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Stormarner Tageblatt

12. Dezember 2017 | 14:05 Uhr

Ausbeutung? : Frauen in Teilzeit- und Mini-Jobs

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Gewerkschaften NGG und verdi kritisieren stetig wachsende „Niedriglohn-Schicht“ vor allem bei Frauen, die vom "anständigen Arbeitsmarkt" abgehängt würden. Der Anteil in Stormarn liege bereits bei 70-Prozent-Anteil.

Im Kreis Stormarn haben Frauen die schlechteren und die schlechter bezahlten Jobs. Sie werden in Teilzeit- und Mini-Jobs gedrängt.

Nach Angaben des Pestel-Instituts sind lediglich 34 Prozent aller Vollzeitstellen in Stormarn mit Frauen besetzt. Ganz anders bei den Teilzeit- und Mini-Jobs: Hier beträgt der Frauenanteil 70 Prozent. „Frauen machen immerhin rund 12 770 Mini-Jobs im Kreis. Gerade hier ist das Niedriglohn-Risiko am höchsten: Zwei von drei der Mini-Jobs werden mit weniger als 8,50 Euro pro Stunde bezahlt. Oft liegen sie sogar weit darunter“, sagt Sabine-Almut Auerbach von verdi. Die Geschäftsführerin des verdi-Bezirks Südholstein spricht von einer „Niedriglohn-Schicht“, die vom „fair bezahlten und damit anständigen Arbeitsmarkt“ mehr und mehr abgekoppelt werde. „Gerade Frauen werden als billige Arbeitskräfte von Teilen der heimischen Wirtschaft regelrecht ausgenutzt“, so Auerbach.

Gemeinsam mit verdi übt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) heftige Kritik an der Entwicklung auf dem Stormarner Arbeitsmarkt: „Arbeitsplätze, von denen man leben kann, werden systematisch abgebaut. Mini-Jobber übernehmen die Arbeit von Vollzeitkräften. Jobs werden zerschlagen, Löhne gedrückt“, kritisiert Dirk Himmelmann. Der Geschäftsführer der NGG-Region Lübeck belegt dies mit Zahlen vom Pestel-Institut aus Hannover, das verdi und NGG damit beauftragt haben, die regionale Arbeitsmarktsituation zu beurteilen. Demnach hat die Zahl der Mini-Jobs in den vergangenen zehn Jahren um 85 Prozent zugenommen. „Mini-Jobber sind moderne Tagelöhner – mies bezahlt mit wenig Schutz“, so Himmelmann.

Der Geschäftsführer der NGG-Region Lübeck beklagt eine „völlig verlotterte Moral im Umgang mit dem Wert von Arbeit“.

Seit Jahren stemme sich die Bundesregierung gegen einen gesetzlichen Mindestlohn. „Dabei wird es höchste Zeit, diese Notbremse zu ziehen. Arbeit ist keine Dumpingware. Sie darf nicht länger nach dem Geiz-ist-geil-Prinzip auf den Wühltischen der Arbeitsvermittler angeboten werden“, so die verdi-Bezirksgeschäftsführerin.

Vordringliche Aufgabe der neuen Bundesregierung müsse es daher sein, einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro einzuführen.

„Für einen Niedriglohn zu arbeiten, bedeutet, dass man den Gürtel ganz eng schnallen muss. Wer dazu gezwungen ist, hat nicht mehr das Gefühl, dazuzugehören“, sagt Dirk Himmelmann. Dumpinglöhner lebten längst in einer „Verzichtskultur“, zu der sie gezwungen seien. Ganze Familien würden dabei vom gesellschaftlichen Leben abgekoppelt. „Bus- und Bahnfahrten sind für diese Menschen oft schon etwas Besonderes. Der Gang ins Kino oder Freizeitbad ist die absolute Ausnahme. Und ein Restaurantbesuch der pure Luxus“, so der Geschäftsführer der NGG-Region Lübeck.

NGG und verdi appellieren an alle Beschäftigten, die einen Niedriglohn von weniger als 8,50 Euro pro Stunde bekommen, diesen online beim Dumpinglohnmelder (www.dumpinglohnmelder.de) anzuzeigen.


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