Auszeichnung : Friedenspreis für Biester-Blum

Glückliche Gesichter nach der Ehrung: (v. li.)  Achim Czeska, Birgit Kassovics, Innenminister Andreas Breitner, Winfried Kümpel-Jürgenowski,  Cord Denker, Jürgen Martens und  Inga Blum.
Glückliche Gesichter nach der Ehrung: (v. li.) Achim Czeska, Birgit Kassovics, Innenminister Andreas Breitner, Winfried Kümpel-Jürgenowski, Cord Denker, Jürgen Martens und Inga Blum.

Olof-Palme-Preis: Auszeichnung geht an Ammersbekerin, zweiter Preis an Ahrensburger Initiative.

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03. März 2014, 06:00 Uhr

Der Olof-Palme-Friedenspreis geht in diesem Jahr an eine Frau – an Waltraut Biester-Blum. Die Ammersbekerin konnte an der Preisverleihung im Reinbeker Schloss aber nicht teilnehmen, weil sie zurzeit für ihre Projekte in Kamerun arbeitet. Der zweite Preis geht an die Ahrensburger Initiative „Wir sind Bürgerinnen und Bürger“, die sich für eine gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung einsetzt. Insgesamt waren 14 Projekte nominiert.

Inga Blum nahm den mit 1000 Euro dotierten Preis stellvertretend für ihre Mutter entgegen. „Ich bewundere sie für das, was sie macht“, sagte sie in ihrer Dankesrede. Sie selbst wollte die Menschen in Kamerun als Entwicklungshelferin unterstützen, gab den Plan aber auf und ist heute Ärztin. Nach einem Jahr Arbeit in einem afrikanischen Waisenhaus zog sie für sich die Reißleine: „Die Korruption zermürbte mich, sie hat viele Helfer dort zynisch gemacht.“

Waltraut Biester-Blum hat noch als Lehrerin die Initiative ergriffen, inzwischen ist sie im Ruhestand. Seit 2002 baute sie in Kamerun Frauenprojekte auf, unter anderem eine Nähwerkstatt mit Ausbildungen für junge Frauen. Mit Mi-krokrediten erhalten sie dafür eine Starthilfe. Auch eine landwirtschaftliche Frauenkooperative betreut sie und sorgte für den Bau eines Tiefbrunnens. Bei der Akquise von Spenden dafür war sie höchst kreativ und erfolgreich.

Die Initiative „Wir sind Bürgerinnen und Bürger“ erhält den zweiten, mit 750 Euro dotierten Preis. „Wir haben einfach angefangen, Demokratie als Lebensform zu verwirklichen“, sagte der Initiator Achim Czeska. Die Gesellschaft solle auch Menschen mit Einschränkungen als vollwertige Bürger wahrnehmen. „Der Weg zur Emanzipation wird aber noch Jahrzehnte dauern“, prophezeit Czeska.

Innenminister Andreas Breitner hielt die Festrede. Er lobte das ehrenamtliche Engagement, das keiner Professionalität bedarf: „Laien bauten die Arche Noah, Experten die Titanic.“ Der freiwillige Einsatz bleibe der Kitt für unsere Gesellschaft, denn dem Staat stehe diese Ressource nicht zur Verfügung.

Breitner hielt ein Plädoyer für Integration und Toleranz „Heute leben rund 365 000 Menschen mit Migrationshintergrund in Schleswig-Holstein.“ Die gelebte Vielfalt mit ihnen in einer Kultur der Verschiedenheit entscheide mit über die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Eine Gesellschaft mit gleichberechtigter Teilhabe aller Menschen sei auch das Ziel Olof Palmes gewesen.

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