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Stormarner Tageblatt

22. August 2017 | 06:15 Uhr

Trittau : Fracking bewegt die Gemüter

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Groß angelegter Informationsabend in Trittau mit hohem Zulauf und niedrigem Erkenntnisgewinn

Parteien und Bürger sind gegen das Fracking, viele Kreise und Kommunen haben bereits Resolutionen verabschiedet. Wie groß das Interesse an diesem Thema, zeigte sich auch beim Infoabend in Trittau. Der große Saal in der Verwaltung platzte aus allen Nähten, einige Besucher mussten während der dreistündigen Veranstaltung stehen. Amtsvorsteher Ulrich Borngräber hatte Vertreter der Parteien, der Betreiberfirma PRD Energy und den Leiter der Unteren Wasserbehörde im Kreis Herzogtum Lauenburg, Dr. Carl-Heinz Schulz, eingeladen.

Schulz informierte zunächst über die aktuelle Lage und rechtliche Aspekte des Frackings. „Die Aufsuchungserlaubnis für das Feld Schwarzenbek, das sich bis in mehrere Gemeinden des Amtes Trittau erstreckt, berechtigt keineswegs auch zum Fracken“, stellte er klar. Es seien verschiedene Arbeitsschritte, und es seien immer neue Genehmigungen einzuholen. Schulz sprach über die Chemikalien, die zum Fracken benutzt würden, die teilweise giftig und krebserregend seien. Inzwischen würden viele Firmen aber nach weniger toxischen Alternativen suchen, und einige Unternehmen auch die Zusammensetzung ihrer „Cocktails“ veröffentlichen.

„Wir betreiben mehrere Erlaubnisfelder in Schleswig-Holstein und Niedersachen, seit 1. Juni 2013 in Schwarzenbek. Im ersten Jahr haben wir vorhandene Daten erstmal gesammelt und ausgewertet“, sagte Gabriele Junker von der Betreiberfirma PRD Energy GmbH, die zehn Mitarbeitern in Berlin beschäftigt. Erst danach werde man bei lohnenden Standorten gegebenenfalls eine Genehmigung für Bohrungen beantragen.

Grundlage für Genehmigungen ist das Bergrecht, das noch aus der Kaiserzeit stamme, so Schulz. Der Grünen Bundestagsabgeordnete Dr. Konstantin von Notz (Mölln bezeichnete es als „reines Rohstoffausbeutungsrecht.“ Klaus Söntgerath, Vertreter des Bergbauamts, versuchte dagegen, es zu rechtfertigen und verwies auf Novellierungen aus dem Jahr 1982. „Richtig ist: Wenn Rohstoffe gefördert werden können, sollen sie auch gefördert werden. Aber es gibt mehr Möglichkeiten, als alle denken, Verbote und Beschränkungen im öffentlichen Interesse durchzusetzen“, sage Söntgerath. Zudem würden Genehmigungen laufend durch Inspektoren überprüft.

Dr. Carl-Heinz Schulz, berichtete allerdings, dass ihm vom Bergbauamt Informationen mit Hinweis auf Geheimhaltungspflicht vorenthalten worden seien. Heinz Hoch, der die Wählergemeinschaften des Amtes Trittau vertrat und als Bürgermeister von Grande durch den verhinderten Kiesabbau reichlich Erfahrung mit dem Bergrecht sammeln konnte, prangerte an, dass eine Initiative zur Änderung des Bergrechts im Bundesrat gestoppt wurde: „Was ist so schwer daran, eine endgültige Entscheidung zu treffen?“

Angesichts der Energiewende werde „Fracking nicht gebraucht“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Nina Scheer (Geesthacht). Auch ihr CDU-Kollege Norbert Brackmann sah derzeit keinen guten Grund für Fracking, man sollte sich aber weiteres Wissen darüber aneignen sollte. Dr. Bruno Hollnagel (AfD) betonte, dass Bodenschätze grundsätzlich dem Staat und dadurch den Bürgern gehörten. Vorab müsse aber die Unschädlichkeit nachgewiesen werden.

In den Fragen der Zuhörer zeichneten sich auch Befürchtungen aufgrund des Freihandelsabkommens ab, das zwischen der EU und der USA verhandelt wird. Ein Punkt ist der Investitionsschutz für Firmen, „Keiner kennt derzeit die genauen Texte“, räumte Norbert Brackmann (CDU) ein.

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erstellt am 04.Okt.2014 | 06:00 Uhr

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