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Stormarner Tageblatt

17. Dezember 2017 | 20:40 Uhr

Bad Oldesloe : Für besondere Angebote

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Für die Stormarner Werkstätten in Bad Oldesloe ist jetzt ein Förderverein gegründet worden. Er soll die Arbeit der Einrichtung unterstützen, aber staatliche Leistungen nicht ersetzen.

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erstellt am 08.Mär.2016 | 06:00 Uhr

„Wenn es um Geld geht, geht die Stimmung meistens runter“, weiß Stephan Bruns, Leiter der Stormarner Werkstätten, nur zu gut. Deshalb war für ihn klar: „Wir brauchen einen Förderverein!“ Das hat auch viel mit Bruns’ Selbstverständnis von der Arbeit der Stormarner Werkstätten zu tun: „Viele Angebote gehen hier über das Maß hinaus. Das muss nicht alles von der Eingliederungshilfe getragen werden.“ Da er aber auch für die besonderen Angebote Geld benötigt, haben die Stormarner Werkstätten jetzt einen Förderverein gegründet.

Die Werkstatt-Band ist eines der Projekte, die Stephan Bruns meint. „Die Auseinandersetzung mit Musik fördert ungemein den Teamgeist, die Intelligenz, das ist unbestritten gut – aber keine Aufgabe des Sozialamts“, erklärt er. Deshalb seien die Instrumente damals auch über Spenden gekauft worden. Ähnlich verhält es sich mit der Radsportgruppe. „Rad, Trikot, zu Wettkämpfen fahren – das kostet einfach Geld. Ist aber für die Persönlichkeitsentwicklung und die Teilhabe am Leben wichtig“, so Bruns. Der Ruf nach dem Staat sei zwar bis zu einem gewissen Punkt wichtig, „aber man muss auch selber in die Hufe kommen“.

Auch wenn er die Notwendigkeit immer schon gesehen hat, an die Gründung eines Fördervereins hat sich Stephan Bruns lange nicht rangetraut. „Ich hatte die Horrorvision, das dauert ewig und bindet viele Kräfte“, sagt der Werkstattleiter: „Aber jetzt war es einfach dran und ich habe mich gefragt: Kennst du nicht einen Rentner?“

Mit Reinhard Wildemann kennt er in der Tat einen, bei dem er nicht mal viel Überzeugungsarbeit leisten musste. Wildemann engagiert sich bereits ehrenamtlich bei den Stormarner Werkstätten, weil dort ein Angehöriger betreut wird. „Mit 98 Euro auf dem Lohnzettel ist es ganz schön, wenn der Förderverein das Trikot übernimmt“, so Wildemann, denn das könne schon mal so teuer sein wie ein Monatseinkommen. Auch wenn die Mitarbeiter der Werkstätten mehr verdienen als 98 Euro, bleibt es ein dicker Brocken.

Reinhard Wildemann musste nicht lange gebeten werden und legte mit Volldampf los, um den Verein zu gründen. „Wir sind durch!“, verkündet er jetzt gut gelaunt. Alle Formalitäten seien erledigt. „Binnen weniger Tage hatte ich die Beglaubigung vom Gericht. Ich bin da echt offene Türen eingerannt. Wir sind jetzt ein aktiver Verein, können Spendenquittungen ausstellen und haben schon 30 Mitglieder. Es werden fast täglich mehr“, freut sich Wildemann.

Falko Wildgrube, Mitarbeiter der Stormarner Werkstätten und Kassenwart des Fördervereins, erläutert das Vorgehen: „Wir richten uns in großem Maß nach den Interessen der Leute. Mit deren Vorlieben zu arbeiten, ist die beste Voraussetzung, um die Entwicklung voran zu bringen. Zukünftig werden mehr Angebote möglich sein“, ist er überzeugt. Mit 30 Euro Jahresbeitrag sind anfangs noch keine großen Sprünge möglich, dessen sind sich die Fördervereinsmitglieder bewusst. Darum werben sie zusätzlich Spenden ein.

Auch wenn er sich vehement für Eigen-Engagement ausspricht, will Stephan Bruns den Staat nicht aus der Pflicht lassen. „Ich käme nie auf die Idee, beim Förderverein eine Maschine für unsere Werkstatt zu beantragen.“

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