zur Navigation springen

Kreisstadt im Erkundungsfeld : Fracking-Alarm in Oldesloe

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Grüne und SPD wollen die gefährliche Fördermethode mit einem Antragspaket im Umweltausschuss unmöglich machen.

Oldesloe | Angeblich sind alle dagegen, angeblich will es keiner, das Thema schien vom Tisch und doch lauert die Fracking-Gefahr plötzlich in Oldesloe. Im Segebergischen erstreckt sich das so genannte „Erlaubnisfeld Leezen“. Es erstreckt sich bis tief in Stormarner Gebiet – Bargfeld-Stegen, Bargteheide und Bad Oldesloe. Ein norwegisches Unternehmen hat beantragt, dort nach Gas suchen zu dürfen. Mit seismischen Untersuchungen würde über drei Jahre hinweg nach Energiereserven tief unten im Erdreich gesucht werden. Vorerst geht es nur um Erkundung. Doch sollte die erfolgreich verlaufen, ist klar, dass ausgebeutet wird – dann könnte Fracking zum Einsatz kommen. Jenes umstrittene Verfahren, bei dem ein giftiger Chemikaliencocktail mit hohem Druck in mehreren tausend Metern Tiefe ins Gestein gepresst wird, das wird dabei aufgebrochen (engl.: fracking) das Gas kann gewonnen werden.

Informationen über das Erlaubnisfeld Leezen hätten nie an die Öffentlichkeit gelangen dürfen, denn das ganze Verfahren ist streng geheim. Offiziell will niemand aus der Verwaltung etwas sagen – die Geschäftsinteressen des Unternehmens müssen geschützt werden. Oldesloes Bauamtsleiter Thilo Scheuber räumt nur so viel ein: „Die Stadt ist beteiligt worden und wird fristgerecht eine Stellungnahme abgeben.“ Immerhin scheint die Genehmigungsbehörde Stormarn auf dem Zettel zu haben. Beim Erlaubnisfeld Schwarzenbek wäre der Kreis fast übergangen worden.

Heute Abend tagt der Oldesloer Umweltausschuss ab 19 Uhr im Stadthaus. SPD und Grüne haben einen gemeinsamen Antrag gestellt, um Fracking nach Möglichkeit zu verhindern.

„Alle haben gesagt, sie seien dagegen. Dann denkt man doch, es wird schon nichts passieren. Aber das war wohl ein Trugschluss“, begründet die SPD-Frakitonsvorsitzende Maria Herrmann den Antrag: „Ich fühle mich hilflos und suche mir mühsam Informationen zusammen. Land, Kreis, Partei – da hätte ich eine Handreichung erwartet, wie mit dem Thema umgegangen werden soll. Stattdessen kommen nur Pressemitteilungen.“

Der rot-grüne Antrag ist ein 13 Punkte umfassender Forderungskatalog an die Landesregierung: Die Beweislast soll umgekehrt werden, nur Firmen eine Genehmigung erhalten, die in den vergangenen drei Jahren keine Unfälle zu verantworten haben, die Unternehmen müssen Sicherheitsleistungen hinterlegen, es sollen nur unbedenkliche Stoffe zum Einsatz kommen und die Verfahren wissenschaftlich kontrolliert werden, etc.

„Wir müssen Druck erhöhen, bevor die anfangen zu drücken“, erläutert Dr. Hartmut Jokisch, Grüne: „Druck hat auch beim Kiesabbau in Grande zum Erfolg geführt.“ Durch Auflagen soll eine so hohe Hürde aufgebaut werden, „dass die Investoren die Finger davon lassen“.

Eine der Auflagen könnte die Beweislastumkehr sein. Aus Niedersachsen wisse man, dass es durch die Ausbeutung von Erdöl oder -gas zu kleinen Erdbeben kommen könne. Die führen unter Umständen zu Rissen in Privathäusern. „Dann muss der Eigentümer viel Geld in die Hand nehmen und Gutachten erstellen lassen, um der Firma die Schuld nachzuweisen“, erklärt Jokisch. Bei Beweislastumkehr sei es genau andersrum: Das Unternehmen muss nachweisen, dass es mit den Rissen nichts zu tun hat.

Sowohl hinter dem Antrag für das Erkundungsfeld Schwarzenbek auf der Südostflanke Stormarns wie auch im Westen beim Feld Leetzen stehen angeblich sehr kleine Firmen. „Die eine hat  eine Einfamilienhaus-Adresse in Oslo“, weiß Jokisch. Er vermutet: „Die stecken die Claims ab, machen seismische Untersuchungen und wenn sie den Eindruck haben, da könnte was sein, werden die Rechte verkauft.“

Bauamtsleiter Thilo Scheuber verspricht für die heutige Sitzung: „Wir werden das alles mal durchgehen und sehen, was davon realistisch ist.“

zur Startseite

23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 03.Sep.2014 | 17:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen