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Stormarner Tageblatt

26. September 2017 | 07:49 Uhr

Bargteheide : Fluglärm: Klagen ohne Ende

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Fluglärmschutzkommission für den Hamburger Airport bietet am 2. Juni ihre erste Bürgerfragestunde in Stormarn an.

von
erstellt am 20.Mai.2016 | 16:33 Uhr

Der Kreis Stormarn ist seit 2015 mit Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach in der Hamburger Fluglärmschutzkommission (FLSK) vertreten. Am Donnerstag, 2. Juni, will das Gremium erstmals eine „Bürgerfragestunde vor Ort“ in Stormarn anbieten. Im Bargteheider Ganztagszentrum, Am Markt 2, kann ab 18 Uhr mit den FLSK-Vertretern diskutiert werden.

„So begrüßenswert so eine Fragestunde vor Ort auch sein mag, aus unserer Sicht ist dieses nur vorgeschoben“, sagt Barbara Gosch, Sprecherin der Initiative „Fluglärmgeplagte Gemeinde Elmenhorst“ (FGE): „Die Argumente sind alle ausgetauscht. Statt mit einer Bürgerfragestunde auf Zeit zu spielen, sollte man die zugesagten Entlastungen für die dauerschallgeplagten Gemeinden schaffen.“ Der FGE geht es vor allem um die Verkürzung des Standard-Anflugs. Der war – wie von der Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) gefordert – von vier auf sieben nautische Meilen (NM) erhöht worden. Etwa in Höhe Jersbek kommen die Flieger auf den Landegleitpfad, im Bereich Elmenhorst, bei etwa 10,5 nautischen Meilen, drehen sie in einer Höhe von 900 bis 1000 Metern auf den Leitstrahl ein.

Ein Zurück auf vier gibt es nicht mehr, trotzdem macht Axel Schmidt, Leiter des Bereichs Umwelt am Flughafen, den lärmgeplagten Stormarnern Hoffnungen. Zum einen habe es 2015 aufgrund extrem häufiger Westwinde erheblich mehr Landeanflüge aus dem Nordosten gegeben. Und bei der Verlängerung des Anflugs habe es die Flugsicherung „besonders gut gemeint“ und eher zehn Meilen zum Standard gemacht.

Das habe sich wieder geändert, sagt Schmidt. Genau das bezweifelt Barbara Gosch: „Immer noch kommen 80 Prozent über Elmenhorst, weil die Piloten sich an die zehn Meilen gewöhnt haben. Wenn man es wieder anders verteilen würde, könnte jeder damit leben.“ Das sieht Axel Schmidt ähnlich, sagt aber auch: „Ein Problem, das noch nicht gelöst ist.“ Sarach will es auf Anregung der FGE in der nächsten Sitzung der Kommission am 10. Juni vorbringen.

9400 Klagen über Fluglärm gab es im vergangenen Jahr, mehr als 70 Prozent davon kamen aus Stormarn und den Hamburger Walddörfern. „Es gab tatsächlich eine Mehrbelastung, natürlich auch in den Morgen- und den späten Abendstunden“, räumt Schmidt ein. Und die Zahlen steigen weiter. Im ersten Quartal waren es mit fast 4600 Beschwerden fünf Mal so viel wie im vergangenen Jahr.

Was auch an den Fluglärmgegnern liegt, die dazu auffordern, jedes Flugzeug via Beschwerde-Vordruck zu melden, das zu spät, zu laut oder zu tief fliege, so Martin Mosel von der Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW). Die Meinung der BAW, dass der Fluglärm insgesamt stark zugenommen habe, lässt Axel Schmidt nicht gelten und verweist auf die so genannte Lärmkontur. Das sind die Flächen an Start und Landebahnen, an denen ein äquivalenter Dauerschallpegel von mindestens 62 dB (A) erreicht wird. Zwar habe die Lärmkontur mit 13,8 Quadratkilometer minimal zugenommen, bleibe aber deutlich unter der festgelegten Obergrenze. Schmidt: „13,8 ist kein schlechter Wert. Wir kommen von 80 Quadratkilometern, die wir noch in den 90ern hatten.“

Auch dass die Flugzeuge nicht leiser geworden seien, streitet er ab. „Natürlich sind größere Flugzeuge lauter als kleine. Aber wenn die Passagierzahl 2015 mit der Flotte von 2014 hätten bewältigt werden müssen, hätten wir 20  000 Flugbewegungen mehr gehabt.“ Im Zehn-Jahres-Vergleich sind es 30 Prozent mehr Passagiere (15,6 Millionen), aber 5,9 Prozent weniger Flugbewegungen. Fast 80 Airlines haben den neuen Airbus A320neo bestellt, der weniger Kerosin verbraucht und 6 dB(A) leiser ist als sein Vorgänger.

Eine Flotten-Modernisierung dauert allerdings ihre Zeit. Kurzfristiger und schneller soll die „Pünktlichkeits-Offensive“ des Airports wirken, der sich die fünf größten Fluggesellschaften angeschlossen haben. Bereits jetzt greifen erste Änderungen im Flugplan, die Kritiker schon länger angemahnt hatten. So wurden planmäßige Landungen von 22.55 Uhr auf 22.30 Uhr vorverlegt, um bei kleinen Verspätungen nicht über 23 Uhr hinaus zu kommen.

Mit dem Sommerflugplan soll die mit den Fluggesellschaften vereinbarte Pünktlichkeits-Offensive greifen. Das lohnt sich auch für die Unternehmen, denn die Gebühren für verspätete Flieger hat der Hamburger Flughafen bereits um 50 Prozent erhöht. Nach 22 Uhr gilt jetzt ein Aufschlag von 150 Prozent, ab 23 Uhr von 300 Prozent.

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