Bad Oldesloe : Flüchtlinge sollen in Stormarn „durchstarten“

Stände gab es im Foyer und im Biz.
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Stände gab es im Foyer und im Biz.

Theoretisch könnten Viele Flüchtlinge in Stormarn arbeiten. Praktisch hapert es oft an Sprachkenntnissen. Mit einer Messe wird für Arbeits- und Ausbildungsplätze geworben.

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18. Januar 2018, 06:00 Uhr

Das Interesse ist groß, die Erfolge aber noch überschaubar. Gestern hatten die Arbeitsagentur und das Jobcenter unter dem Motto „Durchstarten in Stormarn“ zur ersten „Messe für Geflüchtete“ eingeladen. Knapp 1800 Menschen bekommen Geld vom Jobcenter. Davon könnten 1340 arbeiten. Theoretisch: Die meisten besuchen Integrations- oder Sprachkurse. Knapp 400 haben die Pflichtkurse absolviert, 240, die das Level B 1 erreicht haben, wurden schriftlich zur Messe eingeladen. Für einen Job oder eine Lehrstelle reicht B 1 meist aber nicht aus, da man auch etwas wie Sicherheitsbestimmungen verstehen muss.

Zur Messe kamen sogar noch mehr. „Ich war ganz begeistert, als ich heute Morgen ins Haus kam“, sagt Agenturchefin Heike Grote-Seifert, die von „Mund-zu-Mund-Propaganda“ ausgeht. „Das Interesse ist groß“, bestätigt Doris Ziethen-Rennholz, Geschäftsführerin des Jobcenters. Zunächst hörten die Probanden einen Vortrag von Dennis Hauke von der Kreishandwerkerschaft, der die dualen Ausbildungen vorstellte.

Mit Ständen waren neben der Agentur das Jugendaufbauwerk und die Berufsschule, Weiterbildungsträger, Zeitarbeitsfirmen sowie Firmen wie Malepartus und CWS vertreten. Die waren zwar grundsätzlich zufrieden, die Masse der Interessierten war aber auf der Suche nach einer Ausbildung.

85 Prozent der Geflüchteten in Stormarn haben keine Berufsausbildung, 56 Prozent auch keinen Schulabschluss. Gut 70 Prozent sind Männer, fast zwei Drittel (58 Prozent) sind unter 35, jeder Fünfte sogar unter 20 Jahren. So auch Kosai Alwasel, Abo Aibaz und Mohammd Ali. Zwei der 18 und 19 Jahre alten Syrer würden gerne eine Ausbildung im IT-Bereich machen, Mohammd Ali könnte sich Zahntechnik vorstellen.

Faride Mousawi aus Afghanistan ist mit 22 Jahren etwas älter und weiß genau, was sie will: „Eine Ausbildung als Kauffrau bei einer Versicherung oder im Finanzbereich.“ Bislang waren die Bewerbungen der jungen Frau erfolglos, „aber ich habe hier einige gute Informationen bekommen.“

Ihr Deutsch dürfte kein Hinderungsgrund sein, mangelnde Sprachkenntnisse sind aber immer noch die entscheidende Hürde. „Einige sprechen super, andere verstehen fast nichts“, ist die Erfahrung, die Olaf Kirchhoff von Randstand gemacht hat. Die Zeitarbeitsfirma hat ein paar Interessenten eingeladen, aber auch die erwartet dort noch ein Deutsch-Test.

Einige kleinere Messen wie im Herbst für den Gastronomie-Bereich hatten Agentur und Jobcenter bereits organisiert. „Das wollen wir noch deutlich ausbauen“, sagt Heike Grote-Seifert. „Die Intention ist, dass die Menschen Eigeninitiative entwickeln. Das tun sie bereits jetzt“, bestätigt sie den meisten großes Interesse an Ausbildung und Jobs.

Auch die Arbeitgeber seien „offen und wissen, dass es Defizite gibt“, sagt die Agenturchefin. „Für uns im Stormarner Handwerk zählt nicht, wo man herkommt, sondern wo man hin will“, sagt Dennis Hauke. Gabriele Saegebrecht, Ausbilderin bei Eggers Tiefbau, hat nicht nur ein Praktikum mit einem jungen Syrer vereinbart, der Industriekaufmann werden möchte. Sie hat auch Jugendliche aus einer DaZ-Klasse nach Tangstedt eingeladen, um dort den Betrieb kennenzulernen.

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