Bad Oldesloe : Für den Kinderbeauftragten ist im September Schluss

War heftiger Kritik ausgesetzt: Carsten Stock
War heftiger Kritik ausgesetzt: Carsten Stock

Nachdem Carsten Stock im Kreistag seinen Tätigkeitsbericht vorgestellt hatte, wurde seine Arbeit massiv kritisiert.

shz.de von
30. Juni 2014, 06:15 Uhr

Das war’s wohl für Carsten Stock als Kinderbeauftragter des Kreis Stormarn. Der Oldesloer wird im September nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren. Und selbst: Er würde nicht gewählt werden. Wie groß die Zerrüttung zwischen Politik und Stock ist, erfuhr er ausgerechnet kurz nach seinem Tätigkeitsbericht im Kreistag. Die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Ulrike Stentzler (CDU), ließ in ihrer vernichtenden Kritik kaum ein gutes Haar an Stocks knapp zweijährigen Arbeit.

„Sie haben sich nur als Anwalt der Eltern verstanden, nie als der Vermittler der sie sein sollten“, klagte sie an. Mangelnde Kommunikationskompetenz, unglückliche Kontaktversuche, Alleingänge und fehlendes Fingerspitzengefühl – die Liste ihrer Kritikpunkte an Stocks Arbeit war lang. Vor allem aber habe er die Politik und die Verwaltung nicht in seine Arbeit eingebunden und sei von den Eltern als Sprachrohr instrumentalisiert worden.

Thomas Bellizzi von der FDP stieß in dasselbe Horn. „Hier sitzen Kreistagspolitiker, die haben Herrn Stock noch nie gesehen. Wie kann das sein?“, fragte er. Man müsse sich zwar aus Respekt für das Engagement bedanken, aber die FDP sei von Anfang an aus gutem Grund skeptisch in Bezug auf Stocks Eignung gewesen. „So wie das Amt des Beauftragten in diesem Fall aufgefasst wurde, müssen wir sagen: Das kann es nicht sein“, so der Liberale: „Man erfuhr aus der Presse, was Herr Stock macht. In die Ausschüsse kam er hingegen nicht.“ Die SPD verpackte ihre Kritik subtiler. „Am Ende macht auch der Ton die Musik, trotz allem Engagements, das da war“, sagte Benjamin Freitag.

Gerold Rahmann von den Grünen war dagegen „fassungslos. Das ist eine öffentliche, politische Hinrichtung eines Ehrenamtlers. Wenn ich ein Ehrenamt im Kreis bekleide und dann sowas mitbekomme, würde ich sagen: Ihr könnt mich echt alle mal“, sagte er unter dem Applaus der Zuschauer. „Wo kommen wir denn hin, wenn von Ehrenamtlern nur der Kniefall vor Politik und Verwaltung erwartet wird? Wir danken Herrn Stock für seinen Einsatz für Stormarner Kinder“, so Rahmann. der „das parteipolitische Geschacher nur beschämend“ fand.

Und Carsten Stock selbst? Der wollte die Kritik nicht akzeptieren. „Ich finde, dass ich zwei Jahre einen wirklich guten Job gemacht habe. Wenn es nun so endet, weil ich mich zu sehr für die Kinder eingesetzt habe, dann ist das schade, aber unvermeidbar“, sagte er auf Nachfrage. Er sei überrascht über die Form und die Härte der Kritik. „Ich habe schon kritische Stimmen erwartet, aber nicht so. Ich habe mir aus meiner Sicht nichts vorzuwerfen. Vielleicht war ich manchmal etwas hart in einigen Aussagen, aber es ging mir immer um die Sache. Das was hier heute ablief, war nicht fair.“ Viele Vorwürfe könne er nicht nachvollziehen, so Stock: „Man stellte mich dort hin, um mich vorzuführen. Das ist stillos.“ Wenn Ulrike Stentzlers Rede die Umgangsform nach dem Stormarner Modell sein sollte, „dann muss man das wohl mal auf den Prüfstand stellen.“

Er werde diese Amtsperiode noch zuende bringen, weil er „halt wisse, was sich gehört“, so Stock: „Ich bin angetreten,um mich für Kinderrechte einzusetzen. Ich weiß nicht, wie meine Vorgänger das gemacht haben. Doch ich selbst sehe genau darin die Aufgabe. Alle, die im Kreis für das Wohl der Kinder aktiv sind, haben meine Arbeit gelobt. Und das zählt in erster Linie. Wenn das nicht gefragt ist, bin ich falsch.“

„Das zeigt nur, dass er als Lobbyist und nicht als Vermittler aufgetreten ist“, konterte Landrat Klaus Plöger diese Aussage, „er hat die Aufgaben nicht verstanden. Der Frust der Politik kommt nicht von ungefähr. Wer die Öffentlichkeit sucht und Kritik übt, der muss es auch aushalten können, wenn da was zurückkommt.“

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