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Stormarner Tageblatt

18. August 2017 | 09:06 Uhr

Frauenhaus – offen für die Männer

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Arbeiterwohlfahrt betritt in der Hansestadt Lübeck Neuland mit einem bundesweit einzigartigen Projekt

Das ist einmalig in Deutschland: Das Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt Schleswig Holstein gGmbH öffnet in Lübeck auch den Männern die Tür. Und nicht nur das, auch die Anonymität des Hauses, das in der Hartengrube liegt, wird aufgelöst. Das gesellschaftliche Statement dahinter heißt: „Frauen, die Gewalt erleiden, sollen sich nicht länger an einem geheimen Ort verstecken müssen.“

„Wir wollen ein nach Außen gut sichtbares und offenes Haus sein“, erläutert Renate Prüß, Fachsbereichsleiterin für Jugend und Familienhilfe, der Awo Schleswig-Holstein gGmbH, „die Bekanntheit bietet den Schutz der sozialen Kontrolle und bietet den Frauen einen selbstbewußteren Umgang mit ihrer Situation an.“

Das sind neue Schritte in der Frauenhausarbeit, die aus langjährigen eigenen Erfahrungen in der Gewaltschutzarbeit entstanden sind und sich in Anlehnung an das niederländische Modell „OranjeHuis“ entwickelt haben. Schon vor Jahren habe die Arbeiterwohlfahrt begonnen, umzudenken und an Konzepten zu arbeiten, wie man neue Wege findet, Familien aus der häuslichen Gewalt zu helfen. „Die Bedürfnisse der Familien und der Frauen haben sich geändert, die fachliche Sichtweise zeigt, dass es nicht ausreicht, nur die Frau aus der Gewaltsituation heraus zunehmen“, so Renate Prüß. Das neue Konzept setzt genau da an, wo normalerweise die Kommunikation aufhört: Häusliche Gewalt entsteht durch Beziehung, und genau auf diese soll geschaut werden, um Gewaltmuster zu unterbrechen. Dabei gehe es nicht um Verharmlosung der Straftat, sondern um Verantwortung. Prüß: „Die Beratung ist ergebnisoffen und kann daher die Entscheidung zur Trennung bestätigen oder aber Perspektiven zulassen, wie die Partnerschaft ohne Gewalt weitergeführt werden kann.“ Die Beratung im Frauenhaus Hartengrube richte sich daher nicht nur an die Frau, die Schutz und Zuflucht braucht, „sondern kann auch den Täter und weitere Beteiligte aus dem sozialem Umfeld berücksichtigen“. „Häusliche Gewalt entsteht in einer Dynamik, die alle Beteiligten kennen sollten, um sie durchbrechen und die Gewalt beenden zu können“, so Prüß: „Es geht um eine Sichtweise, wie die von Gewalt betroffenen Frauen früher und systematischer erreicht werden können, wie Drehtüreffekte reduziert und Gewalt in Partnerschaften individueller beendet werden kann.“

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von
erstellt am 22.Aug.2013 | 10:32 Uhr

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