Bad Oldesloe : Fitnesstraining für Flüchtlinge

Trainerin Annemarie Stark zeigt Omar Übungen für die Stärkung der Rückenmuskulatur.
Trainerin Annemarie Stark zeigt Omar Übungen für die Stärkung der Rückenmuskulatur.

Annemarie Stark ist mehrfache Deutsche Meisterin im Boxsport und bringt jetzt junge Männer in Form.

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23. Februar 2018, 06:00 Uhr

Annemarie Stark ist nur 1,60 Meter groß, sehr zierlich und mit knapp 50 Kilogramm Körpergewicht ein „Fliegengewicht“. Umso mehr erstaunt es, wenn die 35-Jährige über ihre berufliche Laufbahn erzählt: Sie ist Bundeswehr-Marineoffizierin, Profi-Boxerin und Psychologie-Studentin. Sie kennt sich also bestens aus in einer Männerwelt, wo körperliche Kraft und Durchsetzungsvermögen zählen. Hinzu kommen bei ihr noch Begeisterungsfähigkeit und Einfühlungsvermögen.

Diese Kompetenzen helfen ihr bei ihrem derzeitigen „Nebenjob“: Sie betreut junge Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften der Johanniter (siehe links). Da kommt ihr ihre langjährige Erfahrung als Ausbilderin bei der Bundeswehr sehr zugute. Beeindrucken kann sie die jungen durchweg männlichen Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Eritrea und dem Irak aber auch durch ihre sportliche Karriere. Annemarie Stark ist fünffache deutsche Boxmeisterin im Fliegengewicht, das ist die unterste Gewichtsklasse (45- 48 kg) im Boxsport. Mit Anfang 20 kam sie zufällig zu dieser für Frauen recht ungewöhnlichen Sportart. Nach einem Probetraining wurde ihr Talent entdeckt, es folgten Titelgewinne, die Aufnahme ins Nationalteam und der 3. Platz bei den Europameisterschaften 2015. Das macht natürlich Eindruck, wenn es gilt, drei Mal pro Woche die jungen Geflüchteten für Fitness zu begeistern.

Zwei Mal pro Woche trainiert Annemarie Stark mit bis zu acht jungen Männern in einem kleinen Raum in der Flüchtlingsunterkunft. „Es geht um Fitness und Gesundheitstraining, es ist ein Mix aus allem. Wir tun viel für den Körper und die Muskeln, es geht um Kraft, Kondition, um Cardio-, Wirbelsäulen- und Rückentraining.

Kampfsport oder Boxen spielen hier eigentlich kaum eine Rolle“, erzählt die Frau, die am liebsten mit Menschen arbeitet.

Von zurzeit 38 Bewohnern sind leider nur wenige für das Fitnesstraining zu begeistern. „Wir haben manchmal Mühe, sie überhaupt aus dem Bett zu bekommen“, gesteht Ilka Lambke-Muszelewski, Leiterin der Gemeinschaftsunterkünfte im Sandkamp und in der Kastanienallee, die in der Trägerschaft der Johanniter stehen. Viele der Flüchtlinge (18 bis Mitte 30), die hier wohnen, seien traumatisiert, litten unter Depressionen und seien oft nur schwer zu motivieren. „Sie kommen aus patriarchal geprägten Gesellschaften, wo der Mann stark sein muss, hier gibt es zunächst nichts zu tun“, so die Leiterin: „Deshalb ist es uns wichtig, sie zu aktivieren.“ Und genau das gelingt Annemarie Stark prima.

„Sie haben ganz schnell erkannt, was das kleine Persönchen hier will“, lacht die Fitnesstrainerin, die ihre Jungs rasch auf Trab bringt. Alle sprechen recht gut Deutsch, so dass es mit der Verständigung kaum Probleme gibt. Zur Not hilft Ibrahim El Nabulsi als Dolmetscher. Der aus dem Libanon stammende Betreuer arbeitet auch als professioneller arabischer Sprachmittler. Das gezielte Bewegungstraining ist auch gute Psychotherapie. Das Training soll die Bewohner in Bewegung bringen, um dann später den Weg in Sportvereine vorzubereiten. Einige haben schon Anschluss an Sportvereine vor Ort gefunden, andere tun sich damit noch schwer. Zusätzlich zu dem sportlichen Training unterstützt Annemarie Stark die Bewohner mit Ernährungstipps für Muskelaufbau oder Gewichtskontrolle.

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