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Bad Oldesloe : Fliesen-Kunstwerke - es werden immer mehr

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Bunte Fliesen statt Graffiti, Piktogramme statt Tags: Bad Oldesloe ist Schauplatz eines in Deutschland einzigartigen Kunst-Projekts. Doch wer ist der mysteriöse Künstler?

shz.de von
erstellt am 13.Jul.2011 | 02:53 Uhr

Das Fliesen-Rätsel von Bad Oldesloe ist längst nicht entschlüsselt. Es gibt eine neue Entwicklung, die noch vieles verspricht. Jetzt sind es bereits 14 Motive, die an den unterschiedlichsten Ecken in der Stadt Platz gefunden haben und erst auf das Naheliegende verweisen, dann Spielraum zur Interpretation bieten.
Was ins Auge fällt: Es gibt eine neue Qualität. Neben den bekannten, fein gearbeiteten Fliesen-Mosaiken, die ein Piktogramm ergeben, sind jetzt Fliesen mit handschriftlicher Botschaft an Wände geklebt worden. Während bei Haus Gutenberg ("Alles wird gut") noch der Kleber versagte, ist bei Delikatessen Peters - gegenüber vom Stormarner Tageblatt - eine Kachel haften geblieben mit der Aufschrift: "Bildungshunger und Wissensdurst sind keine Dickmacher". Treffender gehts nicht.
Bei dieser Art Fliesen-Kunst ist Absicht erkennbar
Auch dieser Fliesentyp ist handwerklich gestaltet worden. Filigran gefräste Rillen, aufgefüllt mit Ölfarbe, machen das Objekt unabhängig von der Vergänglichkeit durch Witterung. Filzstift auf Fliese - das wäre ja auch zu profan gewesen!
Aber was will diese Fliesenlegerei inmitten der Stadt den Betrachtern sagen? Anders als bei Graffito - wo der egozentrische Sprayer, ohne Rücksicht auf das jeweilige Umfeld, lediglich sein Werk hinterlässt - ist bei dieser Art Fliesen-Kunst Absicht erkennbar. Es geht um Rückeroberung des öffentlichen Raums durch bewusste Wahrnehmung. Was liegt da näher als die Verwendung von Symbolen und Zeichen. Ein Piktogramm ist universell verständlich. Den Bezug zum Umfeld darf dann jeder gefälligst selbst herstellen.
Ein nächster, folgerichtiger Schritt wäre die Sprache
Denkwürdiges am Rande: Es gibt in der Kreisstadt eine Fläche, an der Graffiti erlaubt ist. Just dort am Exertunnel prangte eine Fliese, die eine stilisierte Spraydose zeigte. Ausgerechnet dieses Mosaik ist von der Bildfläche verschwunden. Es existiert unter Sprayern ein Ehrenkodex, Bilder anderer Künstler nicht zu beeinträchtigen. Dagegen könnte der unbekannte Oldesloer Fliesenleger mit seinem Piktogramm (bewusst?) verstoßen haben, wie die prompte Reaktion zeigt. Ungeachtet dessen sind in den letzten Tagen neue Fliesen heimlich gesetzt worden. Sie gehen einen Schritt weiter. Hier transportiert nicht mehr ein Zeichensymbol die Aussage (Motto: Bilder sagen mehr als tausend Worte), sondern es wird auf die Kraft des ausformulierten Satzes vertraut. Es steht zu vermuten, dass bedeutungsvolle Sätze folgen.
Ein nächster, folgerichtiger Schritt wäre die Sprache. Das freilich würde das Ende dieses in Deutschland einzigartige Fliesen-Kunst-Prozesses bedeuten. Aber wer wollte sich das jetzt wünschen?
(rks, shz)

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