Fitness für das Arbeitsklima

Am Gesundheitstag  werden die Stühle aus dem Sitzungssaal geräumt: Bei Thomas Colshorn  werden Muskeln beansprucht.  Foto: Blase
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Am Gesundheitstag werden die Stühle aus dem Sitzungssaal geräumt: Bei Thomas Colshorn werden Muskeln beansprucht. Foto: Blase

Kreisverwaltung setzt Gesundheitsmanagement fort / Unternehmenskultur ein wesentlicher Faktor

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30. Mai 2013, 03:59 Uhr

Bad Oldesloe | "Gesundheit lässt sich nicht managen", sagt die Personalleiterin beim Kreis Stormarn, Larissa Bebensee, und zieht trotzdem ein positives Fazit nach drei Jahren betrieblichen Gesundheitsmanagements in der Verwaltung. Mit Unterstützung der Barmer GEK war man 2009 gestartet, nun macht der Kreis allein weiter.

"Wir wissen, dass echte Veränderungen nicht in kurzer Zeit zu erreichen sind. Aber wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Landrat Klaus Plöger. Die im Vergleich zur freien Wirtschaft vergleichsweise hohe Krankenquote im öffentlichen Bereich war ein Grund für den Einstieg ins Gesundheitsmanagement. Daran hat sich bislang nichts geändert. 6,1 Prozent ist der Wert beim Kreis, 3,3 Prozent sind es in der Privatwirtschaft.

"Einer Senkung des Krankenstands war nicht unsere Ziel", sagt Heike Thomsen von der Barmer-Hauptverwaltung in Lübeck, "angesichts der demografischen Entwicklung ist es schon ein Erfolg, dass der Wert stabil geblieben ist". "Ohne unsere Gesundheitsmanagement wäre der Krankenstand sicher gestiegen", ist Ralf Klesch überzeugt, Leiter der Barmer in Stormarn.

"Es gibt eben kein Wunderelixier, aber es gibt sehr viele positive Rückmeldungen", sagt Larissa Bebensee. Das zeigen auch die Mitarbeiterbefragungen, die am Anfang und zum Ende der drei Jahre gemacht wurden. "Wir haben deutliche Verbesserungen bei Muskel- und Skelett-Beschwerden, und das Bewusstsein für Eigenverantwortung hat elementar zugenommen", sagt Heike Thomsen.

Beim Start war die Liste mit den Wünschen sieben DIN A4-Seiten lang, jetzt ist es noch eine Seite. Vielfältige Angebote ohne erhobenen Zeigefinger von der aktiven Mini-Pause mit einfachen Übungen bis zum umfassenden Gesundheits-Check sind das eine. "Viel schwieriger ist es, herauszufinden, welche Strukturen krank machen oder unter welchen Bedingungen die Beschäftigten gerne arbeiten", so Heike Thomsen.

Auch weil die Kreis-Mitarbeiter zu Anfang durchaus skeptisch waren. Das hat sich nach den drei Jahren geändert. Auch weil Amtsleiter hohen Krankenstand in ihren Abteilungen erklären mussten. 60 Prozent der Kreis-Mitarbeiter konstatierten in der zweiten Befragung "eine hohe Identifikation mit ihrem Arbeitgeber", so Heike Thomsen: "Die Führungskräfte kommen an dem Thema nicht mehr vorbei".

Dass sich der soziale Zusammenhalt und das Betriebsklima verbessert haben, sind für Ralf Klesch "wichtige Voraussetzungen für Gesundheit im Unternehmen. Wenn die Arbeit im Team Spaß macht, die Meinung gefragt ist und Anerkennung von Leistungen zur Unternehmenskultur gehören, können nicht nur Fehlzeiten gesenkt werden." Ob das Gesundheitsmanagement heißen muss, ist eine andere Frage. "Wir sehen es jedenfalls als Chance für den Kreis", sagt Wolfgang Krause, Fachbereichsleiter Inneres. Das Thema wurde in der Abteilung von Larissa Bebensee angesiedelt, eine Halbtagskraft eingestellt. 20 000 Euro stehen dafür jährlich zur Verfügung. Die Barmer hat in den drei Jahren rund 50 000 Euro investiert, so Ralf Klesch: "Es sollte als Anstoß dienen."

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