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26 Jahre im gleichen Restaurant : Für ihn ist der Kunde König

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kellner Wolfgang Tietgen lebt seinen Beruf , hat immer einen lustigen Spruch und ein Lächeln parat. Wenn es die Gesundheit zulasse. woller er auch über die Rente hinaus dem Forsthaus zur Verfügung stehen.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2013 | 14:00 Uhr

Restaurantleiter WolfgangTietgen kann gar nicht anders: Er begrüßt jeden Gast mit einem herzlichen Händedruck und seinem strahlendsten Lächeln. Dieses von Herzen kommende Lächeln ist sein Markenzeichen, und es ist zudem noch äußerst „ansteckend“. Hinzu kommt seine Freundlichkeit und seine offene, ehrliche Art. Seit 26 Jahren arbeitet Tietgen im Forsthaus Bolande – und das mit Herzblut und Leidenschaft.

Das Traditionsrestaurant ohne ihn – kaum vorstellbar, wenn er in zwei Jahren in Rente gehen sollte. „Ich lebe meinen Beruf“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Und dass das keine leeren Worte sind, weiß jeder Gast. „Ich bin hier vielen sehr, sehr bekannt, fast alle Gäste nennen mich einfach Wolfgang“, so der 63-Jährige. Viele Gäste kämen nicht nur wegen des guten Essens ins Forsthaus, sondern auch seinetwegen. „Es kommt schon vor, dass sich Stammgäste an meinem freien Tag oder wenn ich im Urlaub bin, nicht blicken lasen“, so der Kellner aus Leidenschaft.

Ein netter Spruch, den er in jeder Situation aus dem Ärmel zaubert, eine kleine Umarmung für Stammgäste, ein nettes Wort – das gehöre einfach dazu. Ob auf Plattdeutsch und mit ein wenig Spanisch, Französisch und Englisch: Um Worte ist Tietgen niemals verlegen. Es müsse einfach von Herzen kommen, und man müsse sich für keine Arbeit zu schade sein, weiß er aus 46-jähriger Berufserfahrung. Nicht nur zu den Gästen, sondern auch zum Personal habe er ein sehr gutes Verhältnis. Teamarbeit sei dabei ganz wichtig, damit auch jeder mal ein gutes Trinkgeld bekomme. Apropos Trinkgeld: Da hat der lustige Restaurantleiter eine Anekdote parat. Vater und Tochter aßen regelmäßig Karpfen und Forelle im Forsthaus. Als sie nach zehn Jahren erstmals wieder das Lokal betraten, wusste Tietgen noch genau, was die Beiden damals gegessen hatten. „Das habe ich mir gemerkt, weil es die einzigen Gäste waren, die kein Trinkgeld gegeben haben“, schmunzelt er.

Besonders innig ist das Verhältnis zu einer Reisegruppe, die im nächsten Jahr Tietgens Geburtstag mit ihm feiern wollen. Doch da sei er in Spanien, lacht er. Kein Problem für die reiselustige Gruppe: „Die besuchen mich in Spanien, ich suche für sie das Restaurant für die Geburtstagsfeier und das Programm heraus.“ Über die Jahre haben Stammkunden so viel Vertrauen zu ihm entwickelt, dass „einige mir sogar bei der Bezahlung ihre Pin-Nummer überlassen.“ Missgeschicke nimmt der versierte Fachmann mit Humor. „Fliegende Fische“ habe es im Forsthaus auch schon gegeben, als er eine Scholle vom Tablett durch den ganzen Saal „fliegen“ ließ. Als „Verkäufer mit Herz“ bezeichnet er sich gern.

Seine Ausbildung absolvierte Wolfgang Tietgen als Landesbester in Neumünster, anschließend arbeitete er 15 Jahre in Haffkrug, davon führte er zehn Jahre lang selbstständig das „Restaurant zur Reuse“. Danach arbeitete er zwei Jahre im Hansehotel „Schwarzbunte“ in Lübeck, bevor er sich im Forsthaus bewarb und gleich nach dem Vorstellungsgespräch spontan mit in den laufenden Betrieb eingespannt wurde. „Dabei war es doch mein Geburtstag“, erinnert er sich lachend.

Er bediente so prominente Gäste wie Reinhard Mey, Felix Magath, Vlado Stenzel, Kanzlerin Angela Merkel und die gesamte Fußballnationalmannschaft unter Berti Vogts. Weil er so humorvoll und seine Freundlichkeit ehrlich ist, wurde er von einem Radiosender sogar drei Tage lang für eine Wettervorhersage op Platt engagiert. Tietgen: „Solange es meine Gesundheit erlaubt, werde ich auch nach der Rente dem Forsthaus zur Verfügung stehen.“ Die Gäste werden es ihm danken.

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