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Stormarner Tageblatt

16. Dezember 2017 | 21:56 Uhr

Bad Oldesloe : Freude über Behinderten-WC

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Oldesloer Behindertenbeirat findet lobende Worte für die erste barrierefreie Toilette in der Kreisstadt. Die Realisierung hat fünf Jahre gedauert.

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erstellt am 08.Sep.2015 | 06:00 Uhr

Yannick Thoms strahlt: „Endlich!“, freut sich die Vorsitzende des Oldesloer Behindertenbeirats: „Im Oktober 2010 haben wir den ersten Antrag gestellt.“ Fünf Jahre nach der Antragstellung ist das bislang einzige Behinderten-WC von Bad Oldesloe endlich fertig. „Es hat lange gedauert, aber es ist was geworden“, befindet Yannick Thoms. 75  000 Euro hat die Stadt dafür bereitgestellt.

Von außen ist kaum was zu erkennen: Eine breite grüne Tür mit Milchglas, ein kleiner Kasten für die Betätigung der elektronischen Schließanlage und darüber eine fast winzige runde Plakette mit einem Rollifahrer-Symbol und dem Hinweis WC – vielleicht zehn Zentimeter im Durchmesser. „Das ist bewusst klein gehalten“, erklärt Vorsitzende Thoms: „Wer ein Behinderten-WC benötigt, weiß Bescheid. Das wird auf den entsprechenden Seiten im Internet aufgeführt.“

Die geräumige Toilette befindet sich in der Hindenburgstraße und ist Teil der ehemaligen Goldschmiede Killinger, sie gehört zum „Laurent“, ehemals Café am Markt, und ist doch separat. Der Raum hat zwei Zugänge: Einen vom Restaurant aus aber auch besagte grüne Tür zur Fußgängerzone hin. Diese ist ausschließlich mit einem „Euro-WC-Schlüssel“, der von einem Verein nur an Behinderte mit entsprechendem Ausweis ausgegeben wird, zu öffnen. Sie haben rund um die Uhr Zugang. Für sie, und nur für sie, ist das quasi eine öffentliche Einrichtung.

Ist man in der Toilette, müssen von innen per Knopfdruck beide Türen elektronisch verriegelt werden. Ein kleines rotes Lämpchen signalisiert, dem Nutzer, dass er vor ungebetenem Besuch sicher ist. Auch zum Restaurant hin wird so angezeigt: besetzt!

Rollstuhlfahrer brauchen auf der Toilette Platz, um mit ihrem Gefährt ans WC fahren zu können. Ein beherzter Griff zu den schwenkbaren Haltebügeln, dann zieht sich Claudia Gehrke von ihrem Rolli probehalber aufs Klo. „Für ‚Querschnitte‘ ist es wichtig, im 90-Grad-Winkel ranfahren zu können und auch Platz für eine eventuelle Begleitung zu haben“, erklärt das Beiratsmitglied.

Das ist auch der Grund, warum sie die bisherige Behindertentoilette im Nachbarhaus nicht nutzen konnte. Sie war schlicht zu klein, denn sie hat keine Chance, aus ihrem Rollstuhl auszusteigen und ihn vor der Tür zu lassen. Die Blinde Britta Bussewitz hat jetzt Platz, bei Bedarf ihren Blindenhund mit aufs stille Örtchen zu nehmen. Um auch für sie optimal nutzbar zu sein, hätte noch ein System für akustische Ansagen installiert werden müssen. Sie kann den Verriegelungsschalter und die kleine Lampe schlicht nicht sehen. Das stört sie aber nicht weiter. „Wegen der beiden Türen wäre das viel zu aufwändig geworden“, sagt sie: „Ich freue mich trotzdem.“

Damit auch Rollifahrer sich im Spiegel betrachten können, ist der beweglich montiert und lässt sich über einen Hebel schwenken. Von der Toilette aus, kann per Schnur eine Notklingel betätigt werden. Der Alarm läuft bei einem Sicherheitsdienst auf. Damit sich auch Menschen mit Sehbehinderung zurechtfinden, wurde auf starke Kontraste geachtet – beispielsweise bei den Kleiderhaken – streng nach Din 18040-2. „Es ist alles da“, attestieren die Beiratsmitglieder.

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