kostete seinerzeit 10  000 Euro. Die Folgekosten für die jährliche Fortschreibung hätten 2013 bei 13  000, im vergangenen Jahr bei 20  000 Euro gelegen.

Genau das bezweifeln der Bürger- und Grundeigentümerverein Waldgut Hagen und die Funkturm-Initiative-Starweg. Man sei „mehr als nur erstaunt“, das die Verwaltung den Verzicht zur Aufstellung eines solchen Mobilfunkvorsorgekonzepts empfiehlt, heißt es in einem offenen Brief, den die BGV-Vorsitzende Brigitte Krogmann und Initiativensprecher Bolko Lasar unterschrieben haben.

Nach den Erfahrungen „unseres Experten für Umweltanalytik, Wolfgang Kessel, besteht keinerlei Notwendigkeit für eine jährliche Aktualisierung. Allenfalls ist eventuell in Fünf-Jahres-Zeiträumen eine Anpassung wegen des technischen Fortschritts zu prüfen“, so der Text. „Die Stadt Attendorn hat uns bestätigt, dass man ständig aktualisieren muss“, sagt Heinz Baade aus der Ahrensburger Verwaltung.

Die mehr als 1000 im Ahrensburger Süden gesammelten Unterschriften zeigten, welch großes Interesse die Menschen an einer Minimierung der Strahlungsbelastung hätten. Und bei 31  300 Einwohnern wären 20  000 Euro nur 64 Cent pro Kopf. „Erscheinen Ihnen diese für die Gesundheitsvorsorge als zu hoch?“, lautet die rethorische Frage an die Stadtpolitiker, die mit dem Beschluss für ein Konzept „einen wichtigen Schritt zu einer einmaligen Vorreiterrolle in Schleswig-Holstein“ machen könnten.

Mit einem Konzept würden Transparenz und Akzeptanz beim Bau neuer Mobilfunkstationen steigen und „überraschende“ Bauanträge unmöglich gemacht. Niemand könne voraussagen, wie viele Mobilfunkbasisstationen noch errichtet werden. „Der Antrag kam nicht überraschend“, sagt Heinz Baade. Und das Attendorner Konzept stamme aus der Zeit vor gut zehn Jahren, als viele neue Funkmasten gebaut wurden. „Mittlerweile gibt es nur noch vereinzelt Anträge“, so Baade, bei denen das Bundesgesetz auch keine Beteiligung der Öffentlichkeit vorsehe. Verhindern lassen würden sich neue Masten nur mit B-Plänen. Die seien städtebaulich aber kaum begründbar, eben weil die meisten Masten lange stehen.

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erstellt am 09.Feb.2015 | 17:09 Uhr

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