3. Liga: VfB Lübeck gegen Kaiserslautern : Florian Riedel kehrt stolz an den Betzenberg zurück

Stammspieler und Führungsfigur: Beim VfB Lübeck ist Florian Riedel (re., hier im Zweikampf mit Bayerns Leon Dajaku) noch einmal durchgestartet.  Foto: imago-images
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Stammspieler und Führungsfigur: Beim VfB Lübeck ist Florian Riedel (re., hier im Zweikampf mit Bayerns Leon Dajaku) noch einmal durchgestartet. Foto: imago-images

Florian Riedel muss mit dem VfB Lübeck beim 1. FC Kaiserslautern ran, für den er einst 13 Zweitligaspiele absolvierte.

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24. November 2020, 12:47 Uhr

Lübeck | Wenn der VfB Lübeck am Mittwoch mit Lübeck Air nach Saarbrücken fliegt, um ab 19 Uhr das Auswärtsspiel in der 3. Liga gegen den 1. FC Kaiserslautern zu bestreiten, wird es für einen Spieler der Grün-Weißen eine Reise in die Vergangenheit: Florian Riedel spielte einst für den Traditionsclub, der unter Otto Rehhagel als bislang einziger Aufsteiger in der Saison 1997/98 die deutsche Meisterschaft gewann, in der 2. Bundesliga.

Der im sächsischen Werdau geborene Riedel wird mit gemischten Gefühlen in den Flieger steigen. Der 30-Jährige, der 2008 seinen ersten Profivertrag bei Hertha BSC unterschrieb, wo er unter Lucien Favre nur einmal im UEFA-Pokal zum Einsatz kam, hat nicht nur gute Erinnerungen an seine Zeit beim FCK. „Ich habe tolle Erfahrungen gemacht, aber auch erlebt, wie hart das Geschäft sein kann. Trotzdem freue ich mich auf dieses Spiel“, sagt der Abwehrspieler, der 2012 vom Drittligisten VfL Osnabrück an den Betzenberg gewechselt war.

Fan im Spielertrikot

Als Kind der 1990er Jahre war er Fan der Roten Teufel, seine Idole waren Michael Ballack und Olaf Marschall, die wie er aus dem Osten Deutschlands stammen. „Für mich ging ein Traum in Erfüllung, ich war ein Fan im FCK-Spielertrikot“, erinnert sich Riedel.

Sein Zweitliga-Debüt für die Lauterer feierte er als 22-Jähriger am 30. September 2012 gegen Eintracht Braunschweig. In der 84. Minute wurde er eingewechselt – und handelte sich sieben Minute später die Rote Karte ein. Beim 1:1 damals in Reihen des Gegners: Riedels heutiger Mitspieler Mirko Boland.

Am 4. Februar 2013 ging für den Außenverteidiger ein weiterer Traum in Erfüllung. Gegen den TSV 1860 München eingewechselt, erzielte er kurz vor Ultimo mit seinem ersten Ballkontakt den 1:0-Siegtreffer und zugleich sein erstes Tor als Profi. Später durfte er im Bundesliga-Relegationsspiel gegen die TSG Hoffenheim ran. „Gegen Firmino, Sebastian Rudy oder Niklas Süle zu spielen, war cool, auch wenn wir den Aufstieg verpasst haben“, sagt Riedel und erinnert sich noch gut an die besondere Atmosphäre damals im Fritz-Walter-Stadion.

Kurzer Höhenflug

Dem kurzen Höhenflug folgte der Absturz in der darauf folgenden Saison. Früh in der neuen Spielzeit zog sich Riedel eine schwere Verletzung zu. „Gegen Cottbus hatten wir einen Platzverweis kassiert und konnten nicht mehr wechseln, also habe ich auf die Zähne gebissen und weitergespielt, obwohl ich mir die Schulter ausgekugelt hatte.“ In der Schlussphase fiel er noch einmal auf das lädierte Gelenk – und verschlimmerte damit seine Verletzung. Drei Operationen und 298 Tage Pause waren die Konsequenz.

Bittere Lektion

Erst im März 2014 kehrte er auf den Platz zurück. Seine Zeit aber war abgelaufen. Neu-Trainer Kosta Runjaic sortierte ihn nach nur 13 Zweitligaspielen für den FCK aus. „Ich hatte noch ein Jahr Vertrag, durfte aber nicht mehr an offiziellen Terminen teilnehmen, musste separat trainieren und mich in einer eigenen Kabine umziehen“, erzählt der 30-Jährige. „Das war eine bittere Lektion.“

Karriere stockt

Die Profikarriere des Verteidigers schien beendet, ehe sie richtig begonnen hatte. Viel schlimmer aber: Der Verein, den er liebte, für den er seine Gesundheit aufs Spiel gesetzt hatte, ließ ihn fallen. Was folgte, waren Vereins- und Arbeitslosigkeit, später der Abstieg aus der Regionalliga Südwest mit Eintracht Trier und ein einjähriges Gastspiel bei Nordost-Regionalligist FC Viktoria Berlin, ehe zur Saison 2018/19 der Wechsel zum VfB Lübeck erfolgte.

Mit den Grün-Weißen startete Riedel noch einmal richtig durch. Unter Trainer Rolf Landerl erlebte der 30-Jährige seinen zweiten Frühling, wurde auf Anhieb Stammspieler und kehrte noch einmal auf die bundesweite Fußballbühne und nun nach Kaiserslautern zurück.

Kreis schließt sich

Riedel hat seinen Frieden mit der Vergangenheit gemacht, weil er nicht aufgegeben und sich wieder hochgearbeitet hat. „Meine Motivation war immer, irgendwann noch einmal gegen Lautern zu spielen“, sagt er. Am Mittwoch werde sich für ihn daher ein Kreis schließen: „Ich bin ein zweites Mal Profifußballer geworden und komme tatsächlich noch einmal als Spieler zum FCK zurück – so wie ich es immer gehofft hatte. Das macht mich mächtig stolz.“

Zur Person

Florian Riedel wurde am 9. April 1990 im sächsischen Werdau geboren. Seine ersten fußballerischen Schritte machte der Rechtsverteidiger bei Rot-Weiß Werdau und dem FSV Zwickau, ehe er 2005 in die Nachwuchsabteilung von Hertha BSC wechselte.

Stationen im Herrenbereich: 2007 bis 2010 Hertha BSC, 2010 bis 2011 AGOVV Appeldoom (Niederlande), 2011 bis 2012 VfL Osnabrück, 2012 bis 2015 1. FC Kaiserslautern, 2016 bis 2017 Eintracht Trier, 2017 bis 2018 FC Viktoria 1889 Berlin, seit 2018 VfB Lübeck.

13 Mal kam der Verteidiger in der 2. Bundesliga zum Einsatz, absolvierte 30 Drittligaspiele und 134 Regionalligapartien, 42 Spiele in der damaligen drittklassigen Regionalliga Nord, sowie vier DFB-Pokalspiele, ein UEFA-Pokalspiel und 25 Partien in der 2. niederländischen Liga.

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