zur Navigation springen
Stormarner Tageblatt

20. Oktober 2017 | 03:39 Uhr

Ahrensburg : Führungskrise bei Jordsand

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der gerade neu gewählte Vereinsvorsitzende Reinhard Schmidt-Moser ist nach sieben Wochen zurück getreten, und Jordsand-Geschäftsführer Thorsten Harder geht.

von
erstellt am 27.Mai.2017 | 06:00 Uhr

Ein paar Jahre war es relativ ruhig im Verein Jordsand, jetzt gibt es wieder eine Führungskrise. Vorsitzender Dr. Eckart Schrey war zu Jahresbeginn zurückgetreten, wie es heißt aus Krankheitsgründen. Ende März wurde sein Stellvertreter Reinhard Schmidt-Moser zum Vorsitzenden gewählt, war das aber nur sieben Wochen. In der zweiten Mai-Woche trat der Diplom-Biologe zurück. Und Geschäftsführer Thorsten Harder verlässt den Verein ebenfalls.

Harder war 2010 zu Jordsand gekommen. Als er 2011 vom Vorstand um Uwe Schneider freigestellt wurde, war das der Auftakt zu einer Vereinsrevolte gegen den langjährigen Geschäftsführer und Vorsitzenden von Jordsand. Zur Hauptversammlung im Frühjahr 2012 trat Schneider überraschend zurück. Der neue Vorstand mit Eckart Schrey machte die Freistellung von Thorsten Harder umgehend wieder rückgängig. „Wir haben den Verein in den vergangenen Jahren gut aufgestellt. Ich würde sagen, er ist auf dem besten Stand seit der Gründung“, sagt Harder. Jordsand habe sechs hauptamtliche Mitarbeiter und die Regionalstellen, viele Projekte und ein gutes Ansehen. „Das sieht man auch am großen Zulauf von Ehrenamtlichen. Bis Ende des Jahres können wir keine Plätze mehr in den Schutzgebieten anbieten“, so Harder, der ab Juli Leiter der Naturschutzakademie auf der Insel Vilm wird.

Die Arbeit in den Schutzgebieten – das Herzstück des Vereins zum Schutz der Seevögel und der Natur – laufe tadellos und sei nicht der Grund für seinen Rücktritt, sagt Schmidt-Moser. „Es gab nicht das eine Ereignis, das zu einem Streit geführt hat, sondern anhaltende Differenzen in Fragen der Vereinsführung“, so der Diplom-Biologe, der schon lange einfaches Mitglied bei Jordsand ist, aber erst vor einem Jahr als Schreys Stellvertreter in den Vorstand kam.

An den unterschiedlichen Auffassungen änderte sich „leider auch nichts“, nachdem Ende März drei Mitglieder neu in die Vereinsführung gewählt wurden. Als ehemaliger Referatsleiter für Schutzgebiete und Artenschutz im Umweltministerium war es Reinhard Schmidt-Moser durchaus gewohnt, Streitigkeiten zu moderieren und gegensätzliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Im Jordsand-Vorstand scheiterte er damit: „So etwas habe ich in meinem Berufsleben nicht gehabt.“ Er betont aber, nicht im Streit gegangen zu sein: „Wir sind uns eben nur einig, das wir uns nicht einig sind. Das ist bedauerlich.“

Durch seinen Rückzug ist jetzt die zweite Vorsitzende Erika Vauk in der Pflicht. Ihr Mann war von 1979 bis 1990 Jordsand-Vorsitzender, sie selbst engagiert sich aber erst wieder seit einem Jahr im Vorstand. Durch eine „Verkettung unglücklicher Umstände“ sei sie in die Verantwortung gekommen, „und ich wollte nicht sagen, dass ich das nicht mache“, so die 65-Jährige.

Einer der strittigen Punkte ist der Umgang mit den Ehrenamtlichen. Das Verhältnis zwischen Haupt- und Ehrenamt sei immer schwierig und ein Spannungsfeld, sagt Schmidt-Moser diplomatisch. „Für mich gibt es da keinen Konflikt“, sagt Erika Vauk, „da ist die Kommunikation ganz wichtig.“

Sie bestreitet auch, dass Jordsand finanziell nicht gut dastehe, sagt aber ebenfalls: „Wir werden mehr auf die Betriebswirtschaft gucken. Da hat der Verein in den vergangenen Jahren weniger drauf geachtet.“ Nur aus Vereinsbeiträgen und Spenden sind die hauptamtlichen Mitarbeiter auf Dauer nicht zu bezahlen. In den vergangenen Jahren profitierte der Verein regelmäßig von Erbschaften. „Darauf kann man sich aber nicht verlassen“, sagt Erika Vauk. Sie sieht vor allem das Land Mecklenburg-Vorpommern in der Pflicht, wo der Verein mehrere Schutzgebiete übernommen hat. Im Gegensatz zu Schleswig-Holstein zahlt Schwerin aber nicht für die Betreuung der Gebiete.

Auch das wird der Verein aber nur ändern können, wenn er geschlossen auftritt. „Wir müssen uns im Vorstand zusammenraufen. Ich weiß, dass das nicht einfach ist, aber Jordsand kann doch nicht an persönlichen Schwierigkeiten scheitern“, sagt die 65-Jährige.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen