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Bad Oldesloe : Freude ist groß: Jan darf bleiben

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Ein sehr gut integrierter 19-Jähriger Afghane darf sich nach langer Hängepartie über seine Aufenthaltsgenehmigung freuen. Seine Freunde aus dem Kinderheim St. Josef freuen sich mit ihm.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2015 | 10:36 Uhr

Sein Vorname klingt norddeutsch, doch Jan kommt aus Afghanistan. Da in seinem Heimatland Bürgerkrieg herrscht, begab sich der junge Jan Yousef Hashem vor fast vier Jahren auf eine gefährliche und abenteuerliche dreimonatige Flucht über den Iran bis nach Europa, und kam schließlich von Norwegen aus nach Deutschland – ganz allein. Er landete in Bad Oldesloe und zog im Januar 2012 für zwei Jahre in das Kinder- und Jugendhaus St. Josef ein.

„Es war keine einfache Zeit, weil ich ja nicht wusste, ob ich bleiben darf. Aber alle haben sich bemüht und waren sehr nett“, erzählt der heute 19-Jährige. Lernen war ab sofort sein Hauptziel. Das zu erreichen gelang ihm sehr gut, denn die deutsche Sprache war kein großes Hindernis für den begabten Schüler. Inzwischen spricht er fast perfekt Deutsch.

An der Oldesloer Berufsschule hat er seinen Hauptschulabschluss als Klassenbester gemacht, und im Sommer wird er die Mittlere Reife ablegen. Aktueller Notenschnitt: 1,4. Er engagiert sich für den Verein „Menschen in Bewegung“ und betreut einen Menschen mit Handicap für die Marli GmbH in Lübeck. Seine eigene Betreuerin im Oldesloer Kinderheim, Diana Djordjevic (35), wurde schließlich – als er mit 18 aus dem Heim ausziehen musste – auch seine Pflegemutter. „Wir hatten sofort ein Superverhältnis. Ich fand sie toll und alles, was ich hier erreicht habe, verdanke ich auch ihr“, erklärt der junge Afghane, der über die Zeit seiner Flucht nicht gerne spricht. „Ich habe keinen Kontakt mehr nach Afghanistan, und es ist auch kein Verwandter mit nach Europa gekommen. Das ist eine ganze andere Geschichte“, sagt er und sieht für einen kurzen Moment traurig aus, bevor sein Lächeln zurückkehrt.

Bisher musste er trotzdem jeden Tag mit der Angst leben, abgeschoben zu werden. Doch zahlreiche Freunde und Bekannte halfen ihm bei den Anträgen an die Schleswig-Holsteinische Härtefallkommission, die über seinen Aufenthalt entscheiden musste.

Jetzt traf die erlösende Nachricht ein: Jan bekommt eine Aufenthaltserlaubnis. Die ist zwar auf drei Jahre befristet, doch schon 2017 kann der junge Mann seine Einbürgerung beantragen. „Jan war von Anfang an etwas Besonderes. Wir freuen uns mit ihm über diesen Erfolg und haben deshalb spontan eine Überraschungsparty für ihn organisiert“, sagt Birgit Brauer, Leiterin des Kinder- und Jugendhauses St. Josef in Bad Oldesloe.

Zwei seiner Mitschülerinnen an den beruflichen Schulen, Fee Kiesow und Celina Forteschi, berichteten auf der Feier darüber, wie gut sich Jan integrierte. „Er lacht immer, ist hilfsbereit, sozial engagiert und Klassensprecher. Er singt sehr viel und überall. Es gab nie Probleme – er ist sehr beliebt und bringt sich für die Gemeinschaft ein“, schwärmen sie. Seine Pflegemutter ist erleichtert. „Es ist so großartig, wie viele Menschen uns unterstützt haben. Man muss auch sagen, dass es toll ist, dass wir hier so ein engagiertes Kinder- und Jugendhaus haben“, so Djordjevic, die für die Flüchtlinge ohne Eltern im St. Josef Stift verantwortlich ist.

Jan denkt jetzt schon weiter. „Ich möchte Medizin studieren oder IT–Programmierer werden“, sagt er. „Jetzt weiß ich, dass ich eine echte Chance in meiner neuen Heimat habe.“

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