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Stormarner Tageblatt

17. Oktober 2017 | 06:25 Uhr

Flüchtlingen ein Zuhause geben

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

„Asyl in Reinfeld“ fordert mehr Betreuung, Angebote und bessere Unterkünfte für die rund 50 Flüchtlinge in Reinfeld und Nordstormarn

shz.de von
erstellt am 18.Jan.2014 | 00:31 Uhr

AliReza Danesch (19) aus Afghanistan kam vor einem Jahr in Deutschland an – in seiner Hand nur einen Beutel mit dem Allernötigsten. Seine Familie, seine Eltern und zwei Geschwister, hatte er in seiner Heimat zurückgelassen. Nach schwieriger Reise erreichte er die Sammelstelle für Flüchtlinge in Neumünster, von da aus ging es weiter bis nach Reinfeld. Ein wenig erschöpft und vor allem allein brachten ihn Mitarbeiter des Bauhofes in seine vorläufige Unterkunft an der Nachtkoppel - einsam gelegen an einem Feldweg zwischen Reinfeld und Zarpen und in einem baulich desolaten Zustand. „Wir kannten niemanden, wussten nicht, an wen wir uns wenden sollten“, erinnert er sich. Seinen drei mit ihm gereisten Freunden erging es ebenso. Schrecklich kalt sei es in der kleinen Sammelunterkunft gewesen. Die Flüchtlinge aus Afghanistan fühlten sich einsam, konnten (noch) kein Deutsch und kamen sich überflüssig und verloren vor. Doch dann nahte Hilfe von engagierten Reinfeldern, die sich heute in der Gruppe „Asyl in Reinfeld“ des Kriminalpräventiven Rates engagieren. „Sie haben mir sehr geholfen“, bedankt sich der 19-Jährige. Ohne die liebevolle Unterstützung von Marzena Reese hätte er es nicht so schnell geschafft, ist sich AliReza sicher. Sie kümmerte sich um die Behördengänge, nahm ihn „an dieHand“, um einen Schulplatz zu suchen, brachte ihm Deutsch bei. Das spricht er inzwischen (fast) perfekt. Und AliReza ist ehrgeizig. Zur Zeit macht er in einer speziellen Klasse der Beruflichen Schulen in Bad Oldesloe seinen Hauptschulabschluss. Anschließend soll der Realschulabschluss folgen, denn der junge Afghane hat hohe Ziele: „Am liebsten möchte ich noch Abitur machen und studieren.“ Dass er es schafft, Ingenieur zu werden, nimmt man dem sympathischen jungen Mann sofort ab. Einen ersten Schritt in die Selbständigkeit hat er vor drei Monaten getan: Er bezog eine kleine Wohnung in Reinfeld – dank der Unterstützung durch die Gruppe „Asyl in Reinfeld“.

Die Mitglieder der Gruppe wünschen sich nichts sehnlicher, als dass es den anderen Flüchtlingen ebenso ergeht wie AliReza. „Die Anzahl der Flüchtlinge wird stetig steigen“, ist sich Albrecht Werner sicher. Immerhin sind zwischen 50 und 60 Asylbewerber in Reinfeld und Umgebung untergebracht: in kleinen Sammelunterkünften in der Sperrsitzgasse, in der Krögerkoppel und der Nachtkoppel, in einem Container. Einige hatten das Glück, bereits in kleine Wohnungen umziehen zu können. Neben der Unterstützung im Alltag wie Deutschkursen, Hilfe beim Umzug, Besorgung von Möbeln und Hausrat, Behördengängen und allgemeinem Zuspruch arbeitet der harte Kern der Gruppe daran, dass die Asylbewerber langfristig nicht in eventuell noch größeren Sammelunterkünften untergebracht werden müssen und appelliert auch an Vermieter, sich kooperativ zu zeigen und ihnen eine Chance auf Integration zu geben. Schwierig sei die Situation vor allem für die Jugendlichen, die keine Beschäftigung hätten und monatelang in weit abgelegenen Unterkünften warten müssten, so Reese. Sie plädiert für Deutschkurse von Anfang an. Sie selbst und einige andere Mitglieder bieten bereits Kurse an. Nur durch die Teilnahme am normalen Alltag sei Integration erfolgreich. Zu wenig Informationen über Arbeit, Schulen und Freizeit würden die zum Teil schwer traumatisierten Flüchtlinge bekommen, um sich schneller in der neuen Umgebung zurechtfinden zu können, bedauert Werner. Alles in allem sei die Atmosphäre in der Karpfenstadt jedoch eher positiv und nicht fremdenfeindlich. Negative Resonanz sei kaum zu spüren. Auch die Verwaltung erkenne allmählich, dass eine intensivere Betreuung der Flüchtling nötig sei, obwohl vom Gesetzgeber so nicht gefordert. Man sei froh über die Unterstützung der Ehrenamtlichen. Albrecht Werner: „Wir wollen in Reinfeld und Nordstormarn für traumatisierte Menschen mit schwerem Schicksal aus Krisengebieten ein guter Gastgeber sein.“


Wer sich mit Angeboten, Kursen und Ideen für die Flüchtlinge einsetzen möchte, wende sich bitten an Albrecht Werner unter Tel. (0171) 53 37 984.

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