Ahrensfelde : Frische Landmilch rund um die Uhr

Mit den Holsteiner Schwarz-Bunten auf Du und Du: Der Beruf ist gleichzeitig ihr Hobby.
1 von 5
Mit den Holsteiner Schwarz-Bunten auf Du und Du: Der Beruf ist gleichzeitig ihr Hobby.

Eine junge Landwirtin geht innovative Wege und eröffnete auf dem Hof ihrer Eltern die erste Milchtankstelle in Nordstormarn

shz.de von
27. Dezember 2017, 14:22 Uhr

„Mit dieser Milch bin ich auf dem Land groß geworden. Sie ist hochwertiger als die aus dem Supermarkt“, sagt Peter Parlowski, während er seine mitgebrachte Flasche mit der frischen Milch von der Milchtankstelle auf dem Bauernhof Körting füllt. Gleich zwei Liter fließen aus dem Milchautomaten in die Flasche. Zuvor hat er 2 Euro eingeworfen – ein Liter Rohmilch gibt es hier für 1 Euro. Anschließend drückte er den Knopf mit der Aufschrift „Milch“. Ganz einfach. „Ich komme extra aus Bad Oldesloe nach Ahrensfelde, denn hier kann ich sogar die Kühe, von denen die Milch kommt, im Stall besuchen“, sagt Parlowski.

Die Stallhygiene sei hochwertig, ebenso hochwertig das Produkt, da kenne er sich aus. „Weshalb soll man da nicht die kleinen Milchbetriebe unterstützen“, sagt der Oldesloer. Ganz ehrlich: Die Milch schmecke in jeder Jahreszeit anders, die Sommermilch sei etwas gelblicher, weil die Kühe dann mit Gras gefüttert würden. Die Flasche ist voll, die Klappe schließt sich. Dann wird das Fach automatisch gespült. Neben dem Milchautomaten steht ein weiterer mit leeren Milchflaschen, die man für 1 oder 3 Euro – je nach Aufdruck – kaufen und immer wieder zum Auffüllen mitbringen kann. Auch Kakao gibt es. Der würde vor allem im Sommer gern gekauft, weiß Eileen Sophie Körting.

Sie hatte die Idee für die erste Milchtankstelle in Nordstormarn, hat während ihrer Ausbildung in Bad Segeberg eine Hausarbeit über das Thema geschrieben und die Vor-und Nachteile mit ihrer Lehrerin sowie mit ihren Eltern lange diskutiert. Nach Abschluss ihrer Ausbildung startete die 24-Jährige im April ihr erstes, eigenes Projekt und erwarb eine ein Jahre alte Milchtankstelle, stellte sie in ein mit Kuhmuster bemaltes Gartenhaus als Blickfang direkt an der viel befahrenen Landstraße auf dem Hof auf, sorgte für genügend Parkplätze. Schon von weitem ist das Hinweisschild zu sehen. Das sei wichtig, denn so könnten die Kunden auf dem Weg zur Arbeit mal kurz anhalten und ihre Milchflaschen befüllen. „Abgelegenere Höfe sind damit gescheitert, weil nicht genug Publikum vorbeifährt“, sagt die junge Landwirtin. Und die Kunden kommen – manchmal auch nachts auf dem Weg von der Schicht, denn die Milchtankstelle hat rund um die Uhr geöffnet.

Eileen Sophie Körting ist mit Kühen aufgewachsen. „Etwas anderes kann ich mir gar nicht vorstellen. Mein Beruf ist gleichzeitig auch mein Hobby“, sagt die engagierte junge Frau, die einmal den Hof ihrer Eltern übernehmen wird. 60 Kühe mit Nachzucht liefern die Milch, ein Teil davon landet jeden zweiten Tag in der Milchtankstelle. „Es ist ganz normale Rohmilch, die im Automaten gerührt und bei 3,5 bis 6 Grad gekühlt wird. Im Kühlschrank zu Hause hält sie sich bis zu drei Tagen – je nachdem, wie sauber die Flache ist“, erklärt sie.

Die Milchtankstelle laufe sehr gut, besonders zu Feierabend oder früh morgens brumme das Geschäft. Im Sommer besser als im Winter. Durchschnittlich werden pro Tag 50 Liter Milch gezapft. Kein schlechter Schnitt und sicher noch ausbaufähig. Jeden zweiten Tag transportiert sie die Milch in einem Spezialbehälter zum Automaten, das harmoniert mit dem Rhythmus der Abholung durch die Firma Arla. Ein spezielles Programm reinigt den Automaten mit heißem Wasser, damit alles den hygienischen Richtlinien entspricht.

Die Landwirtin schwärmt von der guten Milch, die noch alle Vitamine und wichtigen Inhaltsstoffe enthalte. Die Weidehaltung im Sommer trage auch zur guten Milchqualität bei.

Der Hof Körting nimmt am Programm „Weidemilch“ teil, bei dem genau kontrolliert wird, ob die Holsteiner Schwarz-Bunten genug Gras fressen. Im Winter wird selbstverständlich kein Genfutter, sondern Rapsschrot zugefüttert. Das sei gut für den Stoffwechsel und das Immunsystem. Und gesunde Kühe geben halt auch gute Milch.

„Mir liegt es am Herzen, dass Menschen – vor allem Kinder – mehr an die Landwirtschaft herangeführt werden“, so Körting. Ihre Milchtankstelle ist längst als Ausflugsziel bei Familien mit Kindern oder Großeltern, die ihren Enkeln zeigen wollen, wo die Milch herkommt, in der weiteren Umgebung bekannt. Und darauf kann die frisch gebackene Landwirtin stolz sein.



zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen